Netzwelt-Ticker: Brot statt Ballern - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Brot statt Ballern

Die Uno verschenkt Games, ein neues Handy findet selbständig Produkttests. Europa, hat das "New York Magazine" entdeckt, ist ein Entwicklungsland, in dem sogar die Blogs unverlinkt bleiben. IPods sind Sicherheitsrisiken und Copyright-Unterricht sollte Schulfach sein. Das und mehr im Überblick...
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Urheberrecht im Unterricht

Der kalifornische Abgeordnete Ed Chavez will der Film- und Musik-Industrie in seinem Heimatstaat helfen. Die erleidet nämlich, so Chavez gegenüber "ars technica" , milliardenschwere Verluste durch illegales Kopieren und Online-Tauschbörsen. Sein Patentrezept: Schulen, die stattliche Mittel für Computerausrüstung beantragen, sollen künftig nachweisen, dass sie ihre Schüler auf den korrekten Umgang mit urheberrechtlich geschütztem Material vorbereiten. Im Lehrplan sollen deshalb laut "ars technica" die Themen "ethisches Verhalten beim Umgang mit Informations-Technologie", "Konzept, Sinn und Bedeutung des Urheberrechts" sowie "die Auswirkungen illegaler Peer-to-Peer-Tauschbörsen" aufgearbeitet werden. Logisch, das MPAA und RIAA, die Verbände der US Film- und Musik-Branche, den Vorschlag nach Kräften unterstützen.

Europa ist schlecht verlinkt

Beim "New York Magazine"  können wir heute etwas lernen. Zuerst einmal, das mittlerweile über 27 Millionen Weblogs die sogenannte Blogosphäre bevölkern. Na ja, zugegeben, das wussten wir schon. Aber beim NY Mag hat man sich die Mühe gemacht, eine hübsche Grafik  aufzusetzen, welche die Verlinkungen zwischen den 50 "meistverlinkten" Blogs aufzeigt. Die Daten dazu stammen von Technorati . Sehr schön. Erinnert ein wenig an die Bildschirmgrafik früher Computerspiele. Schade nur, dass knapp die Hälfte der genannten Blogs vollkommen linkfrei in der Grafik erscheinen. Das ist wohl auch den Redakteuren des Magazins aufgefallen, die sich schnell eine passende Erklärung dafür einfallen ließen: Die nicht-verlinkten unter den "meist-verlinkten" Blogs stammen nämlich aus China, Japan und Europa, "Regionen, für die das Phänomen [also Weblogs] noch neu ist". Hmm, sind wir hier in der Alten Welt also noch Blog-Entwicklungsland? Oder könnten die fehlenden Verlinkungen etwa darauf hindeuten, dass manche Blogs einfach nichts mit den übrigen Top-50-Blogs zu tun haben?

Nahrung statt Nahkampf

Das hat es in der Welt der PC-Games lange nicht gegeben. Ausgerechnet ein Spiel in dem es keine Gewalt gibt, niemand schießt und auch keine Autos zu Bruch gefahren werden, entpuppt sich als Publikumsliebling. Gemeint ist Food Force , ein Lernspiel, mit dem das United Nations World Food Programme jungen Menschen die Komplexität seiner Arbeit nahebringen will. Mehr als drei Millionen Mal wurde das mit Action-Elementen gespickte Edutainment-Abenteuer bereits heruntergeladen. Als Vorlage diente das Ballerspiel America's Army, mit dem die US Army zukünftige Soldaten zu rekrutieren versucht. Viel mehr als den Verbreitungsweg Internet hat das kostenlose Food Force mit seinem Vorbild allerdings nicht gemeinsam. "Wir sind wirklich die Antithese für die Vielzahl gewalttätiger Spiele, die den Markt beherrschen, erklärt Projekt-Manager Justin Roche gegenüber "Wired"  und ergänzt, dass "nicht ein Schuss" abgefeuert wird. Populäre Unterhaltung mit Sinn und Verstand scheint also doch noch zu funktionieren.

IPod als Sicherheitsrisiko

Wieder einmal kommt Apples iPod ins Gerede. Stellvertretend für alle festplattenbasierten Audio-Player erklärt Sicherheitsexperte und -Berater Abe Usher den Apple-Player gegenüber "CNet"  zum Sicherheitsrisiko für Firmen. Mit einem iPod und spezieller Software, könne man ganze Netzwerke binnen kürzester Zeit nach wichtigen Dokumenten absuchen, selbige auf den Player laden und seelenruhig aus dem Gebäude tragen. Da hilft auch keine Firewall. Prima, dass Usher die passende Software  auch gleich zum Download anbietet - nur zu Demonstrationszwecken natürlich. "Wired"  erzählte Usher das übrigens schon im September 2005. Vielleicht ist die Bedrohung ja im zweiten Anlauf größer.

Rippen und Back-ups sind unfair

Alle drei Jahre überprüft das US Copyright Office, ob der Digital Millennium Copyright Act (DMCA) in seiner aktuellen Form noch der derzeitigen Ansprüchen gerecht wird. Dazu werden auch die Inhaber de Urheberrechte, also etwa der Musik-Verband RIAA angehört. In einem gemeinsamen Statement der Rechteinhaber ist nun unter anderem die Electronic Frontier Foundation  auf ein paar interessante Formulierungen gestoßen. Demnach halten es die Rechteinhaber jetzt nicht mehr für eine faire Anwendung, wenn man Back-up-Kopien gekaufter CDs anfertigt bzw. die darauf gespeicherte Musik "rippt," um sie auf einen Audio-Player zu übertragen. Damit widerspricht sich die RIAA selbst, da sie noch vor Kurzem feststellte, dass es "absolut rechtmäßig ist, eine gekaufte CD auf einen Computer zu überspielen und auf einen iPod zu laden." 

Shopping-Handy mal anders

Mobiltelefone, die denken, sie seien ein Gameboy, ein MP3-Player oder gar ein TV-Gerät, kennt man zu genüge. Die Ingenieure von Toshiba aber haben jetzt ein Handy entwickelt, das unschlüssigen Konsumenten bei Kaufentscheidungen zur Seite stehen soll, meldet AP . Die Idee der Japaner: Ihr Handy kann Barcodes lesen. Ist man unsicher, ob sich der Kauf einer DVD, eines Buches oder eines anderen Artikels lohnt, macht man einfach einen Schnappschuss des aufgedruckten Strichcodes und schickt diesen an einen Toshiba-Server. Selbiger dekodiert, um welches Produkt es sich handelt und sucht in Blogs und Foren nach Bewertungen des Produkts. Der Anwender bekommt daraufhin eine Auswertung der Suchergebnisse aufs Handy geschickt. Der Testbetrieb soll im März beginnen. Ab April 2007 will man Service, vorerst in Japan, offiziell starten.

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