Netzwelt-Ticker: China zensiert Web-Diskussion um Ai Weiwei - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker China zensiert Web-Diskussion um Ai Weiwei

"Was geschah mit Ai Weiwei?" Solche Fragen versuchen die chinesischen Behörden im Internet zu unterbinden - aber Chinas Blogger wehren sich. Außerdem im Überblick: Chromes neuer Malware-Schutz, Microsoft will auf Toyota-Armaturenbretter und Kritik an Saudi-Arabiens neuem Mediengesetz.
Inhaftierter Künstler Ai Weiwei: Chinas Blogger wehren sich gegen die Web-Zensur
Inhaftierter Künstler Ai Weiwei: Chinas Blogger wehren sich gegen die Web-Zensur

Inhaftierter Künstler Ai Weiwei: Chinas Blogger wehren sich gegen die Web-Zensur

Foto: STEFAN WERMUTH/ Reuters
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die chinesischen Behörden versuchen, die Online-Diskussionen um die Festnahme des chinesischen Künstlers Ai Weiwei offenbar per Internet-Zensur zu beeinflussen. Im "Guardian" heißt es , auf dem chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo (ein Twitter-Klon) würden viele Nachrichten, die Ai zum Thema haben, gelöscht. Eine entsprechende Weibo-Suchanfrage führe zu einem Warnhinweis: Diese Suchergebnisse werden wegen lokaler Vorschriften nicht angezeigt.

Wer derweil mit der chinesischen Suchmaschine Sina.com nach Ai Weiwei sucht, bekommt überraschenderweise nur zwei Suchtreffer aus dem Monat April angezeigt: Einer kritisiert die westliche Kritik an Ais Festnahme , der andere dreht sich offenbar um einen anderen Mann gleichen Namens . Alle anderen Ai-Suchtreffer sind mindestens eine Woche alt - von kritischen Beiträgen ist darin auf den ersten Blick nichts zu sehen.

Eine generelle Suche nach Ai Weiwei in chinesischen Suchmaschinen wird nach Recherchen von SPIEGEL ONLINE aber nicht per Internetsperre unterbunden.

Die chinesischen Weibo-Blogger versuchen derweil laut "Guardian", die Web-Zensur mit strategischen Schreibfehlern zu umgehen: statt über "Ai Weiwei" schreiben sie nun "Ai Weilai", "Liebe die Zukunft". So formulierte etwa ein Blogger: "Ich trau mich wirklich nicht mehr, an diese Gesellschaft zu glauben, sogar die Liebe für die Zukunft kann verschwinden."

Die Internetzensur folgt offenbar der Festnahme Ais am 3. April 2011. Die chinesischen Behörden haben Ermittlungen gegen den Künstler eingeleitet. Er soll sich wegen "Wirtschaftsdelikten" vor Gericht verantworten.

Chrome bekommt einen eigenen Malware-Schutz

Google verpasst der nächsten Version des Chrome-Browsers einen Schutz gegen schädliche .Exe-Dateien . Zwar versucht Google schon länger, per "Safe Browsing"-Funktion Websites als gefährlich zu markieren, die solche Downloads anbieten - neu ist, dass Google nun auch vor den verdächtigen Dateien selbst warnt: "Diese Datei scheint bösartig zu sein. Wollen Sie wirklich [mit dem Download] fortfahren?" Den fest in den Browser integrierten schwarzen Listen mit Domain-Namen fügt Google dazu spezifische Adressen von Downloads hinzu, die vermutlich mit Schadcode präpariert sind.

Der Fokus der neuen Chrome-Funktion liegt auf Dateien, die sich ein unbedarfter Surfer ganz absichtlich herunterlädt: Screensaver, die nebenher Surfgewohnheiten ausspionieren, Spielchen, die Werbemüll auf dem Surfer-PC abladen. Damit ist der Download-Schutz vor allem ein Schutz gegen "Social Engineering", also dem Versuch, den Surfer in eine Falle zu locken, heißt es im Firmenblog .

Google aktiviert den Download-Schutz voraussichtlich in der nächsten offiziellen Chrome-Version.

Toyota: Zusammenarbeit mit Microsoft, Probleme mit iPhone

Mit gleich zwei Meldungen schafft es die Auto-Abteilung von Toyota heute in die Tech-Blogs: Erst ruft eine Toyota-Werbeagentur ein iPhone-Programm zurück , das gehackten Apple-Smartphones über den alternativen Cydia-Appstore ein neues Aussehen verpasst. Dann verkünden Microsoft und Toyota, gemeinsam an einer neuen Telematik-Plattform zu arbeiten .

Mischt sich der Autohersteller damit in die Rivalität zwischen Microsoft und Apple ein? Vielleicht ein bisschen; die iPhone-App ist dabei aber nur eine Randnotiz.

Apple verbietet iPhone-Käufern, am Aussehen der iPhone-Symbole und Menüs etwas zu ändern - wer seiner iPhone-Software dennoch ein neues Aussehen verpassen will, kann das iPhone von allen Software-Fesseln befreien ("Jailbreak") und sich im alternativen Cydia-Appstore neue Designs ("Themes") herunterladen. Genau dort, im vom Apple geächteten Cydia-Appstore, bot die Toyota-Agentur Velti ein Theme im Design der Automarke Scion an, bis ein Anruf Apples - oder war es Toyota? Da widersprechen sich laut ModMyi.com die PR-Abteilungen  - die Aktion beendete.

Interessanter ist da schon das Telematik-Engagement von Microsoft: eine Investition über 1 Milliarde Yen (8 Mio. Euro), die Microsoft-Software ins Armaturenbrett zukünftiger Toyota-Autos  bringen soll. Dazu will Microsoft Toyota-Autos an die Cloud anschließen und so "weltweit günstige und fortgeschrittene Telematik-Dienste" anbieten - etwa mit "Smart-Grid-Aktivitäten", mit denen "Menschen, Autos und Wohnhäuser" miteinander vernetzt werden, um Energie zu sparen. Das heißt zum Beispiel: Zu Hause geht die Heizung an, wenn das Auto sich am Abend von der Arbeitsstelle fortbewegt.

"CrunchGear" sieht in dieser Ankündigung schon "den Anfang einer Schlacht um die Armaturen-Systeme" , eine neue Ära "in der unsere Autos so mächtig und zugänglich sind wie unsere Smartphones."

Kein zufälliger Vergleich: Neuere BMW-Modelle bieten zum Beispiel eine iPhone-Schnittstelle. 

Saudi-Arabien: Bürgerrechtler kritisieren neues Mediengesetz

Saudi-Arabiens Internet-Surfer befürchten, dass ein neues Mediengesetz, seit Februar 2011 in Kraft, die freie Meinungsäußerung einschränken wird . Dieses Gesetz bestimmt, dass Online-Zeitungen nur mit einer Lizenz des Informationsministeriums betrieben werden dürfen, und dass Nachrichtenseiten und Web-Kommentare mit Geldstrafen und Web-Blockaden belegt werden können, falls diese Angebote als anstößig, für die nationale Wirtschaft oder Sicherheit schädlich erklärt werden oder gegen die Scharia, das religiöse Gesetz des Islams, verstoßen.

Von der Lizenzierung sind Blogs, Online-Foren und Chaträume zwar ausgeschlossen - die schwammige Formulierung des Gesetzes, befürchten Bürgerrechts-Aktivisten, könnte aber alle elektronischen Inhalte, damit also sogar Handy-Kurznachrichten und Videobotschaften, unter die Bestimmungen fallen lassen.

Hassan Almustafa, ein saudischer Autor und Blogger, sieht mit dem neuen Gesetz "das bisschen Meinungsfreiheit, über das wir uns freuen können" in Gefahr: "Die frustrierte saudische Jugend wird sich fragen", zitiert ihn die "Financial Times" , "warum sie nicht dieselbe Online-Freiheit genießen darf, die Gleichaltrige in den Nachbarstaaten haben."