Netzwelt-Ticker Chinas Web-Superstar
Seit Ende Juni sind die Chinesen trotz strenger Zensur, gefilterter Inhalte und gesperrter Webseiten, die zweitmeisten Internetnutzer nach den US-Bürgern. Chinas Internet Network Information Center zählte 162 Millionen Surfer (USA 211 Millionen, Deutschland 40 Millionen). Das sind dann 25 Millionen User mehr als Ende 2006, ebensoviele wären 2006 gegenüber 2005 hinzugekommen, vermeldet Reuters die Angaben der staatlichen chinesischen Stelle .
Knapp ein Viertel der chinesischen Netzbevölkerung, 44 Millionen Menschen, würden mit ihren Mobiltelefonen online gehen, 122 Millionen hätten einen Breitbandanschluss. Und Millionen von ihnen, offiziell ungezählt, bloggen. Wenig verwunderlich also, dass zumindest halboffiziell die bislang erfolgreichste Bloggerin aller Zeiten aus dem Reich der Mitte kommt. Nämlich Superstar Xu Jinglei, Film- und Fernsehschauspielerin, Sängerin, Schriftstellerin und zuletzt auch Regisseurin, etwa einer auch auf europäischen Festivals prämierten Verfilmung von Stefan Zweigs bittersüßer Novelle "Brief einer Unbekannten", deren Handlung sie mit sich in der Hauptrolle ins Peking der 1950er Jahre verlegte.
Das Celebrity-Blog konnte vorige Woche den einhundertmillionsten Besucher verzeichnen und bis heute sollen in den wenigen Tagen noch einmal mindestens zwei Millionen hinzu gekommen sein . Der Star habe daraufhin für 20 ausgeloste Besucher eine kleine Party geschmissen, heißt es. Aberhunderte von ihnen kommentieren täglich ihre zumeist sehr persönlichen Einträge über größtenteils alltägliche Begebenheiten - erotische oder andere Enthüllungen Fehlanzeige. Allein ein Beitrag mit einem Bild, dass sie in ihrer Küche bei Grillvorbereitungen zeigt , verzeichnete bis heute morgen 1416 Kommentare.
Störsender Sonne
Dass Mathematik mehr ist als nur mit Zahlen und Ziffern zu hantieren, erfährt der Fernsehzuschauer seit geraumer Zeit in der TV-Serie Numb3rs. Darin klärt der Professor für angewandte Mathematik Charlie Eppes mit dem Werkzeug strengster Logik kniffelige Kriminalfälle auf. Aber auf Yahoo erfahren wir nun endlich etwas über die Arbeit echter Mathematiker anhand des kanadischen Mathematik-Professors David Thomson, der sich seit den 1990er Jahren mit unterbrochenen Handyverbindungen beschäftigt.
Er will belegen können, dass Eruptionen auf der Sonne dafür verantwortlich sind, wenn ein Gespräch abrupt beendet wird. Seine Daten würden belegen, dass bis zu einem Fünftel aller Telefonate gestört werden, die über einen Mobilfunkmast laufen, der zur Sonne ausgerichtet ist, wenn auf ihr Eruptionen beobachtet werden können.
Prof. Thomsons Vermutung, das hänge mit der Energie zusammen, die die Sonne in das Magnetfeld der Erde abstrahlt, ist in der Fachwelt bislang umstritten. Mit einem neuen Radioteleskop auf dem Dach der Queens-Universität in Kingston, Ontario will er mit einem Forscherteam diesen Zusammenhang bald beweisen und genauer erklären können . Über ein ganz besonderes Phänomen aber zerbricht er sich noch den Schädel. Nämlich warum Handygespräche auch in Abwesenheit von solaren Eruptionen abreißen. Etwa wenn der Chef uns im Urlaub anruft, während wir in der herrlichen Nachmittagsonne in einem Café auf der Strandpromenade sitzen? Fürwahr, sehr knifflig.
Wird Windows bald mit Reklame finanziert?
Wie zu hören ist, wartet Microsoft seit geraumer Zeit auf die Erteilung eines Patentes für ein "Advertising Framework" , mit dem auf dem Windows-PC das Betriebssystem dann die Aufgabe haben wird, ganz offen die Vorlieben und Interessen des Anwenders zu ermitteln, um ihr oder ihm maßgeschneiderte Online-Werbung auf dem Desktop unterjubeln zu können. Die Kollegen vom britischen "The Register" haben sich die Mühe gemacht, den Patentantrag zu lesen : Die zu patentierende Technologie soll demnach "Kontextdaten" aus Anwendungsprogrammen ermitteln können, etwa aus dem Schreib- oder dem Mailprogramm, dass somit als sprudelnder Quell über die Vorlieben des PC-Besitzers fungiert.
Das petzende Programm soll dann die Werbung wohl auch anzeigen. Die Akquisearbeit dafür teilen sich ein Kontextmanager in den Tiefen des Betriebssystems, der die aus den verschiedenen Anwendungen gewonnenen Nutzerdaten bündelt, sowie ein "Advertising Manager". Der soll nicht nur für die adäquate Darstellung der Reklame sorgen, sondern auch die Reaktion auf die Produktionformation protokollieren und auswerten. Wird auf das Banner in einem Textverarbeitungsfenster geklickt? Wirkt Werbung für den neuen Unterwäschekatalog in einem separaten Fenster besser?
Kaum vorstellbar, dass so ein Einbruch in die Privatsphäre von der Kundschaft hingenommen werden würde, oder? Falls es doch dem einen oder der anderen egal wäre: Noch gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass so ein Werbe-Windows dann auch ebenso kostenlos wie Werbefernsehen ins Haus käme.
Indizien eines Potter-Piraten
Einer der diversen Potter-Piraten ( SPIEGEL ONLINE berichtete) fotografierte sein Vorab-Exemplar des nächsten und letzten Harry Potter-Bands Seite für Seite und stellte diese äußerst unbequem zu gebrauchende Variante einer Raubkopie des siebten Bandes der Zauberer-Saga ins Netz. Aber seine Digitalkamera schrieb auch die üblichen EXIF-Informationen in sämtliche Digitalfotos, also die Bilddetails wie Verschlusszeit, Zoom etc. inklusive der Angaben über die benutzte Kamera. Er oder sie benutzte demnach eine Canon-Kamera, vermutlich ein nur in den USA erhältliches Modell mit der Seriennummer 560151117 . Bei digg.com zerbricht man sich nun den Kopf darüber, ob und wie man jemanden anhand dieser Information ausfindig machen könnte .
Sicher scheint nur, dass man das Gerät vom Hersteller bis zum Händler verfolgen könnte. Wurde der Apparat dort per Kreditkarte gekauft, würde man den Käufer auch namentlich ermitteln können. Auch dann, wenn sich der Kunde beim Hersteller registriert hat. Aber hätte man ihn erst, könnte der sich ja auch prima damit herausreden, die Kamera verloren zu haben, oder besser noch, dass sie gestohlen wurde.