Netzwelt-Ticker Deutsche gewinnen Internet-Oscar
BBC, Twitter, "New York Times" - und eine Berliner Firma namens Aka-Aki: Bei den Internet-Oscars, den Webby Awards , in New York haben neben bekannten und gesetzten Namen auch ein paar kleine, deutsche Anbietern einige der 67 Auszeichnungen gewonnen.
Insgesamt waren 10.000 Angebote für die Webbys nominiert. Das Berliner Startup Aka-Aki konnte sich in der Kategorie "bestes mobiles Netzwerk" gegen so mächtige Gegner wie Yahoo oder AT&T durchsetzen. Die Juroren der International Academy of Digital Arts and Sciences fanden Aka-Akis Entwicklung zur Vernetzung von Websurfern über das Handy preiswürdig. Der Sportartikelhersteller Adidas erhielt den Preis in der Sparte "Beste Homepage".
Als "Durchbruch des Jahres" erhielt der Microbloggingdienst Twitter ebenso einen Internet-Oscar wie Joshua Budich für seine persönliche Star-Wars-Sammlung in der Kategorie "Beste persönliche Homepage". Die Webbys werden seit 1996 vergeben, die Auswahl der Prämierungen nimmt eine Jury von mehr 500 IT-Experten, Medien- und Designprofis vor.
EU-Parlament blockiert Netzsperre
Während der Bundestag über Stoppschilder und Zugangsbarrieren vor Seiten mit kinderpornografischen Inhalten berät, ist im EU-Parlament eine andere Sperre für die Netznutzung gescheitert. Vorerst wird es nicht - wie von Frankreich gefordert - dazu kommen, dass Internet-Nutzern nach dreimaligem illegalen Download von urheberrechtlich geschütztem Material der Zugang zum World Wide Web auch ohne Gerichtsbeschluss gesperrt werden kann.
Auf Betreiben der Grünen und der Liberalen im EU-Parlament wurde in den Entwurf für einen neuen Rechtsrahmen für den Telekommarkt eine frühere Bestimmung wieder aufgenommen, dass eine Internetsperre nur mit richterlicher Anordnung möglich ist. Laut dem später zwischen EU-Parlament und Ministerrat ausgehandelten und Kompromiss sollte es den Mitgliedsländern überlassen bleiben, wie sie mit Internetsperren umgehen. Eine EU-weite Regelung verzögert sich nun. Zunächst muss sich der Vermittlungsausschuss mit dem Thema befassen. Im Herbst kann das neugewählte Parlament dann erneut darüber beraten.
"Es ist für uns nicht denkbar, dass Internetprovider ohne richterlichen Beschluss den Netzzugang von Bürgern sperren können. Urheberrechtliche Verstöße müssen von Gerichten geahndet werden und dürfen nicht im Wege digitaler Selbstjustiz verfolgt werden", sagte der FDP-Parlamentarier Alexander Alvaro in Straßburg. Kritik kam aus den Reihen der Europäischen Volkspartei, der auch die deutschen CDU- und CSU-Abgeordneten angehören.
Angelika Niebler, CSU-Politikerin und Vorsitzende des zuständigen Industrieausschusses, nannte die Forderung der Liberalen überzogen. Die Ablehnung des Kompromisses sei ein Rückschlag für den Aufbau der Breitbandnetze in Europa. "Der neue Rechtsrahmen verzögert sich, und das geht auf die Kappe der Grünen und Liberalen." In dem Paket enthalten sind auch Regeln für den fairen Wettbewerb, die den Zugang zu den Breitbandnetzen etwa der Deutschen Telekom regeln.
tko/dpa
Kritik an Facebook: laxer Umgang mit Holocaustleugnern
Immer wieder flammt in der Debatte über Social Networks die Kritik an Gruppen auf, die sich mit sehr zweifelhaften bis kriminellen Inhalten beschäftigen. Auch die Plattform Facebook erlebt das regelmäßig. Zwar versucht Facebook wie andere Netzwerke, das ungesetzliche Treiben seiner Mitglieder durch entsprechende Nutzungsbedingungen zu unterbinden. Notfalls werden mit Löschungen Frieden und Sauberkeit wiederhergestellt.
Facebook: Das Weltnetz
Allerdings scheinen die Verantwortlichen nicht überall mit der gleichen Sorgfalt vorzugehen. Das legt zumindest der Anwalt Brian Cuban, Bruder des milliardenschweren einstigen Broadcast.com-Gründers Mark, nahe. Er zählt mindestens fünf Nutzergruppen bei Facebook auf, die schon im Namen deutlich machen, worum es ihnen geht: "Holocaust: eine Serie von Lügen" oder schlicht "Holohoax".
Nun ist die Leugnung der Naziverbrechen in den USA kein Straftatbestand, jedoch beinhalten die Nutzungsbedingungen von Facebook das Verbot von Inhalten, die gegen Gesetze verstoßen, selbst wenn diese nur in bestimmten Ländern Geltung haben. Und in Deutschland ist Holocaustleugnung eine Straftat . In einer E-Mail fragte Cuban bei Facebook an, wieso auch Nutzergruppen, die offensichtlich gegen die Regeln verstießen, zugelassen seien. Nachdem er keinerlei Antwort erhielt, veröffentlichte er zum Thema einen Beitrag in seinem Blog.
Darin weist Cuban auf die äußerst rigide Praxis in anderen Fällen hin: "Lade ein urheberrechtlich geschütztes Video hoch. Lösch es oder du bist weg. Veröffentliche jemandes Facebook-Profildaten in deinem Blog: Du bist weg. Leugne den Holocaust: Mach dir nichts draus." Sein bitteres Fazit: "An Facebook: Danke fürs Nichtstun."
EU veröffentlicht Handbuch für Online-Verbraucherrechte
Wenn sie an Einkaufen im Internet denken, fühlen sich die meisten Nutzer immer noch unsicher. Nur zwölf Prozent der europäischen Internetsurfer haben keinerlei Bedenken, finanzielle Transaktionen über das Netz abzuwickeln. Das ergab eine von der EU-Kommission in Auftrag gegebene Umfrage.
Kaufzurückhaltung wegen Sicherheitsbedenken - das Umfrageergebnis zeigt aber auch, dass im Onlinehandel noch ein großes Potential steckt. Damit aber Einkaufen im Netz populärer wird, ist aber neben der faktischen Sicherheit auch das Vertrauen der Bevölkerung nötig.
Um diesem aufzuhelfen, hat die Kommission jetzt ein Online-Handbuch mit Hinweisen und Tipps zu Verbraucherrechten im Internet veröffentlicht. Darin sind Auskünfte zu den Rechten gegenüber Internet-Providern ebenso enthalten wie zum Einkaufen im Web oder dem Schutz persönlicher Daten. "Die Konsumenten über ihre Rechte aufzuklären, soll Vertrauen schaffen und dazu beitragen, das volle Potenzial des europäischen Online-Markts in Höhe von 106 Milliarden Euro zu heben", wird EU-Kommissarin Viviane Reding von "Futurezone" zitiert.
Rivva am Ende
Vor zwei Jahren ging der Entwickler Frank Westphal mit seinem Memetracker Rivva an die Öffentlichkeit. Die Plattform arbeitete als eine Art News-Aggregator für die Blogosphäre, wobei nicht einfach wahllos die neuesten Artikel der wichtigsten Blogs angerissen wurden, sondern die Relevanz der Beiträge berücksichtigt werden sollte.
Die prinzipiell gute Idee krankte jedoch schon bald an der Überschwemmung durch wenig themenbezogene Kommentare und die Verzerrung der Relevanzkriterien durch Linklistenbetreiber. Wenn nämlich viele Verlinkungen ein Zeichen für Bedeutung sind, müssen nur genügend Links in Blog-Dummies her, schon können auch die abstrusesten Themen in der scheinbaren Bedeutung steigen. Dieser alte Trick, den jeder Suchmaschinenoptimierer kennt, verwässerte zunehmend die von Rivva angebotenen Inhalte, so dass das Projekt in letzter Zeit nur noch vor sich hindümpelte.
Daran wird sich auch nichts mehr ändern. Denn Westphal knipst bei seinem Projekt zwar nicht das Licht aus, aber er wird es auch nicht mehr weiterentwickeln . Das ist eigentlich schade, denn noch vor einem Monat konnte das Konzept immer noch so sehr überzeugen, dass es für einen Lead Award als "Weblog des Jahres" gereicht hat.
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