Netzwelt-Ticker: Bürgerschutz vom Richterstuhl - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Bürgerschutz vom Richterstuhl

In den USA stutzt ein Richter den Patriot Act und der Neugier der Musikindustrie die Flügel, eBay hat Ärger wegen Piraterie RFID-Chips sind möglicherweise krebserregend, und Apple hat schon wieder Neues zu melden. Das und mehr im Überblick.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

US-Richter schützt Bürgerrechte vor dem Patriot Act

Gerade in Zeiten der Terrorgefahr ist so mancher bereit, den Grundrechteschutz für viele Bereiche zu lockern. Davon versuchen allerdings nicht selten auch Interessensträger anderer Bereiche zu profitieren. Das Ausspähen von Kundendaten bei Internetprovidern (ISP) ergibt zum Beispiel begehrtes Material nicht nur für Terrorfahnder, sondern auch für die Verbände von Musik- und Filmindustrie. Über diese Angaben wollen sie nur allzu gerne an Tauschbörsennutzer herankommen.

Dem hat nun ein amerikanischer Richter einen Riegel vorgeschoben, wie Forbes meldet.  Bezirksrichter Victor Marrero setzte Teile des Antiterrorgesetzes "Patriot Act" außer Kraft und stellte fest, Ermittlungsbeamte könnten ISP nicht ohne vorherige richterliche Verfügung zur Herausgabe von Kundendaten auffordern. Diesbezügliche Vorschriften im Patriot Act verletzten das grundlegende Verfassungsprinzip der Gewaltenteilung. Zuvor hatte die amerikanische Bürgerrechtsgruppe ACLU das Gesetz angefochten, weil es dem FBI im Unterschied zu anderen Behörden die Verwertung von Nutzerdaten ohne richterliche Anordnung gestattet.

Markenpiraterie: L'Oréal verklagt eBay

Markenpiraterie ist für die Hersteller von Edelprodukten ein ganz besonderes Ärgernis, denn neben Umsatzeinbußen können Billigimitate das sorgsam gepflegte Markenimage beschädigen. Auch der französische Duftwässerchenhersteller L'Oréal ist davon betroffen, die Verkäufe gefälschter Parfums haben letzthin stark zugenommen, ganz besonders beim Online-Auktionator eBay.

Nachdem Verhandlungen zwischen dem Duft-Konzern und eBay bisher ergebnislos verliefen, erstatteten die Franzosen nun Anzeige gegen die Versteigerer.  Das könnte für eBay unangenehm werden, denn in Deutschland haften Online-Auktionshäuser im Falle von Markenrechtsverletzungen. Sobald sie von derartigen Rechtsverstößen Kenntnis erlangen, müssen sie das entsprechende Angebot sperren und außerdem dafür sorgen, dass es nicht erneut auftaucht.

Microsoft kann jetzt auch übersetzen

Microsofts Webdienstbündel "Windows Live" ist dieser Tage um eine weitere Fähigkeit bereichert worden: der jüngst gestartete "Windows Live Translator"  bietet automatische Übersetzungen an. So weit so alt, denn der Service nutzt mit Systran dasselbe automatisierte Übersetzungssystem wie Yahoo, Google oder Altavistas Babelfish seit langem.

Im Unterschied zur Konkurrenz warten die Redmonder allerdings mit einem interessanten Feature auf: der übersetzte Text wird nicht nur neben dem Original angezeigt, wenn der Nutzer den Mauszeiger über einen Satz bewegt, wird dieser zusammen mit seinem Pendant hervorgehoben. Scrollt man bei einem Text nach unten, so folgt der andere nach.

Das ist sowohl für die interessant, die zwei Sprachen gut beherrschen, als auch für jene, die gerade dabei sind, eine neue Sprache zu lernen. Der Translator bietet derzeit Übersetzungen in den Sprachen Englisch, Deutsch, Holländisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Italienisch, Koreanisch, Chinesisch, Japanisch und Russisch an. Natürlich sind die so produzierten Texte immer noch ziemlich holprig, aber sie können zumindest eine Annäherung an die wichtigen Aussagen eines fremdsprachlichen Texts liefern.

RFID krebserregend

Die Implantation von RFID-Chips im Menschen ist schon seit längerem ein alter Hut, als Eintrittskarte für die Disco ebenso wie für die Zutrittskontrolle in Fabrikhallen oder Infochip für den behandelnden Arzt im Krankenhaus. Doch so gesundheitlich unbedenklich, wie lange angenommen, scheinen die Speicherplättchen nicht zu sein.

In der "Washington Post" berichtete Keith Johnson, ein inzwischen pensionierter Pathologe, über Studien, die er seinerzeit für Dow Chemical durchgeführt hatte . Ratten und Mäuse hätten in der 1996 vorgenommenen Versuchsreihe nach der Implantation der Chips Krebsgeschwüre entwickelt. Weitere Studien bestätigten diese Effekte.

Nun haben einige Forscher die damaligen Ergebnisse erneut begutachtet und zeigten sich beunruhigt. Selbst wenn man die Ergebnisse von Tierversuchen nicht direkt auf Menschen übertragen könne, würden sie ihren Familienangehörigen derartige Implantate nicht erlauben. Statt dessen forderten sie weitere Untersuchungen vor dem großflächigen Einsatz der glasumhüllten Chips im Menschen.

In diesem Zusammenhang gerät die Genehmigung der amerikanischen Aufsichtsbehörde für Medikamente und Lebensmittelzusatzstoffe (FDA) für die vorgeblich unbedenklichen RFID-Chips in ein schiefes Licht. Die Aufsicht über die FDA obliegt dem Gesundheitsministerium, und der damalige Minister Tommy Thompson trat nur zwei Wochen nach der FDA-Genehmigung von seinem Kabinettsposten zurück und wechselte in den Vorstand des RFID-Chipherstellers VeriChip Corp. Trotz allem sieht die FDA keine Veranlassung, die Genehmigung zu überprüfen.

Ein Ring, sie alle zu steuern

Nach Apples Neuheiten-Paukenschlag der letzten Woche sollte man eigentlich meinen, nun sei es mit dem Presserummel fürs erste wieder genug. Aber bei Jobs & Co. denkt man anscheinend anders und füttert die Medienmaschine mit immer weiteren Neuigkeiten.

Zum einen: Demnächst können iTunes-Kunden einzelne Folgen von TV-Serien schon für 99 Cent herunterladen, wie Macworld.com berichtet.  Von der Preissenkung sind 550 Sendungen von insgesamt 58 verschiedenen Kanälen betroffen. Die von der Apple-Zentrale bisher nicht bestätigten Gerüchte könnten den Zweck haben, das iTunes-Videoangebot auch nach dem Ende der Kooperation mit dem Fernsehsender NBC im Gespräch zu halten.

Die zweite Neuigkeit wird alle Spielkinder freuen: der iRing ist da . Zumindest die erste Studie eine Kleingerätes, das um den Finger getragen wird und das sich via Bluetooth mit dem iPhone oder dem iPod verbindet. Start, Stop, Lautstärke, alles kann mit ein paar Handbewegungen oder leichtem Druck aufs schicke OLED-Display gesteuert werden. Einen Akku hat der Ring auch, die dazugehörige Ladestation wird per USB an den Rechner geklemmt und soll dem iRing Saft für zwei Tage Betriebszeit liefern.

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