Netzwelt-Ticker: Chinesen planen Web-Boykott - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Chinesen planen Web-Boykott

Mit Enthaltsamkeit wollen Netzaktivisten gegen Chinas Porno-Blocker protestieren. Außerdem im Überblick: Googles Street View hilft bei der Verbrechensbekämpfung und fährt Dreirad, Facebook gibt sich nicht geschlagen und vieles mehr.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Am ersten Juli soll Chinas "grüner Damm" errichtet werden. Ein Filterprogramm soll von diesem Tag an unliebsamen Schmuddelkram aus dem Netz tilgen, Pekings Bürger vor dem Schrecken der Pornografie schützen - und vielleicht ein bisschen mehr. Chinesische Internet-Aktivisten haben dies zum Anlass genommen, zu einem Boykott aufzurufen. Wenn die umstrittene neue Zensurmaßnahme in Kraft tritt, sollen alle chinesischen Internet-Nutzer offline bleiben , meldet "Reuters".

Websurferin in einem Internetcafé in Zhengzhou: Aus Protest am 1. Juli nicht online gehen

Websurferin in einem Internetcafé in Zhengzhou: Aus Protest am 1. Juli nicht online gehen

Foto: Andy Wong/ AP

Nicht wenige Surfer befürchten, dass die Kampagne gegen "ungesunde" Seiten nur den Startschuss für wesentlich weiter gehende Zensur-Aktionen markiert. Bekanntester Protagonist des Boykottaufrufs ist der Architekt Ai Weiwei, der an Pekings neuem Wahrzeichen, dem olympischen "Vogelnest"-Stadion, mitgearbeitet hatte.

Per Twitter schrieb Ai: "Stoppt sämtliche Aktivitäten, Arbeit, Lesen, Chatten, Bloggen, Spielen oder selbst den Versand von E-Mails. Und erklärt euer Verhalten nicht." Das wäre ein einfacher Weg, seinen Protest deutlich zu zeigen und berge dennoch kein Risiko, so der Architekt gegenüber "Reuters".

Holland: Street View im Fahndungseinsatz

Ein Raubüberfall in den Niederlanden konnte mit Hilfe von Googles Street View aufgeklärt  werden. Im vergangenen September wurde ein 14-jähriger Junge von zwei Jugendlichen erst von seinem Fahrrad gestoßen und dann um sein Geld und sein Handy erleichtert. Als er bei der Polizei Anzeige erstattete, hatte er nichts, um seine Geschichte zu beweisen. Bis März 2009, wie "Associated Press" berichtet. Da entdeckte der Junge in Street View eine Aufnahme, die ihn selbst und die beiden Räuber unmittelbar vor der Tat zeigt.

Die Polizei forderte bei Google die unretuschierten Bilder an und konnte die Täter, zwei Zwillingsbrüder, identifizieren. Die beiden wurden kurze Zeit später verhaftet. Einer der beiden war der Polizei wegen verschiedener Eigentums- und Raubdelikte schon zuvor bekannt gewesen. "Cnet" kommt die Geschichte ein wenig merkwürdig vor. Dort fragt sich Chris Matyszczyk, was denn der freundliche Fahrer des Street-View-Kamerawagens  während des vorgeblichen Überfalls gemacht hat. "Hat er wirklich nichts mitbekommen?"

StudiVZ: Facebook geht in Berufung

Die Geschichte ist noch nicht ausgestanden: Nachdem Facebook vor dem Kölner Landgericht mit seiner Plagiatsklage gegen die deutsche Online-Plattform StudiVZ  gescheitert ist, will das US-Unternehmen in die nächste Runde gehen. "Facebook ist enttäuscht von der Entscheidung des deutschen Gerichts, insbesondere da wir nicht die Gelegenheit hatten, alle Beweise vorzubringen. Wir planen nun, Berufung einzulegen", zitiert der Online-Nachrichtendienst "Heise online" die Amerikaner.

Nach wie vor steht der Vorwurf im Raum, dass es sich beim deutschen Gruschelnetzwerk lediglich um eine Kopie des amerikanischen Originals handelt. Erstaunlicherweise hatten auch die Richter des Landgericht Köln diesen Eindruck, entschieden aber dennoch, "trotz nicht zu übersehender Übereinstimmungen und Ähnlichkeiten der beiden Internet-Seiten [liege] keine unlautere Nachahmung vor". Neben der Auseinandersetzung vor der deutschen Justiz will Facebook StudiVZ auch in den USA juristisch belangen.

Google geht per Dreirad auf Schnappschuss-Tour

Die fahrenden Street-View-Kameraleute in den USA befassen sich mit ganz anderen Problemen, mit schmalen Gassen und Fußgängerzonen. Das sind naturgemäß Bereiche, in denen die Kameraautos nichts verloren haben und drum auch kein Bildmaterial erstellen können. Googles Ausweg? Dreiräder, genauer Trikes , die eine kleine Ladefläche besitzen, auf die das Foto-Equipment montiert wird. Auf dem Campus der University of Pennsylvania wurden erste Dreirad-Versuche erfolgreich abgeschlossen, weiß "Stuff" aus Neuseeland zu berichten.

Um die insgesamt 115 Kilogramm Technik sicher unterzubringen, wurde der Unterbau einer handelsüblichen Rikscha verwendet, mit der sich mittlerweile auch in westlichen Ländern viele Touristen durch die Gegend kutschieren lassen. Auch im Ausland sei der Google-Radler schon unterwegs gewesen und habe selbst um den römischen Trevi-Brunnen seine Runden gedreht.

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