Netzwelt-Ticker: Datendrama beim Antivirus-Experten - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Datendrama beim Antivirus-Experten

Dem Antivirus-Hersteller Kaspersky Lab sind offenbar 182 Megabyte Quelltext abhanden gekommen - ein Fest für Viren-Autoren? Außerdem im Überblick: Londoner Börse angeblich Ziel von Hack-Attacke, neue Datenschutz-Klage gegen Apple und PS3-Hacker wehrt sich gegen Rechner-Beschlagnahmung.
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Laut Cnews.ru ist dem russischen Software-Hersteller Kaspersky Lab der Quelltext einer Testversion des Antivirus-Pakets Kaspersky Internet Security (KIS) abhanden gekommen . Betroffen sind vermutlich alle KIS-Versionen Jahrgang 2008 und aufwärts; die entsprechenden Daten geistern als 182-Megabyte-Download durchs Internet.

Die Befürchtung: Hacker können mithilfe des Quelltexts der Antivirus-Software bei der Arbeit zuschauen und so Sicherheitslücken und andere Schwachstellen ausmachen. Gelänge dies einem Malware-Autor, könnte der bessere Würmer und resistentere Viren entwickeln, welche die Sicherheits-Funktionen der Kaspersky-Software einfach umgehen.

Cnews.ru hat den russischen IT-Analysten Alexander Chachava um eine Einschätzung der Gefahr gebeten. Der gibt eine teilweise Entwarnung: viel dürften Hacker nicht aus der Veröffentlich lernen. Schwerer wiege der Image-Schaden für Kaspersky. Quelltext vom Software-Allerheiligsten - so etwas sei noch keiner anderen IT-Sicherheitsfirma passiert.

Aber wie kam es überhaupt zum Datenleck? Chachava vermutet einen enttäuschten Kaspersky-Mitarbeiter, der, nachdem er die Firma verlassen hat, den Source-Code auf dem Hacker-Schwarzmarkt anbot; eine Einschätzung, die auch andere Experten teilen: Schon seit April 2009 habe es entsprechende Angebote gegeben.

Update: Kaspersky hat mittlerweile das Datenleck eingeräumt, erklärt aber, dass "der gestohlene Code nur einen kleinen Teil des Quelltexts des modernen Produkts darstellt und keine Schutzfunktionen betrifft".

Unregelmäßigkeiten an der Londoner Börse

Nutzten Hacker die Umstellung auf eine neue Software, um Schadcode auf die vom Internet gelösten Rechner der Londoner Börse zu schmuggeln? Medienberichten zufolge könnte das ein Grund für Software-Unregelmäßigkeiten im vergangenen Jahr sein.

Am 24. August kollabierten die Aktienkurse fünf großer Firmen wegen massenhaft fehlerhaft ausgefüllter Kaufaufträge. Die British Telecom verlor so zumindest virtuell fast eine Milliarde Pfund an Wert (der freilich korrigiert wurde). Im November musste das Trading-System nach Unregelmäßigkeiten abgeschaltet werden. Offizieller Grund: menschliches Fehlverhalten. Weil aber die Polizei ermittelt, insinuiert Computerworld UK einen Hack-Angriff als wahren Grund .

Der London Stock Exchange (LSE) verweigerte Computerworld einen Kommentar.

Neue Datenschutz-Klage gegen Facebook

Weil Apple per iPhone, iPad und iPod Touch sensible Nutzer-Daten sammle und ungefragt an Werbetreibende weitergebe, strebt ein Kalifornier eine Sammelklage gegen den Computer- und Software-Hersteller aus Cupertino, Kalifornien an . Eine entsprechende Klage ging am Donnerstag bei einem kalifornischen Gericht ein. Er wirft Apple vor, dass das Unternehmen seine Kunden nicht ausreichend über die Verwendung der UDID-Seriennummer, mit der jedes mobile Apple-Gerät eindeutig gekennzeichnet ist, informiert. App-Entwickler können die Unique Device Identifier (UDID) auslesen und damit für ihre Werbe-Partner Nutzerprofile erstellen, inklusive deren Surf-Vergangenheit, ihre App-Nutzungsstatistiken und andere persönliche Informationen.

Die Klageschrift fordert einen Geschworenen-Prozess, Schadensersatz und Strafzahlungen für die insgesamt zehn Anklagepunkte (darunter Verletzung der Privatsphäre und Verstoß gegen ein Datenschutz-Gesetz). Apple wollte die Klage bei PC World nicht kommentieren , erklärte aber dem "Wall Street Journal" im Dezember 2010, dass Apps die Nutzerdaten nicht weitergeben sollten, ohne dass der iPhone-Nutzer sein Einverständnis gibt.

Eine ganz ähnliche Klage liegt einem Gericht aus San Jose im US-Staat Kalifornien seit letztem Jahr vor .

PS3-Jailbreaker wehrt sich gegen Rechner-Beschlagnahmung

Sony geht gerichtlich gegen den PS3-Hacker George Hotz vor, zwang ihn bereits, alle Infos zum Playstation-Hack aus dem Netz zu entfernen. Jetzt forderte ein Richter sogar die Beschlagnahmung von Hotz Rechner an. Aber der Hacker will sich wehren. Sein Anwalt erklärte Wired.com: "Hier geht es um weniger als 100 Kilobyte Daten. Herr Hotz hat Terabytes auf Speichermedien ." Das alles zu beschlagnahmen sei unverhältnismäßig. Er forderte das Gericht auf, die Anordnung der Beschlagnahmung zu überdenken.

Aber ob Beschlagnahmung oder nicht: Sony dürfte das alles wenig nützen. Der PS3-Hack hat sich längst im Internet ausgebreitet. Mit ihm können Raubkopierer, aber auch Hobby-Entwickler beliebige Programme auf der ansonsten versiegelten Konsole abspielen. Für Sony ein klarer Verstoß gegen das amerikanische DMCA-Gesetz, das das Aushebeln von Kopierschutz-Mechanismen unter Strafe stellt.

Hotz gibt sich derweil auf seiner Website rebellisch : Sony werde bald schon keine Programmierer mehr finden, sollte das Unternehmen weiterhin so mit seinen Kunden umgehen.

Plong macht die U-Bahn, Tweng macht die Tube

Conductor ist der Versuch Alexander Chens, den Schienenverkehr der New Yorker U-Bahn anschaulich zu machen - und zu vertonen. Mit Erfolg:

Zu sehen: U-Bahn-Züge, die Saiten hinter sich herziehen, die andere Züge kreuzen und damit anschlagen können. Das Video zeigt einen U-Bahn-Tag im Zeitraffer, die Website MTA.me das alles als Web-Kunstwerk .

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