Netzwelt-Ticker: Auf nach Galapagos! - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Netzwelt-Ticker Auf nach Galapagos!

Das erste große Schildkrötenrennen wird live übertragen, natürlich im Internet. Zwei Wochen lang kann man am Bildschirm den Weg der panzerbewehrten Langstreckenschwimmer verfolgen. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Das Internet braucht einen Neustart, aus Pop-ups werden Papp-ups und vieles mehr.
Von Sönke Jahn
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Heute ist der erste Tag des großen Schildkrötenrennens . Elf Lederschildkrötendamen sollen es untereinander austragen, um damit nach dem Willen der Veranstalter und Sponsoren gegen ihr Aussterben zu protestieren. Via Internet sollen wir per Satellitenüberwachung live dabei sein können.

Die Weibchen weilten gerade zur Eiablage am Strand von Playa Grande in Costa Rica und machen sich in diesen Stunden auf ihren 1.200 Meilen langen Heimweg zu den Galapagos-Inseln. Welche von ihnen wird nach gut und gern 14 Tagen als Erste über die Ziellinie schwimmen?

Auf der Webseite des Schildkröten-Rennens  soll man sich eine Favoritin aussuchen und sich per Mail über den Rennverlauf und ihre Platzierung im Teilnehmerfeld unterrichten lassen. Leider sind Lederschildkröten (Dermochelys coriacea)  massiv vom Aussterben bedroht. In zehn Jahren wird es diese größte Meeresschildkröte und das zugleich größte Reptil der Welt wohl nicht mehr geben. Zählte man 1980 noch 115.000 Lederschildkröten, so sind es heute nur noch 43.000. Und im besagten Playa Grande etwa kamen in diesem Jahr nur noch 58 weibliche Tiere zur Eiablage vorbei, im Vorjahr waren es immerhin noch 124. Neben menschlichen Eierräubern (angeblich wirken sie in Schnaps eingerührt potenzfördernd) sind die vermüllten Meere ein großes Problem für diese Tiere, die offensichtlich an verspeisten Plastikabfällen zugrunde gehen.

Demo für Privatsphäre

Von der Demo "gegen den Überwachungswahn"  am Samstag in Frankfurt am Main, zu der unter anderem vom Chaos Computer Club und der Humanistischen Union aufgerufen wurde, meldete die Polizei insgesamt 1000 Teilnehmer, während die Organisatoren 2000 Demonstranten zählten . Es war also kein kleiner Haufen, der sich da bei strahlendem Sonnenschein  gegen die geplante Vorratsdatenspeicherung  wandte und für den Schutz der Privatsphäre und für Datenschutz auf die Straße ging. Beide Zahlen liegen nämlich deutlich höher als die zwei-, dreihundert Teilnehmer an den Protestmärschen in den beiden Jahren zuvor.

Spielen für den Frieden

Mit einem Computerspiel will der Spiele-Hersteller Impactgames um Verständnis für die Lage im Mittleren Osten werben. Statt mit Waffengewalt soll der Konflikt zwischen Israelis und Palestinensern durch Diplomatie und Verständnis gelöst werden. Die israelischen Geldgeber wollen mit dem Game vor allem in den USA und in Europa das Wissen um die Probleme der Region erweitern. Eine Demoversion des "Peacemaker" genannten Spiels ist von der Website des Herstellers (www.peacemakergame.com) herunterladbar und läuft sowohl auf Windows-PCs als auch auf Macs. Die Vollversion lässt sich Impactgames mit 19.95 US-Dollar bezahlen.

Mit einem Computerspiel will der Spiele-Hersteller Impactgames um Verständnis für die Lage im Mittleren Osten werben. Statt mit Waffengewalt soll der Konflikt zwischen Israelis und Palestinensern durch Diplomatie und Verständnis gelöst werden. Die israelischen Geldgeber wollen mit dem Game vor allem in den USA und in Europa das Wissen um die Probleme der Region erweitern. Eine Demoversion des "Peacemaker" genannten Spiels ist von der Website des Herstellers (www.peacemakergame.com) herunterladbar und läuft sowohl auf Windows-PCs als auch auf Macs. Die Vollversion lässt sich Impactgames mit 19.95 US-Dollar bezahlen.

Foto: Getty Images

Neustart für das verstopfte Internet

Das Newsportal "Heise" berichtet über die Konzepte in den USA und Europa, die mannigfaltigen Probleme des heutigen Internet mit einem Neustart zu lösen. Denn Internetpioniere wie Vinton Cerf sind sich mit heutigen Computerwissenschaftlern einig darüber, dass es ein ziemliches Wunder ist, dass das Internet vor lauter Spam, Viren, Trojanern und mobilen Anwendungen überhaupt noch funktioniert: "Das Internet sei unter völlig anderen Gesichtspunkten herangewachsen - als Rechner langsam, Speicherplatz teuer und die Verbindungen unzuverlässig waren. Es sei Zeit, die zugrunde liegende Architektur grundlegend zu überdenken - was im Ernstfall den Austausch vieler Netzwerk-Hardware und das Neuschreiben von etlichen millionen Programmzeilen nach sich zöge."  Allerdings würde man erst in zirka 15 Jahren soweit sein, ein neues Internet namens "Clean Slate" aufzubauen, welches wohl aus einem experimentellen Netz namens "Global Environment for Network Innovations" (GENI) hervor gehen soll, an dem man allerdings schon seit geraumer Zeit bastelt.

Virtuelle Papp-Pop-ups

Auf Techcrunch  erfahren wir von einem neuen Webservice, der eingesandte Digitalfotos demnächst umgehend dreidimensional aufzupeppen verspricht. Obwohl es, wie man dort selbst einräumt, mathematisch unmöglich sei, solchen Schnappschüssen räumliche Tiefe zu verpassen, will Anbieter "Fotowoosh"  es dennoch schaffen. Man habe einen einfachen Weg gefunden, simple 3D-Modelle von einer planen Vorlage zu konstruieren. Denn solange das Motiv zu ebener Erde zu sehen ist, könne man alle Bildelemente in die Bestandteile Fläche, Höhe und Himmel einteilen, diese "schneiden" und falten, um schließlich - voilà - eine Kamerafahrt in ein virtuelles Pop-up-Pappmodell zu veranstalten. Wer daran Interesse hat, kann seinen Namen und seine Mailadresse auf der Fotowoosh-Homepage hinterlassen, um sich dann zum Start dieses Dienstes einladen zu lassen.

Verschmolzene Schnittmenge

Wie die Deutsche Presseagentur dpa meldet,  sollte heute auch hierzulande die Internetplattform "Jubii"  starten, mit der LYCOS Europe "verschiedene Kommunikations-Möglichkeiten in einem Dienst verschmelzen möchte" - zurzeit ist man damit bereits in den USA am Start. Zehn Gigabyte Speicherplatz will der Betreiber spendieren, damit unsereins diese "Schnittmenge" aus E-Mail, Instant Messaging, Internet-Telefonie und Dateientausch ausgiebigst nutzen kann. Der Dienst soll vorerst kostenlos sein, denn der Anbieter will Marktführer werden.

Mehr lesen über