Netzwelt-Ticker Angriffswelle gegen Java
Java: Neues Schwerpunkt-Ziel für Schadprogramme?
Microsoft warnt vor einer "beispiellosen" Angriffswelle gegen Oracles Java-Software. In den letzten neun Monaten seien die Angriffe gegen Java-Sicherheitslücken durch die Decke gegangen, heißt es in einem Blogbeitrag des Microsoft Malware Protection Centers (MMPC) : Vom ersten zum dritten Quartal 2010 sei die Zahl der vom MMPC registrierten Angriffe von einer halben Million auf mehr als sechs Millionen angestiegen - mehr als alle Angriffe auf Adobe-Software, die als besonders beliebtes Angriffsziel für Malware-Hacker gilt. Das sei eine furchteinflößende Geschichte, eine "zumindest überraschende" Entwicklung.
Doch was steckt wirklich dahinter? Vielleicht weniger, als die Zahlen glauben machen wollen: Der rasche Anstieg der Angriffe gegen Java-Software geht vor allem auf drei Schwachstellen im Programmcode zurück, für die es schon seit längerem Softwareflicken, sogenannte Patches gibt. Diese Schwachstellen sind das Ziel von Hack-Routinen, die in beliebten Malware-Paketen, die Internet-Kriminelle auf dem Schwarzmarkt kaufen können, fest einprogrammiert sind.
Sprich: Jeder Nachwuchsgangster, der so eine Malware-Fertiglösung kauft, greift die selben drei Schwachstellen ab, analysierte IT-Sicherheitsexperte und Journalist Brian Krebs schon vor einer Woche in seinem Blog.
Doch laut Krebs und MMPC-Blog bleibe eine Frage offen: Warum spricht eigentlich außer uns niemand über die Java-Angriffswelle? Folgt man der - eher technischen - Argumentation von Microsoft, herrsche bei Antivirus- und anderen IT-Sicherheitsunternehmen eine gewisse Java-Blindheit. Weil man Java-Code so schlecht überwachen könne, schauten die Schutzprogramme dieser Sicherheitsunternehmen nicht so genau hin.
Und schlagen dann die "Malware-Leute" nicht Alarm, die diesen Java-Anstieg doch sehen müssten? Für die sei das Problem im Vergleich zu großen Internet-Sorgen wie dem Zbot-Botnet einfach zu unbedeutend.
Facebook reagiert auf Datenschutz-Vorwürfe
Nachdem bekannt geworden ist, dass Facebook-Anwendungen unerlaubt Nutzerdaten weiterreichen, wollen die Betreiber des sozialen Netzwerks (über 500 Millionen Mitglieder) Entschlossenheit signalisieren. Verstoßen Apps gegen Facebooks Datenschutzbestimmungen, heißt es dazu in einem Eintrag im Entwickler-Blog , droht ihnen der Rauswurf.
Ob davon auch die so beliebten wie berüchtigten FarmVille-Spiele betroffen sind, wollte Spieleentwickler Zynga bei "USA Today" nicht kommentieren . Wahrscheinlicher ist, dass Facebook die schlechte Presse als Warnschuss vor den Entwicklerbug allzu sorgloser oder datenhungriger App-Entwickler benutzt. Denn nicht alle App-Entwickler wüssten überhaupt, dass sie möglicherweise sensible Nutzerdaten an Werbeagenturen und Datenhändler weiterreichten.
Facebook nennt die im "Wall Street Journal" vorgebrachten Anschuldigungen deshalb auch übertrieben: "Wer die ID eines User kennt, kann ohne explizites Einverständnis des Users nicht auf dessen private Informationen zugreifen." Wie leicht Facebook-Mitglieder zum beschwingten Fehlklick verleitet werden können, zeigt der neuste Facebook-Wurm, der sich gerade im sozialen Netzwerk verbreitet - und den "Gefällt mir"-Button von Facebook mithilfe einer Javascript-Sicherheitslücke zweckentfremdet.
Rockstar gegen Internet-Meute
Kiss-Sänger Gene Simmons hat einen Kleinkrieg mit Anonymous, dem Aktivisten-Arm der Internet-Krawallos von 4chan, angezettelt. Nachdem in gewissen Foren über Netzangriffe gegen Verfechter einer harten Durchsetzung von Urheberrechten diskutiert wurde und darüber, ob neben Organisationen auch Individuen wie Gene Simmons attackiert werden sollten, schrieb der sinngemäß auf seiner Website: Bleibt bloß weg von mir, wir kriegen jeden, der unsere Website mit Klicklawinen zu überschwemmen versucht. Erst klagen wir euch in Grund und Boden, dann werdet ihr bestraft, dann kommt ihr in den Knast [und werdet vergewaltigt], dann veröffentlichen wir eure Namen und Bilder. Wir finden euch. Ihr könnt euch nicht verstecken. Stay tuned.
War es Unwissenheit, war das Vermessenheit? Der 4chan-Community mit digitalen Drohungen zu kommen, ist in etwa so effektiv, wie einen Löwen mit einer Wasserpistole anzugreifen. Die Warnung verpuffte entsprechend wirkungslos und Simmons Website lag kurz darauf natürlich darnieder - und wird wohl so schnell nicht wieder auferstehen. Ob damit der Spuk für Simmons aufhört? Das Lästerblog Valleywag hofft nicht .
Netter Dieb gibt Daten zurück
aber nicht den Laptop, auf denen die Daten gespeichert waren. Das ist die kurze Version einer Nachricht aus Schweden, die gerade in Blogs die Runde macht . Ein Professor der Umeå University im Norden Schwedens ging auf die Toilette, ließ seinen Rucksack samt Computer, Kalender und Kreditkarten im Flur stehen und machte damit, wenig überraschend, einem Dieb eine große Freude.
Der fand eine warme Ecke im kalten Herz und stellte erst den Rucksack samt Kalender und Kreditkarten zurück an den Tatort - und schickte kurz darauf dem Professor einen USB-Stick mit einem Backup aller wichtigen Dokumente und persönlichen Dateien nach Hause. Seltsamerweise behielt der Dieb nicht nur den Laptop, sondern auch den Bibliotheksausweis des Professors: "Vielleicht will der Dieb sich ja weiterbilden," mutmaßt der Professor.
Singende Roboter
HRP-4C heißt dieser singende Roboter, der mit seinen steifen Hüftbewegungen dem Nerd-Publikum der Digital Contents Expo in Tokio das Gefühl geben will, nicht allein zu sein, in einer kalten, organischen Welt .
Bleibt die Frage: Wenn die Roboter-Designer das Gesicht so gut hinkriegen, warum hat HRP-4C dann so lange Arme, so riesige Hände? So lange Arme zum Umarmen, so riesige Hände zum Tätscheln: Du bist nicht allein?
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