Netzwelt-Ticker Amazon war "dumm und gedankenlos"
Amazon-Chef Jeff Bezos sagt 'Tschuldigung: Als sein Unternehmen das Eigentum von Kunden löschte - ausgerechnet die Orwell-Bücher "1984" und "Farm der Tiere" verschwanden aus dem Speicher von Kindle-Lesegeräten - sei das dumm und gedankenlos gewesen. In einem offenen Brief an die Kindle-Kunden schreibt Bezos : "Wir sind selbst schuld, verdienen die Kritik, die wir erhalten haben. Wir nutzen das Narbengewebe dieses schmerzhaften Fehlers, um zukünftig bessere Entscheidungen zu treffen, die unserer Mission entsprechen."
Amazon Gründer Jeffrey P. Bezos: "Wir verdienen die Kritik"
Foto: MARIO TAMA/ AFPDas Fernlöschen der Bücher warf ein düsteres Licht auf eine besonders fragwürdige Praxis von Anbietern von Downloadinhalten: Einen Kill-Switch, mit dem aus der Entfernung Inhalte gelöscht werden können. Den haben auch zahlreiche andere Geräte, die regelmäßig Verbindung mit ihren Herstellern aufnehmen - vom Digital-Videorekorder Tivo über Spielkonsolen wie Xbox 360 oder Playstation 3 bis hin zum iPhone.
Und so entwickelt sich Amazons Lösch-Aktion zu einem Lehrstück über Macht und Rechte im Zeitalter totaler Vernetzung. Viele prominente Tech-Blogger nahmen Bezos Entschuldigung zwar an, wiesen aber im selben Atemzug auf die vielen anderen wunden Punkte des Onlinehändlers hin: Techcrunch-Autor MG Siegler zeigt sich zum Beispiel besorgt darüber, wie Amazon "mobile Anwendungen aus dem Netz drängt, welche die Amazon-Datenschnittstellen (APIs) in einer Weise benutzen, die ihnen nicht gefällt".
Auch Boingboing-Blogger Cory Doctorow nutzt die Gelegenheit, um darauf hinzuweisen, dass Amazon sich als Onlineshop zwar vorbildlich verhalte, aber nur, solange es nicht um digitale Daten geht. Doctorow fordert Bezos auf, endlich mit der Wahrheit herauszurücken: Bitte sag uns, was der Kindle tun kann . "Amazon teilt weder Verlagen, Autoren noch den Lesern mit, welches Unheil der Kindle anrichten kann." In den Monaten seit seiner Einführung habe man auf die harte Tour herausfinden müssen, welche Rechte sich Amazon hinter Nutzers Rücken herausnimmt.
Sorge um Datenschutz bei Google Book Search
Die US-Internet-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) fordert von Google Datenschutzmaßnahmen für seine Buchsuche , schreibt die ORF Futurezone. In einer Pressemitteilung zeigt sich die EFF besorgt darüber, dass Google bereit sei, die Privatsphäre seiner Google-Books-Nutzer zu opfern: Nicht nur, welche Bücher man lese, könne das Unternehmen aufzeichnen, sondern auch auf welchen Seiten man sich wie lange aufhält, welche Notizen man sich mache.
"Google könnte ihre Lesegewohnheiten mit Informationen aus anderen Google-Dienstleistungen verbinden und so massive 'digitale Dossiers' über sie, ihre Interessen, ihre Sorgen anfertigen." Angesichts "zahlreicher Berichte über staatliche Bestrebungen, Online- und Offline-Buchhändler zur Übergabe von Leserdaten zu bringen", sei es an der Zeit, Google das Versprechen abzuringen, die Privatsphäre der Leser zu schützen. Das soll eine Massen-Mail an Google-Geschäftsführer Eric Schmidt erreichen, die EFF-Unterstützer unter der Pressemitteilung unterschreiben können .
Bundesregierung enthüllt Polizeidatenbanken
Die Bundesregierung nennt laut Heise.de Details zu polizeilich geführten Datenbanken : Auf Anfrage der Fraktion der Linken wurde eine umfangreiche Aufstellung der Datensammlungen des Bundeskriminalamts (BKA) und der Bundespolizei für Zwecke der Prävention und Strafverfolgung veröffentlicht ( PDF-Datei, 90 Kb ). Inhalt: "Stand der Entwicklung der vom Bundesdatenschutzbeauftragten angemahnten Rechtsverordnung zum Führen von Verbunddateien, Anzahl der u. a. in der Datei 'Gewalttäter links' und in weiteren Dateien gespeicherten Personen, Bedingungen für die Übermittlung von Daten an ausländische Sicherheitsbehörden, Kriterien für die Einstufung von Personen, Verzicht auf das bisherige Verdachts- und Anschuldigungsprinzip als ausreichenden Grund für die Aufnahme in die Gewalttäterdateien; für die Verwaltung der 'Gewalttäter'-Dateien verantwortliche Stelle innerhalb des BKA." Was die Fraktion der Linken mit der kleinen Anfrage wirklich erhofft, erklärt Heise.de.
Enttäuschung: Google Latitude für das iPhone
Readwriteweb hat sich Googles Ankündigung vorgeknöpft, in der das Unternehmen verkündet, dass es eine iPhone-Anwendung für sein geo-lokalisiertes soziales Netzwerk Latitude veröffentlicht habe. Die Autoren haben sich die Web-Anwendung angeschaut - und sich enttäuscht abgewendet: "Wir empfehlen, das mal selbst auszuprobieren und sich dann ganz schnell die App von Brightkite herunterzuladen, einem Startup im gleichen Sektor". Brightkite sei so vollgestopft mit Features, dass Latitude daneben aussehe wie ein frustrierender Witz .
Techcrunch beschreibt ein wenig ausführlicher, was bei Latitude alles schief gegangen sei - und warum auch Apple Schuld am Desaster hat .
Peinlich: Startup schummelt bei Spracherkennung
Spinvox ist ein Webunternehmen, das eine ebenso einfache wie praktische Dienstleistung erbringt: Es übersetzt Sprachnachrichten in Textnachrichten. Dazu reicht ein Anruf bei Spinvox. Ein mysteriöses "Sprachnachricht-Konversions-System, bekannt als 'D2' (The Brain)" wandele die gesprochenen Worte dann in eine Textnachricht um, die man als Blogeintrag oder SMS weiterverwenden kann.
Doch BBC News will nun erfahren haben, dass hinter dem Brain-System echte Hirne und nicht etwa Computersysteme stecken. Ein Großteil der konvertierten Nachrichten würden von Callcenter-Mitarbeitern in Südafrika und den Philippinen in die Schriftform übertragen.
In einer Stellungnahme nennt Spinvox diese Vorwürfe "inkorrekt" und "nicht akkurat". Nur, wenn ihr "Brain" nicht mehr weiterwisse, würden die Nachrichten "anonymisiert" an "Konversionsexperten" weitergeleitet.
Wäre da nicht jene Facebook-Gruppe, in der Mitarbeiter eines ägyptischen Callcenters, das für Spinvox arbeitete, Bilder und Audioaufzeichnungen von Sprachnachrichten einiger Spinvox-Kunden veröffentlichte. "Das war nur Training", behauptet Spinvox gegenüber der BBC .
Aber egal was nun wahr ist oder nicht: Angesichts der Vorwürfe liest sich die "How it Works"-Seite auf Spinvox.com ausgesprochen unterhaltsam.
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