Netzwelt-Ticker: CD-Händler gegen Kopierschutz - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker CD-Händler gegen Kopierschutz

Englands CD-Händler haben es begriffen: Kopierschutzmechanismen schützen den Handel nur vor Kunden - denn die machen einen Bogen um DRM. Außerdem: Rechnungshof wettert gegen Microsoft in Ministerien, Halo 3 kassiert Klage wegen Systemcrashs. Das und mehr im Überblick.
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Bundesrechnungshof: Zu viel MS in Ministerien

Der Bundesrechnungshof hat im aktuellen Jahresbericht die Verwendung von Microsoft-Software in den Bundesbehörden kritisiert. Immer wieder, fasst Winfuture.de zusammen , hätten die Ministerien ihre Systeme auf neue Versionen der Produkte des Softwarekonzerns aktualisiert – und alle Alternativen links liegen gelassen. An über 300.000 Arbeitsplätzen setzten die Behörden trotz offener, oft kostenloser Alternativen stets auf Microsoft – dabei sei es doch gerade unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten dringend notwendig, auch abseits der Produkte des "etablierten Herstellers" zu suchen.

Damit das möglich wird, müsse aber zunächst die Beratungsstelle für die Verwaltung auf den neusten Stand gebracht werden – ein Leitfaden für die Umstellung auf Linux, den die so genannte Koordinations– und Beratungsstelle der Bundesregierung für Informationstechnik bereitstellt, sei veraltet. Doch das werde sich bald ändern, versprachen die Verantwortlichen. Damit soll die Abhängigkeit von einem einzelnen Hersteller verringert werden.

UK-Einzelhändler: DRM killt uns!

Musik verkauft sich im Vereinigten Königreich immer schlechter, behauptet die englische Entertainment Retailers Association (ERA) – und sie hat einen Schuldigen gefunden. Und der Verband der Musik– und DVD-Händler wählte sich nicht etwa den Kunden als Übel, sondern ruft die Musikindustrie dazu auf, endlich dem DRM-Drama ein Ende zu machen.

Drakonische digitale Schutzmechanismen bremsen den Markt für digitale Musik aus. Die Kunden seien immer unzufriedener mit Kopierschutz-Systemen, die ihnen vorschreiben wollen, wo und wie sie die Inhalte abspielen können. Hinzu kommt die zunehmende Inkompatibilität der verschiedenen DRM-Systeme. Einmal gekaufte Musik lässt sich nicht auf allen Geräten abspielen.

Diese mangelnde Interoperabilität – die Möglichkeit, digitale Inhalte von verschiedenen Abspielgeräten abzurufen – mache Filesharing nur noch attraktiver. Kurz: DRM sei kundenfeindlich; die Kunden greifen längst zu Alternativen, die keine Probleme machen – und den Musikhändlern kein Geld bringen. Ars Technica dramatisiert die Kritik  zu einem: "DRM killt uns!"

In der reichlich kurzen Vorlage der Financial Times  klingt das ein wenig harmloser: Antipiraterie schadet dem Verkauf. Eine Studie habe gezeigt, dass der durchschnittliche Brite weniger als drei digitale Tracks in den letzten drei Jahren kaufte.

Superhit Halo 3 crasht die Xbox 360 – Sammelklage

Mit Halo 3 ist den US-Spieleentwicklern von Bungie ein echter Megahit gelungen. Allein in der ersten Woche nach Verkaufsstart soll der Actiontitel fast 300 Millionen Dollar eingespielt haben. Doch dem Hype folgt der Frust: Das Spiel scheint schlecht programmiert – es crasht die Xbox 360, es friert das Bild ein.

Tech.Blorge.com erfuhr , dass der Kalifornier Randy Nunez genug von den ständigen Abstürzen hatte und eine Sammelklage gegen Entwickler Bungie und Vertrieb Microsoft einreichte. Ihr Spiel sei dem Zweck, auf der Xbox 360 abgespielt zu werden, nicht gewachsen. Und obwohl immer wieder und immer mehr Kunden sich über die Instabilitäten beschweren und eine Untersuchung der Probleme fordern, seien die Angeklagten dem bisher nicht nachgegangen. Keine Rückruf-Aktion, keine Entschädigung der geplagten Zockerseelen.

Nunez fordert in der Sammelklage nun eine Wiedergutmachung in Höhe von fünf Millionen Dollar. Dafür könnte er sich beispielsweise in Deutschland knapp 13.500 Wii-Konsolen von Nintendo kaufen. Oder knapp 10.000 neue Xbox 360.

Guitar Hero: Gitarrenspiel entzweit Musiker

Spektakuläre Actionspiele hin, neue Konsolensysteme her, die wahren Videospiel-Trendsetter dieses Jahres waren ganz klar die Entwickler von Guitar Hero und Singstar. Sie rüsteten Jung und Alt mit Plastik-Gitarre oder Karaoke-Mikrofon aus, verzauberten – Guitar Hero – triste Wohnzimmer in Altare des Schweiß-und-Schweine-Rocks oder – Singstar – in die blankpolierten Glitzerweltchen leider längst noch nicht vergessener Popstars.

Keine WG-Party ohne das wohlvertraute Kreisch-und-Jaul einer abgehalfterten Karaoke– oder Rockspelunke. Es herrschte Glückseligkeit. Aber nicht nur auf Spielerseite. Die Musiker, deren Songs in Guitar Hero III verwurstet wurden, freuen sich über sprunghaft steigende Absatzzahlen, rechnet Ars Technica vor . Vor allem alte Alben und Titel scheinen vom Videospiel-Recycling zu profitieren. Ein wenig erinnert das an "Last Christmas" von Wham  – einem Stück Musik, das seit 1992 in Deutschland jedes Jahr dank ein wenig Weihnachten wieder in die Charts klettern darf.

Doch all dem eitel Charterfolg zum Trotz scheinen nicht alle Musiker froh um die Wiederauferstehung im Fernseher zu sein. Die Detroiter Rockband "The Romantics" hat gegen den "Guitar Hero"-Publisher Activision Klage eingereicht , weil deren Coverversion des Romantics-Hits "What I Like About You" (1980) angeblich die Rechte der Band verletze.

Zwar gibt die Band zu, dass Activision alle nötigen Genehmigungen erhalten habe – behauptet aber, viel zu nah am Original entlang gecovert habe. Das ist nämlich der Guitar-Hero-Trick: Selbst stimmlich täuschend echte Kopien der Originale. Die müssten, sollte die Klage erfolgreich sein, aus dem Verkehr gezogen werden – und mit ihnen gleich das ganze Erweiterungspaket "Guitar Hero Encore: Rocks the '80s", auf dem das Romantics-Stück untergebracht ist.

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