Netzwelt-Ticker Die Beatles bleiben offline
Onlinewerbung: Kein Hund im Netz
Werbung im Internet funktioniert so: Websites beobachten den User, machen sich ein Bild von ihm und zeigen ihm dann genau die Werbebotschaften, die er sehen will.
Werbefirmen sprechen da wirklich von "Wollen". Verbraucherschützer heben lieber die Manipulationsmöglichkeiten und Datenschutz-Katastrophen hervor. Für sie wissen Webfirmen schon jetzt viel zu viel über ihre Besucher. Wie viel, das konnten sie bislang aber nur schätzen, es gab Vermutungen, welche Sites mehr schnüffeln als andere.
Eine comScore-Studie, von der "New York Times" in Auftrag gegeben , ändert das. ComScore analysierte im Dezember fünfzehn große Medienfirmen und wie oft deren Webdienste Daten ihrer Besucher nach Hause senden ( mehr zur Methodologie im NYT-Blog ). Das erschreckende Ergebnis: Allein fünf Netz-Player Yahoo, Google, Microsoft, AOL und MySpace brachten es auf 226 Milliarden Datenübermittlungen pro Monat; ihr Anzeigennetzwerk nicht mit eingerechnet.
Yahoo sammelte dabei die meisten Daten: etwa 110 Milliarden, 811 pro User pro Monat. Dazu kommen noch einmal etwa 1.700 Möglichkeiten, Userdaten bei Partnerseiten wie eBay einzusacken. Der zweite Platz, weit abgeschlagen: MySpace. Inklusive Netzwerk sammelt das Murdoch-Unternehmen 1.229 Mal Daten pro User im Monat. AOL bringt es auf immerhin 610 Möglichkeiten, seine Nutzer zu belauschen.
Die Überraschung: Google ist der nur viertgrößte Lauscher und scheint sich im Gegensatz zu den anderen auf aktuelle Daten und Aktionen zu konzentrieren, anstatt aus altem Verhalten neues vorherzusagen.
Die Studie zusammengefasst: Das alte Gesetz, nachdem niemand im Netz weiß, dass man ein Hund ist, trifft nicht mehr zu.
Lufthansa: Breitband statt Handy
Die Deutsche Lufthansa wird auch wenn eine neue Verordnung es unter bestimmten Umständen erlaubt weiterhin keine Mobilfunkgespräche an Bord zulassen. Bordumfragen hätten ergeben, dass sich die Mehrzahl der Passagiere durch Handygespräche an Bord gestört fühle, erklärte Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty gegenüber "Heise Online" .
Man konzentriere sich derzeit vielmehr auf die Wiedereinführung eines schnellen Internetzugangs an Bord: Fluggästen soll "ein DSL-Gefühl wie beim früheren FlyNet-Dienst" vermittelt werden. Der 5-Mbit/s-Internetanschluss wurde vom Anbieter Boing Ende 2006 aus Kostengründen eingestellt.
Fab Four und iTunes: Beatles oder Nietles?
Alle Jahreszeiten wieder kündigen Zeitungen, Onlinemagazine und Nachrichtenagenturen den Deal des Jahrhunderts an: Die Rest-Beatles, einst erfolgreichste Band des sprachbegabten Universums, verbünden sich mit Apples Musikladen iTunes, damit das Internetzeitalter auch wirklich anbrechen und die Menschheit in einem Fest der Liebe und Freiheit endlich, endlich wieder dem Werk der Liverpooler Groß-Kleinkomponisten frönen kann.
Diesmal waren es Zeitungsberichte aus London : Apple Corps (Beatlesfirma) und Apple Inc (Computerfirma) machen gemeinsame Sache und speisen den Beatles-Backkatalog in den iTunes-Musikshop. "Mindestens 400 Millionen Dollar" sei der Deal wert aber: "jeder will den Kram" (McCartney).
Unglaubwürdig, sagten Kritiker. Bei mindestens 400 Millionen Dollar müsste iTunes bei einem Gewinn von 33 Dollarcent pro Stück mindestens 1,2 Milliarden Beatles-Songs verkaufen. So viele alte Surfer kann es gar nicht geben. Zumal es so anrührende Neu-Adaptionen der alten Liedchen gibt. Beispiele wie diese "Let it be"-Adaption aus dem Beatles-Musical "Across the Universe" zeigen immerhin, dass die alten Lieder noch eine Menge Leben haben:
Aber vielleicht braucht es gar keine Zahlenspiele, sondern Michael Jackson. Dessen Firma Sony/ATV sagt: Alles gar nicht wahr, es gibt keinen Deal. Sie müssen es wissen, besitzt Sony/ATV doch so viele Rechte an Beatlesmaterial, dass wohl kaum hinter ihrem Rücken ein so wichtiger Vertrag zustande käme. Aber, schränkt News.com ein : Das heißt ja nicht, dass es 2008 nicht noch zu so einem Vertrag kommt. An der Zeit wäre es ja eh längst, dass die wichtigste Band der Welt auch im Internet ankommt. Bis zur nächsten Ankündigung des prestigeträchtigen Deals heißt es also wie immer: Fortsetzung folgt.
Hulu ist da aber nicht hihier
Dass auch Fernsehinhalte so langsam (legal) den Schritt ins Netz schaffen, zeigt das Video-on-Demand-Angebot von NBC Universal und News Corp: Hulu.com. Es ist die reichlich verspätete Antwort auf all die Veohs, Dailymotions und bereits deaktiviert Stage6. Statt es den Serienfans einfach zu überlassen, unrechtmäßig ihre Lieblingsfolgen bei Videohostern hochzuladen, machen das die Fernsehanbieter jetzt lieber selbst und legal.
Kostenloses Video-on-Demand, kostenloses IPTV: Hulu, vor ein paar Monaten noch unter höhnischem Gelächter ("Hulu statt Gaga") als geschlossener Videozirkel online gegangen, hat sich gemausert. Es sieht ganz gut aus, bietet eine Vielzahl an Serien, Filmen und Sportereignissen und ist leider nur in Amerika erreichbar.
Wer aus Deutschland versucht, auf das Angebot zuzugreifen, scheitert am Rechtechaos: "Unglücklicherweise kann dieses Video in ihrer Region oder ihrem Land nicht wiedergegeben werden". Schade, denn ein ähnliches Angebot wird es so schnell in Deutschland nicht geben. Die Mediathek von ARD und ZDF mag ja ganz gut mit sendereigenen Produktionen bestückt sein aber leider produzieren unsere Öffentlich-Rechtlichen ja keine wirklichen Serienhits wie "Heroes" und "My Name is Earl" oder Filme wie "The Usual Suspects", "Requiem for a Dream" oder "Ice Age", die es sich auch lohnen würde, anzuschauen ...
Übrigens lohnt sich das Onlinegeschäft: Die Walt Disney Company erwartet dieses Jahr Einnahmen in Höhe von einer Milliarde US-Dollar allein aus Online-Anzeigen, Film und Musikdownloads und E-Kommerz .
Reporter ohne Grenzen rufen zum Tag der Meinungsfreiheit auf
Laut Golem.de hat die Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen" (ROG) den 12. März zum "Internationalen Tag für freie Meinungsäußerung im Internet" erklärt. Er findet heuer zum ersten Mal statt.
Den Gedenktag hat ROG unter der Schirmherrschaft der UNESCO eingerichtet. Mit ihm soll gegen die Einschränkung der Meinungsfreiheit im Internet und des Zugangs zum Internet demonstriert werden. Morgen werden die Reporter ohne Grenzen dann auch eine aktualisierte Liste der "Feinde des Internets" und eine neue Ausgabe des "Handbuchs für Blogger und Cyberdissidenten" veröffentlichen.
Ab 11 Uhr mitteleuropäischer Zeit wird auf der internationalen Website der Organisation eine Onlinedemonstration stattfinden: Die Demonstranten können dann Avatare erstellen und sich mit ihnen gegen Zensur in China, Kuba, Ägypten, Burma, Eritrea, Nordkorea, Tunesien, Turkmenistan und Vietnam aussprechen. In diesen neun Ländern wird nach Angaben von ROG das Internet am stärksten eingeschränkt.
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