Netzwelt-Ticker: Drei Stunden sind genug - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Drei Stunden sind genug

China bastelt an einem einheitlichen Dokumentenstandard und will Online-Gamer zügeln, Yahoo rüttelt an Googles Quasi-Werbemonopol und Google kommt dem Google-Browser ein kleines Stück näher. Das und mehr im Nachrichtenüberblick.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

China: Drei Stunden Online-Spiele sind genug

In China macht sich die Obrigkeit seit längerem Sorgen über ihre spielsüchtigen jugendlichen Untertanen. Winfuture verweist nun auf eine Meldung der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua  über ein regierungsamtliches "Anti-Internetsucht-System", das ab Mitte Juli greifen soll. Sämtliche Anbieter von Onlinespielen müssen bis zum 15. Juni ein Verfahren entwickeln, das Minderjährige daran hindert, länger als drei Stunden pro Tag mit Spielen zu verbringen.

Wer länger dranbleibt, verliert nach und nach seine sämtlichen mühevoll erworbenen Credits. Außerdem müssen sich die Gamer mit ihrem echten Namen und ihrer 18stelligen Ausweisnummer . Auf diese Weise wird gleichzeitig ein Alterscheck vorgenommen. Da allerdings eine Menge gefälschter ID-Nummern im Umlauf sind, soll im Zweifel die Polizei die Richtigkeit der Angaben überprüfen. Und wer beim Schummeln erwischt wird, kommt auch auf die Dreistundendiät gesetzt - selbst wenn er volljährig ist.

Elster flügellahm

Seit einigen Jahren bieten deutsche Finanzämter die Möglichkeit, die Steuererklärung zu Hause am Computer zu erledigen. Selbstständige müssen ihre Steuererklärung mittlerweile sogar zwingend elektronisch abwickeln. Doch ein Softwarefehler verhinderte, dass Hunderttausende ihre Umsatzsteuervoranmeldung fürs erste Quartal 2007 pünktlich abgeben konnten, meldet heute die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) . Wer nämlich Windows XP Professional nutzt und seine Daten online ans Finanzamt überspielen wollte, stellte fest, dass das "ElsterFormular" seinen Dienst verweigerte. Grund: Ein Windows-Sicherheitsupdate vom 3. April. Erst gestern stellte Microsoft einen neuen Flicken für den alten Flicken bereit, der das Problem wieder behob. Karsten Pilz, der Sprecher der Oberfinanzdirektion Hannover, sicherte laut HAZ den Betroffenen ausnahmsweise einen großzügigen Umgang bei Säumniszuschlägen zu.

Zwei gegen Google: Viacom verbündet sich mit Yahoo

Inzwischen ist Google fast schon ein Synonym für die Vermarktung von Onlinewerbung. Jetzt setzt der US-Medienkonzern Viacom dagegen und geht eine Werbepartnerschaft mit Yahoo ein , die manche als Test für Yahoos Konkurrenzfähigkeit ansehen. Viacoms Werbenetzwerk Panama, zu dem über 30 Unterhaltungsangebote wie MTV, Comedy Central und Nickelodeon gehören, soll nun ins System mit gesponsorten Suchanfragen und kontextbezogenen Anzeigen einbezogen werden. Sollte die Kooperation positive Ergebnisse zeitigen, könnte sie weltweit auf über 140 Viacom-Websites ausgedehnt werden.

Yahoo: 4,5 Millionen E-Mails verschwunden

Das ist schlechtes Timing: Während Yahoo seine Onlinewerbe-Offensive ankündigt, wird bekannt, dass bei der japanischen Tochter des Unternehmens Kunden-E-Mails verschwinden: Aufgrund einer Störung wurden am vergangenen Wochenende 4,5 Millionen E-Mails gelöscht . Diese waren zuvor zwischen Dezember und Februar von der Yahoo-Software fälschlich als Spam klassifiziert und in entsprechenden Ordnern abgelegt worden. Nachdem die Vorhaltezeit abgelaufen war, waren diese Nachrichten nicht mehr abrufbar. Bei den Nachrichten handelte es sich jedoch nicht um Spam, sondern um Massen-E-Mails, deren Empfang die Adressaten zugestimmt hatten. Immerhin gibt es einen Trost: Weitere fünf Millionen verschwundene Mails sind mittlerweile wieder aufgetaucht.

Universelles Dokumentenformat aus China

Inkompatible Dokumentenformate sind in der Computerei noch immer ein Ärgernis. Zwar leisten Konverter und Emulatoren hier schon weitgehend Abhilfe, aber die bisherigen Standardformate, wie die von Microsoft Office, stellen für Dritte kostenträchtige Monopole dar. In China gibt es nun einen weiteren Versuch, dem Problem der Interoperabilität von Office-Anwendungen beizukommen. Eine Kommission soll einheitliche Richtlinien entwickeln, die die Grundlage für einen internationalen Standard bilden könnten, nach dem jedes Dokument bestimmte unstrukturierte Grundfunktionen enthielte . So könnte es mit jedem beliebigen Programm geöffnet und bearbeitet werden. "Die Docbase-Technologie spielt eine wichtige Rolle in der Softwareindustrie. Technische Standards werden Chinas Industrie helfen, Entwicklungen voranzutreiben und Innovationen zu schaffen", wird ein Ministerialbeamter zitiert.

Google beteiligt sich an Maxthon

Immer wieder im Gespräch, und bisher nie ans Licht der Welt gekommen: Der Google-Browser. Nun berichtet das GoogleWatchblog , die Suchmaschinenbetreiber wären dabei, sich mit einer Million US-Dollar an Maxthon zu beteiligen, einem chinesischen Browser, der laut Angaben der Programmierer bisher mehr als 80 Millionen Mal heruntergeladen wurde. Über die Hälfte der Nutzer sollen in China sitzen. Besonders interessant für Google: Chinas Marktführer unter den Suchmaschinen Baidu bekommt ein Viertel aller Suchanfragen über den Maxthon-Browser. Mit der Beteiligung könnte Google versuchen, sich auch hier als Standardsuchmaschine zu platzieren.

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