Netzwelt-Ticker: Amputation per SMS-Anleitung - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Amputation per SMS-Anleitung

Weil ein Flusspferd einem Jungen den Arm abbiss, musste amputiert werden. Weil er noch nie so eine Operation vorgenommen hatte, holte sich ein Arzt Echtzeit-Hilfe: Per SMS! YouTube geht gegen Sex-Spam vor, das Internet macht auf Telefonbuch und Wikipedia erhält Spende für mehr Nutzerfreundlichkeit.
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Nachdem ein Flusspferd einem 16-jährigen Jungen aus dem Kongo den Arm abbiss, half nur eines: Die Amputation seines Oberarmes bis hinauf zum linken Schulterblatt. Doch der einzige Arzt in der Nähe, ein Brite, der im Kongo Freiwilligenarbeit leistete, hatte noch nie so eine Operation vorgenommen.

Ein Kollege dieses Arztes, ein Amputationsspezialist in Großbritannien, sprang aus der Entfernung ein, übermittelte eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Amputation eines Oberarms per SMS-Textnachrichten . Die lebensgefährliche Operation gelang trotz widriger Operationsbedingungen: Gerade einmal ein halber Liter Blut zur Transfusion, ein spärlich eingerichteter OP-Saal, ein Arzt ohne Amputationserfahrung. Der Junge hat die Operation überstanden, berichtet die Nachrichtenagentur AFP.

Die als Stoff-Kuscheltier populären Flusspferde werden zu den gefährlichsten Großtieren Afrikas gezählt. Dass durch ihre Attacken mehr Menschen ums Leben kommen, als durch jede andere Großtierart, ist ein gern kolportiertes Gerücht, für das es aber keinen statistischen Nachweis gibt. Tatsache ist jedoch, dass es jedes Jahr zahlreiche Todesfälle gibt: Flusspferde sind sehr territorial, insbesondere die Muttertiere gelten als hoch aggressiv. Immer wieder wird von Attacken auf Boote berichtet. Mit einem Lebendgewicht von bis zu 4,5 Tonnen und ihrem kräftigen Kiefer können die überraschend schnellen Tiere erheblichen Schaden anrichten.

YouTube geht gegen Sex-Spam vor

Um die YouTube-Charts "Größte Beliebtheit", "Meistgesehen", "Top-Favoriten" von Sex-Spamvideos frei zu halten , hat YouTube im Firmenblog angekündigt, die Richtlinien zu verschärfen, nach denen Videos gesperrt oder von der Übersichtsseite verbannt werden können. In vier Punkten zieht YouTube künftig die Zügel enger: Der Zugang zu Videos mit sexuellen Anspielungen und "Profanitäten" wird weiter eingeschränkt, Videobeschreibungen müssen dem Inhalt des Videos entsprechen und die Miniaturbilder, die der Vorschau dienen, werden zufällig aus dem echten Videomaterial generiert, so dass Spammer Sex-Bilder nicht mehr als Lockstoff vor eine Werbenachricht setzen können.

Das Blog der "LA Times"  kritisiert die neuen Maßnahmen als aus Werbesicht verständlich, aber auch zutiefst Community-feindlich. Zwar sei ziemlich eindeutig, was YouTube unter "sexuelle Anspielungen" verstehe, nicht aber, was "Profanität" genau bedeute. Das sei natürlich Absicht, YouTube könne so recht einfach missliebige Videos wegen "Profanität" vor den Nutzern verstecken. Was aber bedeuten Maßnahmen gegen "anstößiges Verhalten", wenn "fragwürdige Umgangsformen" praktisch in die YouTube-Ästhetik gegossen seien, fragt die "LA Times". Das erkenne man doch, wenn man nur einmal einen Blick in die Kommentare unter den Videos geworfen habe.

UK: Amazon eröffnet MP3-Shop

Fast schon still und heimlich hat der Internet-Shop Amazon im Vereinigten Königreich seine Abteilung für digitale Musik eröffnet: Amazon MP3 bietet Musikdateien ohne Kopierschutz. Der Katalog sei zwar noch nicht sonderlich groß, dafür lasse sich Amazon MP3 gut navigieren, meint Techdigest.tv. Zum Songdownload benötige man aber ein spezielles Programm, den Amazon Downloader.

Das Blog von MusicAlly.com  hat außerdem Löcher im Repertoir ausgemacht, "groß wie Indie-Plattenlabels". Dafür seien die Preise variabel: Sie beginnen bei 59 Pence (69 Cent), einige Alben gibt es momentan für gerade einmal drei Pfund (3,48 Euro), darunter das neue Album von Take That, Kings of Leon und Girls Aloud. Hypebot machte mindestens hundert dieser Drei-Pfund-Angebote aus  und zählte insgesamt 3.438.606 Songs in der Auslage, etwa die Hälfte vom Amazon-Angebot in den USA.

MusicAlly vermutet, dass Apple von der Eröffnung von Amazon MP3 im Vereinigten Königreich Wind bekommen hatte: iTunes senkte pünktlich zum Amazon-Start den Preis einiger Alben auf vier Pfund, darunter Platten von Oasis und Fleet Foxes.

Ein Telefonbuch als Web-Domain

Jetzt will das Internet auch noch ein Telefonbuch sein: Unter der Top Level Domain .tel soll ein "selbst administrierbares Telefonbuch auf Domain-Ebene" entstehen. Dahinter steckt eine tolle Idee: Firmen und Privatpersonen können unter .tel quasi eine elektronische Visitenkarte mit Kontaktinformationen ablegen. Wer mit seinem Handy diese Seite ansurft, kann die dort abgelegte Telefonnummer anrufen, E-Mail-Programme "sehen" dort vor allem E-Mail-Adressen.

Der Vorteil gegenüber anderen, ähnlichen Systemen: .tel sei schneller, Nutzer könnten per Webformular ganz einfach ihre Kontaktdaten ändern, Adressdatenbanken könnten sich so auch automatisch bei einem Umzug oder eine Rufnummernänderungen eines Kontaktes selbst aktualisieren.

Gegen unrechtmäßigen Zugriff können die bei .tel abgelegten Informationen  mit einem Passwort geschützt werden. Was alles hinter dem Konzept steckt, erklärt die Futurezone in einem ausführlichen Artikel. Auf so einen Artikel, der uns allen einmal den Sinn hinter den Domains .bank oder .aero erklärt, warten wir seit Jahren vergeblich. Macht aber auch nichts, nutzt ja eh niemand.

Wikipedia wird einfacher: Spende für mehr Nutzerfreundlichkeit

Die Wikimedia Foundation erhält finanzielle Unterstützung , um den Zugang zum kollaborativen Enzyklopädie-Projekt Wikipedia auch für technisch weniger versierte Menschen zu vereinfachen.

Mit den 890.000 Dollar der Stanton Foundation soll ein fünfköpfiges Team finanziert werden, das Schwachpunkte der Edit-Funktion ausfindig machen und beheben soll. "Die Wikipedia zieht Autoren an, die ein mittleres bis hohes technisches Verständnis haben, aber sie schließt eine Menge kluger, wissender Leute aus, die sich weniger technisch spezialisiert haben." Von dem Problem weiß die Wikimedia Foundation schon seit Jahren: Es gebe viele "technischen Elemente" auf der Site, die Wikipedia-Beitragende nicht zwingend sehen müssten.

Fensterreinigungsroboter gewinnt Preise

Maschinenbaustudenten der Michigan State University haben einen Roboter konstruiert, der selbsttätig Fensterscheiben putzt. Der Winboni-Roboter  hält sich per Unterdruck an der Glasscheibe fest, bewegt sich über sie und reinigt sie mit Filzschrubbern. Das Ganze funktioniert mit ganz normalen AA-Mignon-Batterien.

Für Aquarienbesitzer ist das ein alter Hut (oder: alter Fisch). Aber egal, ob dem Putzroboter der Scheibenputzer-Wels Pate stand, er überzeugte die Jury der International Student Design Competition der American Society of Mechanical Engineers. Die MSU-Studenten machten mit ihrer Elektroputze den ersten Platz.

Ins Netz gegangen

... ist dieser Ring einem Fischer, dem es in Folge gelang, den rechtmäßigen Besitzer per Internet auszumachen: Das Ding ist ein "Klassenring" des Universal Technical Institute in Houston. Verliehen wurde er Joe Richardson anlässlich seines Abschlusses im Jahre 1987. Lang freuen konnte sich der Gute allerdings nicht an dem Schmuckstück: Rund zwei Wochen nach seinem Abschluss hatte er den Ring verloren. Jetzt steckt er nicht mehr im Schlick, sondern endlich da, wo er hingehört - an Richardsons Finger. Netz sei Dank, in jeder Hinsicht.

Erst fand er den Ring im Netz, dann den Besitzer im Internet: 21 Jahre, nachdem er seinen Klassenring verloren hatte, zog ein Fischer in Texas das Schmuckstück aus dem Wasser

Erst fand er den Ring im Netz, dann den Besitzer im Internet: 21 Jahre, nachdem er seinen Klassenring verloren hatte, zog ein Fischer in Texas das Schmuckstück aus dem Wasser

Foto: AP

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