Netzwelt-Ticker: Der Hype um den Cyberkrieg - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Der Hype um den Cyberkrieg

Das US-Magazin "Wired" hat als größte Gefahr fürs Internet einen Regierungsberater ausgemacht, der die Angst vor dem Cyberwar gezielt schüren soll. Außerdem: Sony flickt Konsolenfehler, die Herren der Terabyte und geheime Nachrichten im Kultspiel. Das und mehr im Überblick.
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Die größte Gefahr im Internet sind weder chinesische Staatshacker, noch zensurfreundliche und netzneutralitätsfeindliche Provider, sondern Michael McConnell, der ehemalige Director of National Intelligence, der Geheimdienst-Spezialist im Weißen Haus. Das zumindest behauptet die US-Zeitschrift "Wired" in einem spannenden Artikel über die seltsame Konjunktur des Themas Cyberkrieg .

Aus dem Artikel geht hervor: All die Schreckensszenarien um einen Cyberkrieg, in dem sich staatliche Hacker und hackenden Staaten zum letzten Kampf um Bit und Byte versammeln, sind nur das Getöse eines Mannes, der das Internet kontrollieren will. McConnell sei immer wieder dafür verantwortlich gewesen, dass die US-Regierung an einen drohenden Cyberkrieg glaubte, zum Kampf gegen Hacker rüstete. Und jetzt, in einem Meinungsstück in der "Washington Post" habe McConnell wieder zugeschlagen: Wie man den Cyberkrieg gewinnt, den wir gerade verlieren . In seiner Rolle als Chef der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton, die unter anderem die US-Regierung in Technologiefragen berät, ruft er dazu auf, das Internet umzugestalten: Wer was wo wann mit ihm macht, müsse innerhalb kürzester Zeit für staatliche Organe erfahrbar sein.

Das klingt nach Totalüberwachung, "Wired" ist sich deshalb auch sicher: McConnell geht es nicht um Krieg, es geht ihm um Spionage. Und so erscheinen alle Argumente, die McConnell für einen zivilen Schutz anführt - Eindämmung der Botnet-Seuche, Sabotage-Hacker in Estland, Terrorangriffe von al-Qaida - vor allem eines zu sein: PR für eine neue Rolle der National Security Agency (NSA), des größten Nachrichtendienstes der USA, als oberster Wächter des Internets. Für "Wired" ist McConnells Kommentar zum einen nur die Fortführung dessen, was IT-Sicherheitsfirmen schon lange betreiben: Angst schüren, um ihre Sicherheitsprodukte besser zu verkaufen. Zum anderen aber auch ein Warnsignal, dass es, falls sich die Regierungsorganisationen von der Angst um einen Cyberkrieg anstecken lassen, nun um die Freiheit des Internets gehen könnte: "Es gibt keinen Cyberkrieg und wir verlieren ihn nicht. Der einzige Krieg ist der um die Seele des Internets."

Datumsproblem: Sony flickt Konsolenfehler

Rund um den Globus beklagten Besitzer einer älteren Playstation 3 am Montag über Probleme mit der Spielkonsole. Jetzt endlich hat Sony das Problem entdeckt - und sollte sich schämen: die PS3 hat ein Schaltjahrproblem. Als in der Nacht vom 28. Februar auf den 1. März die Systemuhr umsprang, kam die Software nicht hinterher, stolperte zwischen dem falschen 29. Februar und dem richtigen 1. März, flüchtete sich in die Vergangenheit: 1. Januar 2000. Sonys offizieller Tipp kam wahrscheinlich für viele PS3-Besitzer zu spät: Schalten Sie ihre Konsole am 1. März einfach nicht ein .

Windows XP Sicherheitslücke: Nicht mit F1 nach Hilfe rufen

Microsoft warnt vor einer kuriosen Sicherheitslücke im Betriebssystem Windows XP und dem Internet Explorer : Durch eine bislang unbekannte Sicherheitslücke im Betriebssystem können Hacker mittels einer manipulierten Website die Herrschaft über das Betriebssystem an sich reißen. Die Sicherheitslücke entsteht durch einen fehlerhaften Umgang der Scripting-Sprache VBScript mit Windows-Hilfe-Dateien, wenn der Internet Explorer in Betrieb ist - heißt es etwas kryptisch. Sprich: Ruft ein Surfer mittels "F1"-Taste die Windows-Hilfe auf, während er im Internet Explorer aktiv ist, öffnet er Angreifern Tür und Tor. Microsoft warnt deshalb auch sicherheitshalber vor präparierten Websites, die ihre Besucher mit einer Popup-Box dazu auffordern, die "F1"-Taste zu drücken.

Vorratsdatenspeicherung: Die Herren der Terabyte

Pünktlich zur Kritik des Verfassungsgerichts an der Vorratsdatenspeicherung, hat die "FAZ" einen spannenden Text zur Speicherpraxis  veröffentlicht: Die Herren der Terabyte. Eigentlich geht es in dem Artikel ja um die Aufgabe der Internetprovider, den Datenverkehr inmitten und mittels eines scheinbar undurchdringlichen Kabel- und Serverdschungels zu organisieren. Doch wird bei so viel stofflicher Internetrealität mit fast schon retrofuturistischer Anmutung deutlich, um was es tatsächlich geht: um verdammt viel Verantwortung. Die Überwachungs- und Speicherinfrastruktur, die Provider im Namen des Staates einzurichten haben, treten im "FAZ"-Artikel dermaßen als gefährliche, kalte Black Boxes hervor, dass das heutige Urteil des Verfassungsgerichts umsomehr als zumindest eine gewisse Erleichterung erscheint: Ist so viel Sicherheit nicht gefährlich?

Kultspiel: Geheime Nachrichten nach Software-Update

Irgendwie erschien es seltsam, dass Spielehersteller Valve das drei Jahre alte Kultspiel Portal plötzlich mit einem Softwareupdate an angeblich neue staatliche Bestimmungen bezüglich Funkübertragungen anpassen müsse. In einer nun schon mehr als hundertseitigen Diskussion im Valve-Forum  hat sich herausgestellt: Das Update ist ein Kuckucksei, eine clever gemachte Werbeaktion für - ja, für was eigentlich? Wer das Update installiert, findet in jedem Level ein Radiogerät. Trägt man es zu einer bestimmten Stelle im Level, empfängt der Spieler eine rauschende Nachricht - ein als Tonsignal verschlüsseltes Bild. Neugierig gemachte Spielernerds gingen auf Tauchfahrt im Portal-Verzeichnis, brachten erstaunliches zutage: Im neuen Spielmaterial sind kryptographisch Informationen versteckt , Bilder und Daten.

Klar: Valve nutzt ein Kultspiel, das im Half-Life-Universum angesiedelt ist, als Werbevehikel für ein neues Computerspiel. Eine Technik, die zunehmend auch andere Spielehersteller einsetzen. Erst kürzlich hat etwa Publisher Electronic Arts alte Versionen des Strategiespiels "Command & Conquer" kostenlos ins Netz  gestellt - um auf einen neuen Teil aufmerksam zu machen.

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