Netzwelt-Ticker DigiTask mahnt Wavecon ab
DigiTask-Firmenschild: Schlammschlacht mit Konkurrenzunternehmen
Foto: dapdDas darf getrost als Retourkutsche bezeichnet werden: Das Unternehmen DigiTask, bekannt geworden durch die Entwicklung des sogenannten Staatstrojaners, mahnt den IT-Dienstleister Wavecon ab. Erst in der vergangenen Woche hatte Wavecon DigiTask ein entsprechendes Schreiben geschickt. Durch die Programmierung des Staatstrojaners habe DigiTask gegen geltendes Recht verstoßen und sich damit unrechtmäßig einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen IT-Firmen verschafft, wurde in dem Schreiben argumentiert . Das ärgerte die DigiTask-Verantwortlichen offensichtlich so sehr, dass sie mit gleicher Münze heimzahlten. Die Wavecon-Kritik sei reine "Trittbrettfahrerei und Wichtigtuerei", so am Freitag der DigiTask-Anwalt Winfried Seibert gegenüber dem Portal Mittelhessen.de .
Wavecon hatte den Text der Abmahnung auch auf seiner Unternehmens-Web-Seite veröffentlicht und gefordert, DigiTask möge bis zum heutigen Montag, 15.00 Uhr, eine Unterlassungserklärung abgeben. Das sei diskriminierend, so Seibert, diese Art Pranger sei wettbewerbswirdrig. Womit die Begründung für die Gegenabmahnung gefunden war.
Überdies bestreitet DigiTask auch den Vorwurf der Rechtswidrigkeit. Digitale Ausspähungen seien immer nur auf richterliche Anordnung hin erfolgt. Zumindest glaubt DigiTask das, gesehen hat man diese Verfügungen im nordhessischen Haiger nicht. Immerhin: "Wir haben keine Behörde mit Telekommunikationsüberwachungs (TKÜ)-Software beliefert, wenn die Behörde nicht zuvor mitgeteilt hat, das dürfe sie aufgrund einer vorliegenden Gerichtsentscheidung."
Apple mahnt Café ab
Wo wir gerade beim deutschen Abmahnwesen sind: Auch internationale Unternehmen haben seinen Reiz erkannt. Obwohl der Apple-Konzern mit seinen Dutzenden Patentschlachten in aller Welt eigentlich juristisch ausgelastet sein müsste, hat die Rechtsabteilung noch die Muße, sich um ein Bonner Café namens "Apfelkind" zu kümmern.
Dessen Betreiberin könnte demnächst in den Genuss einer Apple-Abmahnung kommen, denn den sie vertreibt unter ihrem Apfel-Logo Tassen, Schirme und Taschen und benutzt es auch zur Kennzeichnung ihres Cafés. Sogar als Marke hat Christina Römer ihr Apfelkind angemeldet. Das aber rief die Apple-Juristen auf den Plan, die wohl finden, ihr eigenes Logo sei wegen zu großer Ähnlichkeit berührt. Das Café dürfe sein Logo nicht verwenden.
Römer fühlt sich von dem Ansinnen "veräppelt". Dem Bonner "Generalanzeiger" erklärte sie ihren Standpunkt: "Wahrscheinlich hat das Unternehmen gedacht, ich ziehe automatisch zurück, wenn ich den Brief erhalten habe. Mein Anwalt hat jetzt Widerspruch gegen den Widerspruch eingelegt." Apple teilte lediglich mit, man reagiere, wenn Markenrechte berührt seien. Unbeantwortet bleibt die Frage, ob demnächst auch Obsthändler befürchten müssen, Post von Apple zu bekommen.
Hack-Attacken auf Microsofts YouTube-Kanal und NPD.de
Hacker haben dieses Wochenende nicht faul in der Hängematte gelegen. Neben attackierten Polizeibehörden in den USA waren auch andere betroffen. Software-Riese Microsoft bekam Ärger mit seinem YouTube-Kanal. Anstelle der dort gelagerten Videos waren am Sonntag nur zwei vier-Sekunden-Spots mit den kryptischen Mitteilungen "Wir sponsorn" und "Mach uns einen Hintergrund für eine Sub-Box!" zu sehen .
Auch hierzulande kamen Hacker zu Besuch. Dieses Wochenende war wieder einmal die NPD dran, deren Server schon im September geknackt worden waren. Das Ziel des aktuellen Angriffs bestand jedoch nicht darin, an Informationen welcher Art auch immer zu kommen, sondern nur, die Seite lahmzulegen. Mittels einer DDoS-Attacke, eines Massenangriffs gleichzeitig operierender Computer, wurde die Seite am Samstag in die Knie gezwungen . Auch die Frankfurter Web-Präsenz der Rechtsextremen wurde zum Angriffsziel. Möglicher Grund war allem Anschein nach der Versuch einiger NPD-Aktivisten , die Frankfurter Occupy-Demonstration zum Verteilen von Flugblättern zu nutzen.
Buchhandel will E-Books mit Gratis-Digitalisierung unterstützen - das dauert
E-Books haben es in Deutschland schwer. Was seinen Grund auch in der völlig unübersichtlichen Anbieterlage und oft unwilligen Verantwortlichen in den Verlagshäusern hat. Um in der Sache Dampf zu machen, hat die Marketingtochter des Börsenvereins des deutschen Buchhandels MVB angekündigt, nach einer ähnlichen Aktion vor drei Jahren für den Buchhandel 10.000 populäre Buchtitel kostenlos digitalisieren zu lassen.
Nun läuft die Aktion an. Rund 170 Verlage beteiligen sich an dem Projekt, das zum jetzigen Zeitpunkt an die 9000 Buchtitel umfasst . Allerdings geht das ganze nicht so schnell wie angenommen: Die Digitalisierung sei "komplexer als gedacht" berichtet das Fachmagazin Buchreport. Die Digitalisierungsfrist solle deshalb bis Ostern 2012 verlängert werden.
Auch das noch:
- BSI fordert Unternehmen auf, Befall mit Duqu-Wurm zu melden. Noch seien keine deutschen Unternehmen ins Visier des Stuxnet-Verwandten gelangt, doch deren Kooperation sei aus Sicherheitsgründen unabdingbar, findet BSI-Chef Michael Hange.
- XP ist nicht totzukriegen und wird zehn. Das kampferprobte Betriebssystem erfreut sich ungebrochener Beliebtheit. Die ist so stark, dass Nach-Nachfolger Windows 7 erst diesen Oktober XP vom Marktanteil-Thron stoßen konnte.
- Ipod machte Apple zum Unterhaltungselektroniker und wird zehn. Bei der Vorstellung noch schüchtern als "MP3-Player der nächsten Generation" bezeichnet, markiert das Gerätchen den Beginn von Apples Wandlung vom Computerhersteller zum digitalen Lifestyle-Unternehmen.
- Warum Computerstimmen meistens weiblich sind? Das menschliche Gehirn ist darauf trainiert, weiblichen Stimmen zu vertrauen, so Forscher. Nur in Deutschland gab's Ärger, als BMW ein Navi mit Frauenstimme einführte. Tausende Männer protestierten, sie würden sich nicht von einer Frau sagen lassen, wo es langgeht.
- Grafik: Wie Personalchefs soziale Netzwerke nutzen. Das Erklärbild macht eines klar: Wer sich vor soziale Netzwerke versteckt, ist für den Arbeitsmarkt zunehmend unsichtbar.