Netzwelt-Ticker: Datenklau per Stellenanzeige - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Datenklau per Stellenanzeige

Job gesucht, Trojaner gefunden: Gewiefte Kriminelle verpacken Schnüffelprogramme in Stellenanzeigen; Apple-Konkurrenten vermehren sich; Google entschuldigt sich. Das und mehr im Überblick.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die amerikanische Online-Arbeitsvermittlung Monster.com wurde Opfer eines Hackerangriffs : Dabei konnten die Eindringlinge auf die Daten von Hunderttausenden von Jobsuchenden zugreifen. Dazu wurde ein Trojaner benutzt, der gezielt die abgespeicherten Login-Daten von Beschäftigten abfragte. Beim Besuch der Jobbörse fingen sich die Nutzer dann den Trojaner ein.

Dazu reichte schon der Klick auf ein Werbebanner, das den Anwender auf eine Seite führte, die seinen Rechner infizierte und fortan jede Eingabe im Browser offenlegt. Damit gelangten die Hacker dann an Usernamen, deren E-Mail-Adressen, Telefonnummern sowie Angaben zu Bankverbindungen und Kreditkarten. Besonders schwierig wird die Bekämpfung dieser Trojaner durch deren hohe Wandelbarkeit, mittlerweile wird alle paar Tage eine neue Version solcher Schadprogramme in Umlauf gebracht.

Drei gegen iTunes

Apples Musikshop iTunes bekommt Konkurrenz : Der Musiksender MTV und Real Networks wollen es wissen und verbünden sich für einen gemeinsamen Online-Auftritt, um künftig mit ihrem Musikangebot gegen iTunes anzutreten. Das Projekt mit dem klingenden Namen "Rhapsody" existiert bereits als Musikservice unter dem Dach von Real Networks, fristete aber bislang eher ein Nischendasein.

Das soll sich durch die Zusammenarbeit mit dem populären Musiksender MTV ändern. Um das eigene Angebot außerdem möglichst flächendeckend unter das mobile Volk zu bringen, ist als Dritter der amerikanische Telekommunikationskonzern Verizon ins Boot gestiegen, der die ins Auge gefasste Kundschaft auch übers Handy mit den gewünschten Titeln versorgen soll.

Damit hat ein veritabler Frontalangriff auf Apples Aktivitäten im Geschäft mit der Onlinemusik begonnen. Es ist zudem nicht der Einzige: Nach Jahren des relativen Stillstands im Online-Downloadmarkt häufen sich neue Versuche der bisher weit abgeschlagenen Konkurrenten, Boden gut zu machen, sowie solche von Plattenfirmen, der Knute Apples zu entkommen.

Wal-Mart ohne Kopierschutz

In diesen Zusammenhang gehört auch die Nachricht, dass der Einzelhandelsriese Wal-Mart ebenfalls mehr am großen Kuchen des Onlinemusik-Geschäfts knabbern und ab sofort kopierschutzfreie Musik  verkaufen will.

Am 9. August hatte der Musikkonzern Universal einen Modellversuch gestartet, iTunes mit Musikverkäufen ohne Kopierschutz Konkurrenz zu machen. Universal-Partner Wal-Mart prescht nun vor mit dem DRM-freien Verkauf, Amazon soll bald folgen. Pikant: Im Warenangebot von Wal-Mart ist auch EMI zu finden. Deren DRM-freie Dateien verkauft auch iTunes seit einigen Monaten - allerdings zu einem höheren Preis.

Die Aktion der großen Konzerne gegen Apples Angebote macht nun wahr, was Apple-Chef Steve Jobs einst forderte: der Onlineverkauf von Musik ohne Einschränkungen, der dem Bereich der digitalen Musik einen neuen Schub verleihen soll. Bleibt abzuwarten, wer davon am meisten profitiert.

Google sagt sorry

Nachdem Google vor einigen Tagen sehr überraschend die Schließung seines Google Video Store verkündet hatte, demonstrierte das Unternehmen auch ein merkwürdiges Verständnis von Kundenservice. Die bereits verkauften Google-Filme sollten automatisch mit dem Ende der Verkaufsfrist in der vergangenen Woche verfallen, eine Entschädigung war nicht vorgesehen, abgesehen von einem mageren Zwei-Dollar-Bonus.

Entsprechend wenig begeistert reagierte die Userschaft, was den Konzern nun zum Umdenken bewogen hat. Denn jetzt gibt es dann doch die Rückerstattung für sämtliche, jemals erworbene Google-Videos , die darüberhinaus sogar noch weitere sechs Monate online angeschaut werden können, wie Google-Video-Produktmanager Bindu Reddy ankündigte. Sogar den Zwei-Dollar-Gutschein darf man behalten. Interessant ist diese Entwicklung deshalb, weil Google damit auf sämtliche, jemals mit seinem Video Store gemachten Einnahmen verzichtet, auch wenn sich diese dem Vernehmen nach eh in überschaubaren Grenzen gehalten hatten. Diese Kostendelle dürfte höchstwahrscheinlich in den Werbeetat umgebucht werden, offensichtlich war man beim Suchmaschinenriesen der Ansicht, es sei höchste Zeit für ein bisschen Imagepflege.

Der Körper als Handyladestation

Im Erlanger Fraunhoferinstitut ruhen sich die Experten nicht auf ihren Lorbeeren als MP3-Erfinder aus, sie sind beständig dabei, neue Verfahren und Geräte für die digitale Welt zu entwickeln. Dieser Tage traten sie mit einer Methode an die Öffentlichkeit, aus der Körperwärme eines Menschen Strom zu produzieren . Ein kleiner Wärmetauscher kann so aus den Temperaturunterschieden zwischen Mensch und Umgebung bis zu 200 Millivolt Strom gewinnen.

Das ist zwar noch nicht genug, um den Strombedarf heutiger Geräte von ein bis zwei Volt zu decken, aber die Forscher entwickelten bereits Schaltkreise, denen 200 oder sogar nur noch 50 Mv genügen. Diese Energiemenge könnte ausreichen, um zum Beispiel ein Handyakku zu laden, zumal die Wärmequelle ständig verfügbar ist, zumindest solange das Telefon am Mann getragen wird.

Doch nicht nur im Bereich der Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik kann die Technologie eingesetzt werden, auch im Krankenhaus könnte sie manchen Kabelsalat verkleinern helfen. Jeder Patient auf einer Intensivstation wird von einer ganzen Armada von Geräten überwacht, die Atmung, Blutdruck, Puls und Temperatur messen. Könnten diese Sensoren mit der körpereigenen Wärme des Patienten betrieben werden, wäre die einzige Verbindung zum Krankenhauscomputer nur noch das Funksignal, mit dem sie ihre Daten übermitteln.

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