Netzwelt-Ticker Der Kartenfischer geht um
Neuer Trojaner imitiert Windows-Aktivierung
Antivirensoftware-Hersteller Symantec warnt vor einem neuen Trojaner, der sich als Windows-Meldung tarnt und Nutzer so zur Preisgabe ihrer Kreditkarten-Informationen überlisten will. Trojan.Kardphiser öffnet dazu ganz einfach ein Fenster, das mit "Microsoft Piracy Control" betitelt ist und darauf hinweist, dass diese Windowslizenz bereits von einem anderen User benutzt werde und daher reaktiviert werden müsse.
Zwei Möglichkeiten bietet dieses Fenster dem Nutzer: Windows sofort oder später aktivieren. Wählt er "Später aktivieren", fährt Windows automatisch herunter. Während des Dialoges können andere Anwendungen, selbst der Taskmanager, nicht ausgeführt werden. Es bleibt dem User nichts anderes übrig, als "Sofort aktivieren" zu wählen.
Spätestens jetzt sollte man jedoch misstrauisch werden, denn die angebliche Windows-Meldung fordert zur Eingabe von persönlichen Informationen, der Kreditkartennummer, deren Ablaufdatum, dem Sicherheitscode und sogar der Geheimzahl für Geldautomaten auf, die der Trojaner freilich sofort an den Hacker weiterleitet.
Takashi Katsuki vom Symantec-Blog hat Trojan.Kardphisher samt Screenshots dokumentiert und betet die alte Internet-Binsenweisheit vor: Vertraue niemandem! Bevor man irgendwelche Kreditkarteninformationen von sich preisgibt, sollte man sich eingehend versichern, dass sie auch die richtigen Leute erreicht. Grundsätzlich gilt dabei immer: Wenn nach PIN-Nummern gefragt wird, kann da etwas nicht stimmen.
Die neuen Methoden der Spammer
Noch mehr Netzübel: Spam-Versender haben sich einen neuen Trick einfallen lassen, um Spam-Filter zu umgehen. Dazu nutzen sie die Unfähigkeit der Filter aus, E-Mails mit verschlüsselten Dateianhängen zu analysieren. An Spam-Nachrichten wird einfach ein Passwort-geschütztes Zip-Archiv angehängt. Die Mail landet dadurch automatisch im regulären Posteingang.
Praktisch für den Spam-Versender: Das Zip-Archiv kann nebenbei noch ein Wurmprogramm enthalten, das Spammer einsetzen, um Mail über die gekaperten Rechner versenden zu können. Das Passwort zur Zip-Datei wird dazu ganz harmlos im Spam-Text untergebracht.
Das ist in etwa so, als ob die tägliche Werbepost im Briefkasten nach dem Öffnen gleich ein kleines Post-Zentrum in ihrem Wohnzimmer aufmachen und mit dem weiteren Werbeversand anfangen würde.
Laut Greg Miller von Email Systems ist diese Methode nicht ganz neu, erfahre aber gerade mit dem "Storm"-Bot, der schon im Januar viel Unheil anrichtete, neuen Auftrieb. Die einzige bisher wirklich funktionierende Gegenmaßname macht dabei aber auch keinen Spaß. Nur wer sein System komplett gegen verschlüsselte E-Mails abschirmt, kann sich vor der Belästigung retten. Wer diesen Kompromiss nicht eingehen will, muss weiterhin gesunden Menschenverstand walten lassen: E-Mails mit Anhängen von unbekannten Absendern können sowieso fast immer ohne Umschweife gelöscht werden.
Endgültiges zur kanadischen Spionage-Münze
Anfang des Jahres sorgte in Amerika eine angebliche Spionage-Münze aus Kanada für Aufsehen. In einer Pressemeldung warnte eine Abteilung des US-Verteidigungsministeriums amerikanische Geschäftspartner vor kanadischen Münzen, die mit einem Funkchip verwanzt sein sollen. Alles Blödsinn, das mussten damals schon US-Offizielle zugeben . Die fraglichen Münzen trugen in ihrer Mitte eine rote Blume, die mit einer speziellen Schicht vor Abrieb geschützt wurde.
Die Nachrichtenagentur AP hat die kleine Posse um die rote Rose noch einmal samt geheimen Informationen aufgerollt . Viel Neues kommt dabei freilich nicht zu Tage. Freude macht allein die Vorstellung, für welches Unverständnis die amerikanische Aufregung in Kanada sorgte. Erstens wäre die Idee einer Spionage-Münze allein deswegen schon schwachsinnig, weil es sozusagen in der Natur einer Münze liegt, den Besitzer zu wechseln. Zum anderen, weil die Spezial-Münzen auch alles andere als selten in Kanada waren. 2004 wurde zum Gedenken der 117.000 kanadischen Kriegsopfer immerhin 30 Millionen der flachen Unruhestifter hergestellt
Dells Problem mit Linux
Als Dell ankündigte, zukünftig Computer auch mit dem freien Betriebssystem Linux, statt mit Microsoft Windows auszurüsten, war der zweitgrößte Computerhersteller der Welt für kurze Zeit auch Held aller Linux-Fans. Doch damit könnte nun Schluss sein. Letzten Montag kündigte Dell einen weiteren Linux-Deal an: Auf Dell Rechnern soll nämlich ein Novell-Linux installiert werden, das auch von Microsoft unterstützt wird.
Letztes Jahr hatten Microsoft und Novell beschlossen, ihre Programme kompatibler zu machen. Redmond entschloss sich laut Forbes.com sogar dafür, Novell beim Verkauf von Linux zu unterstützen. Ins Auge gefasst wurden User, die sowohl Windows als auch Linux betreiben wollen. Ein wichtiger Punkt der Abmachung: Novell und Microsoft werden sich nicht mit Klagen um geistiges Eigentum in die Quere kommen.
Das freilich brachte Linux-Fans auf die Palme. Novell mache mit dem Feind gemeinsame Sache und könnte dabei indirekt die Microsoft-Auffassung stützen, dass Linux einige Microsoft-Patente verletze. Die Vorwürfe gegen Dell, Novell und Microsoft fasst das "Boycott Novell!"-Blog zusammen .
Gebraucht-CDs: Strikte Gesetze in Amerika
Fingerabdrücke, kein Wiederverkauf binnen 30 Tagen, keine Barzahlung, vollständige Aufnahme von Kontaktinformationen. Wer im US-Staat Florida eine gebrauchte CD verkaufen will, wird sich ab sofort wie ein Verbrecher fühlen. Um einem angeblichen Problem mit geklauten und gefälschten CDs entgegenzutreten, haben einige amerikanische Staaten neue Gesetze verabschiedet, die den Verkauf von Gebraucht-CDs strikt reglementieren. Wer in Florida eine CD für ein paar Dollar loswerden will, muss mehr von sich preisgeben als beim Beantragen eines Führerscheins.
Ars Technica ist empört : Ein ernsthaftes Problem von Plattenläden mit gefälschter Ware sei nicht erwiesen. Die amerikanische Kartell und Verbraucherschutzbehörde FTC habe bereits Plattenfirmen dafür gerügt, Druck auf Gebrauchthändler auszuüben, seit in den Neunziger Jahren ein Kampf um den Gebrauchtmarkt entflammte.
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Tauschbörse für Handyverträge , Journalisten verklagen HP , Warner Musik programmiert auch im Netz und Google lässt Köpfe rollen .