Netzwelt-Ticker: Computer-Wurm attackiert Industrieanlagen - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Computer-Wurm attackiert Industrieanlagen

Hacker, die Produktionsanlagen fernsteuern? Eine Bedrohung, die Experten für real halten. Außerdem: Sicherheitsbedenken bei Facebook-Alternative und der Rat, dass Russland und die Nato im Netz zusammenhalten sollen. Das und mehr im Überblick.
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Aufgeregt berichtet "Computerworld" von der Schad-Software Stuxnet. Der Fachzeitschrift zufolge ist der Computerwurm die "vielleicht besten Malware aller Zeiten" . Stuxnet sei ein speziell auf Siemens-Software zugeschnittener Schädling, der schon "14 Industrieanlagen in den USA, Großbritannien, Korea und Iran befallen" habe.

Doch die Nachricht ist weder neu noch ganz korrekt: Siemens selbst zählt auf seiner Stuxnet-Info-Seite - wo auch eine passende Antivirus-Lösung angeboten wird - 15 Infektionsfälle. Der letzte wurde am 7. September 2010 eingetragen. Fünf der betroffenen Anlagen stehen in Deutschland, die restlichen Fälle verteilen sich auf Europa, die USA und Asien, heißt es in einer Siemens-Mail an SPIEGEL ONLINE.

In keinem dieser Fälle sei es während der Infektion zu Auswirkungen auf die Automatisierungslösung von Siemens  gekommen.

Dass Stuxnet aber tatsächlich gefährlich werden könnte, das will die Sicherheitsfirma Symantec auf der kommenden Virus-Bulletin-Konferenz in Vancouver zeigen. Angreifer könnten eigenen Programm-Code in die Kontrollsysteme einfließen lassen und dadurch "volle Kontrolle über die laufenden Funktionen der angegriffenen physischen Systeme " bekommen.

Was für ein Bedrohungszenario: Industriesabotage via Fernsteuerung, ganze Fabriken per PC lahmgelegt!

Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE beschwichtigt ein Siemens-Sprecher allerdings: "Uns liegen keine Erkenntnisse vor, dass die Manipulation von Anlagen das Motiv des Virenangriffs ist." Stuxnet habe ein hochspezialisiertes Beuteschema. Er greife nur Anlagen einer ganz bestimmten Konfiguration an, weswegen auch nur 15 von Tausenden Firmen weltweit einen Stuxnet-Befall meldeten. Was der Wurm in den befallenen Anlagen konkret anrichten wolle, weiß man auch bei Siemens nicht: "Wir können uns nicht vorstellen, welches Ziel Stuxnet verfolgt. Wir bräuchten eine entsprechende Anlage, um das zu überprüfen."

Nur wer eine der vom Stuxnet-Wurm anvisierten Anlagen physisch nachbaut, könne das theoretische Gefährdungspotential, das etwa Symantec erhebt, mit den tatsächlichen Möglichkeiten vergleichen. Die in Frage kommenden Fabrikanlagen seien einfach zu komplex, als dass man aus Programmdetails auf tatsächliche Auswirkungen schließen könne, heißt es bei Siemens. Klar sei nur: Der Wurm ist kein Hobbyisten-Werk.

Die Frage aber, ob staatliche Hacker hinter Stuxnet stecken könnten, will Siemens nicht beantworten: "Das wären nur Spekulationen." Anfang nächster Woche werde man weitere Informationen veröffentlichen .

Riskant neu: Datenschutzalternative zu Facebook

Die vier US-Studenten, die seit Monaten an einer datenschutzfreundlichen Alternative zu Facebook arbeiten, haben den vorläufigen Programmcode für das Diaspora genannte Projekt  veröffentlicht. Sie rufen Programmierer aller Welt zur Mitarbeit auf. Diaspora ist Open Source: Jeder kann im Quelltext auf Fehlersuche gehen, neue Funktionen entwickeln oder mit anderen Programmierern gemeinsam den Code optimieren.

Der Programm-Code ist allerdings offenbar noch unfertig, steckt voller Fehler und Leerstellen. Experten, die die freigegebene Software analysiert haben berichten von Problemen an allen Ecken. Mitglieder-Profile können demnach von Unbefugten übernommen, fremde Profile zwangsbefreundet und Fotos einfach so gelöscht werden. "Unterm Strich gibt es nichts, absolut nichts, was man nicht mit einem fremden Diaspora-Profil machen könnte," zitiert The Register  einen japanischen Software-Entwickler.

NATO und Russland: Gemeinsam gegen Netzkrisen

Die NATO und Russland sollten gemeinsame Cyber-Manöver durchführen, rät das EastWest Institut seinem Bericht "Russland, die Vereinigten Staaten und Cyber-Diplomatie" (PDF-Datei,  683 KB). Dem Thinktank zufolge haben es NATO und Russland nicht geschafft, "in ihren bilateralen diplomatischen Beziehungen zu einem gemeinsamen Verständnis der meisten Cyber-Sicherheits-Aspekte zu gelangen." Will heißen: Statt an einem gemeinsamen Strang zu ziehen, hätten sich die beiden Parteien oft eher wie Feinde aufgeführt. Das schade beiden - Cyber-Sicherheit sei ein drängendes Problem für alle und müsse möglichst global angegangen werden.

Das EastWest Institute rät deswegen zu vier Maßnahmen: Einem Programm zur Verbesserung der Vertrauenswürdigkeit der zentralen IT-Infrastruktur, dem Aufbau einer Art Internet-Feuerwehr zur Bekämpfung und Abwehr von Cyber-Angriffe, einem internationalen Cyber-Gesetz - etwa zur rechtlichen Regelung von "Cyber-Kriegsführung" und entsprechenden Schutzmaßnahmen und letztlich gemeinsamen Cyber-Manövern, um Methoden und Standards zur Identifizierung von kritischer Infrastruktur und zum Schadenspotential im Falle eines Netzangriffs identifizieren zu können.

Dass solche Manöver überaus hilfreich sind, hat auch die EU schon festgestellt und für November 2010 eine erste Pan-europäische Übung zum Schutz kritischer Informations-Infrastruktur (CIIP)  angesetzt.

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