Netzwelt-Ticker: China warnt Google-Partner - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Rückzug aus China: Blumen für Google

Foto: Friso Gentsch/ dpa

Netzwelt-Ticker China warnt Google-Partner

Wer sich nicht benimmt, fliegt raus, warnen chinesische Behörden, fordern Googles Partner auf, sich der Zensur zu unterwerfen. Außerdem: Briten diskutieren eine Google-Steuer, und Piraten-Software schützt sich gegen Software-Piraten. Das und mehr im Überblick.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Egal, ob Google sich an die Regeln hält oder nicht: Partner der Suchmaschine sollten sich in China lieber an die dortigen Zensurgesetze halten. So steht es laut "New York Times"   in einem Warnschreiben der chinesischen Zensurbehörden an chinesische Partner des Internetkonzerns. Der Behördenbrief ist demnach weniger als Drohung denn als Hinweis zu verstehen: Achtung, bereitet euch auf einen negativen Ausgang der Gespräche zwischen Chinas Behörden und Google vor.

Denn zumindest vorläufig finden noch Gespräche zwischen Google und den chinesischen Behörden um die dortige Zukunft des Internetunternehmens statt. Kern der Diskussionen: Wird Google seine bisher regimetreue Linie aufgeben, seine Suchergebnisse in China künftig nicht mehr den Regierungsvorgaben gemäß zensieren? Sollte es soweit kommen - Google droht das schon seit Monaten an -, wären Googles Partner gut beraten, schon einmal entsprechende Notfalllösungen vorzubereiten, um Googles Dienste nötigenfalls ersetzen zu können. Typische Google-Partner setzen etwa eine maßgeschneiderte Google-Suche auf der eigenen Website ein.

Mit ebenso großer Aufmerksamkeit dürfte Google-Konkurrent Microsoft den Ausgang der Gespräche erwarten: Sollte sich Google aus China zurückziehen, würde die Stunde für Microsofts in China bislang wenig erfolgreiche Suchmaschine Bing schlagen, meint das "Wall Street Journal".  Microsoft könnte eine Kooperation mit Peking zudem als Hebel einsetzen, um dem immensen Piraterie-Problem in China beizukommen. Sollte sich ein Weg finden, die chinesischen Surfer vom Kauf von Windows und Office zu überzeugen, wäre das ein enormer Verkaufserfolg für Microsoft.

Auf kleinerer Flamme schmort derweil die Frage, ob es bald auch einen chinesischen Ableger des Microblogging-Dienstes Twitter geben wird - derzeit ist Twitter durch die "Große Firewall" vom chinesischen Markt ausgeschlossen. Für Künstler Ai Weiwei stellt das ein so drängendes Problem dar, dass er damit am Montag auf einer Podiumsdiskussion in New York den Twitter-Erfinder Jack Dorsey konfrontierte: "Ich will eine klare Antwort, ja oder nein?" Dorsey: "Ich würde sagen, ja. Das ist nur eine Frage der Zeit." Technische und juristische Hürden gelte es zu nehmen, sprich: das Zensur-Für-und-Wider zu erörtern.

Google-Steuer für eine freiere Öffentlichkeit?

Sollen Google und andere Web-Angebote, die nicht selbst produzierte Nachrichten verbreiten, zum Wohle der Verlage besteuert werden? Das schlägt zumindest der "Making Good Society"-Bericht der britischen "Commission of Inquiry into the Future of Civil Society" (Forschungskommission zur Zukunft der Zivilgesellschaft)  vor. Die Medienkonzentration, die Vorherrschaft weniger Unternehmen in einer idealerweise vielfältigen Medienlandschaft, sei eine Gefahr, die der Staat - in diesem Fall Großbritannien - etwa mit einer Online-Steuer für Aggregatoren und Nachrichten-Recycler wie Google News kontrollieren müsse. Eine gute Regierung der Zukunft, so die "Guardian"-Zusammenfassung,  müsse die Freiheit im Internet sichern, eine Kontrolle der Medien durch starke Interessen verhindern und Genauigkeit unterstützen.

Im Gegensatz zu anderen Vorschlägen, die Print-Presse durch eine Online-Steuer zu stärken, wie sie etwa auch hierzulande vorgebracht wurden, zeichnet sich der "Making Good Society"-Bericht durch einen wichtigen Perspektivwechsel aus: Es geht nicht um Geschäftsmodelle für Unternehmen, sondern um eine Entwicklung hin zu einer besseren Gesellschaft - in der das Internet keine wirtschaftliche Bedrohung ist, sondern ein wichtiges Hilfsmittel bei der Eröffnung einer freieren, aufgeschlosseneren Öffentlichkeit sein könnte.

US-Militär plante Aktionen gegen Wikileaks

Auf der Whistleblower-Website Wikileaks ist ein geheimes Militär-Dokument aufgetaucht, das eben jene Seite als "Gefahr" für das US-Militär bezeichnet. In dem 32-seitigen Report "Wikileaks.org - An Online Reference to Foreign Intelligence Services, Insurgents, or Terrorist Groups?"  vom Februar 2008 wird etwa gefordert, Wikileaks-Informanten im Rahmen einer größer angelegten Kampagne zu enttarnen und zu bestrafen. So könnten potentielle zukünftige Informanten wirkungsvoll abgeschreckt und das Vertrauen in Wikileaks erschüttert werden.   Im einleitenden Text vermerken die Wikileaks-Betreiber süffisant, dass das wohl schiefgegangen sei - das Dokument ist nämlich bereits zwei Jahre alt, es sei jedoch bis heute keine Wikileaks-Quelle enttarnt worden.

US-Phoenix öffnet Videoarchiv

Knapp 31 Jahre nach Sendestart stellt der US-Parlamentssender C-Span sein komplettes Videoarchiv ins Internet.  Zu sehen: 23 Jahre Live-Berichte aus dem US-Kongress, Pressekonferenzen, Präsidentenvereidigungen, Politiker-Interviews. Gähnende Langeweile, aber ein Fest für Politikforscher, Journalisten und Kritiker von Personen, Vorgängen, Nicht-Vorgängen, Ämtern und Dokumenten des politischen Betriebs. Die "New York Times" erklärt in 5.700 Zeichen, warum das gut ist.  

Zeus-Bausatz schützt sich vor Piraten

Software-Piraterie ist auch ein Problem für Software-Gauner, deren Gauner-Software von anderen Software-Gaunern ergaunert wird. Der sündteure Zeus-Trojanerbaukasten versucht dem laut "Computerworld" durch eine Seriennummer zu entkommen , die eine Bausatz-Lizenz an eine bestimmte Hardware-Konfiguration, also an einen bestimmten Rechner bindet. Diese Methode ähnelt der von vielen anderen Kopierschützern - etwa der von Windows.

Piano-Improvisation bei Chatroulette

Ein Klavierspieler versucht mit viel Impro-Talent die zappenden Chatroulette-Nutzer an sich zu fesseln. Ein wunderschönes, jugendfreies Gute-Laune-Video aus der Menschel-Hölle.

Mehr lesen über

Verwandte Artikel