Netzwelt-Ticker: Ein Beamer im Handyformat - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Ein Beamer im Handyformat

Sony verkauft Download-Musik ohne Kopierschutz - aber nur im Laden, 3M stellt einen Projektor in Handygröße vor, Filesharing-Künstler fälschen Tauschbörsen-Musik, Napster kommt auch ohne DRM aus - das und mehr im Überblick.
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3M stellt ersten Handy-Projektor vor

Das ist der Albtraum eines jeden Schulbus-Reisenden und S-Bahn-Fahrers: Ein Videoprojektor, so klein, dass er in ein Handy passt. Aber 3M und Texas Instruments machen diesen Albtraum wahr und präsentieren auf der Consumer Electronics Show (CES) ihre Mini-Beamer. 3Ms Gerät ist gerade einmal einen Zentimeter dick, 4 Zentimeter lang und 3 Zentimeter breit . Als Lichtquelle hält eine Leuchtdiode her, das Bild erreicht eine VGA-Auflösung von 640 mal 480 Pixel und wird durch eine einen Zentimeter durchmessende Linse projiziert. 3M präsentiert sich als Vorreiter und will noch Anfang 2008 die ersten mobilen Geräte mit dem Mini-Projektor ausrüsten.

Aber 3M ist nicht allein auf dem Markt: Auch Texas Instruments will bei den Taschen-Bildwerfern mitmischen, setzt aber, wie auf der CTIA-Messe präsentiert, dabei lieber auf drei Laser-Dioden und - gibt Digial-Living.info zu  - "allerlei cleveres Zeug, das wir nicht so ganz verstanden haben."

Auch die Tüftler am Fraunhofer Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik  versuchen sich an Lasern. Ein wichtiger Vorteil: Laserprojektoren müssen nicht mehr scharf gestellt werden und funktionieren so auch auf beweglichen Projektionsflächen - oder aus der zittrigen Hand heraus...

P2P-Künstler: Tolldreiste Performance oder eiskalter Fake?

Sie nennen sich das "Overdub Tampering Committee" und ihr Manifest ist der neue Aufreger in der Filesharing-Szene . Die vier Musiker wollen Musikstücke aus Tauschbörsen heruntergeladen, sie subtil nachbearbeitet, nachgespielt und remixt haben, nur um sie dann wieder - freilich ohne Hinweis auf die Veränderung - in der Piratebay, bei Soulseek oder in P2P-Clubs wie OiNK zum Download anzubieten. Nicht um Raubkopierer vorzuführen, nicht um gegen die Plattenindustrie zu protestieren, sondern um das Vertrauen von Downloadern in Frage zu stellen, dass das, was sie da herunterladen, auch das ist, was eine Band veröffentlichte.

Stimmen die Behauptungen, dann ist dem OTC ein kleiner Coup gelungen, der in der Kopierszene das Thema "Kopieren” überspitzt: Was ist überhaupt noch echt, original, authentisch? Das ist auch eine Frage, die man auch dem OTC stellen muss. Filesharer bezweifeln die Angaben im Blog-Eintrag : Auch wenn die angebliche Gruppe modifizierte Songs in Tauschbörsen bereitstellte, eine weite Verbreitung bedeute das noch lange nicht. Schon gar nicht im Vergleich zu den Remixen, die die Recording Industry Assosiaction of America (RIAA) höchstselbst in Tauschnetze lädt. Seit Jahren versucht die Plattenindustrie mit verstümmelten, verrauschten oder musikalisch zerfetzten Musikdateien die Downloader bis zur Aufgabe zu nerven. Diese Song-Remixe sammelt das "Die RIAA ist meine Lieblingsband”-Blog  - Riaamix.com stellt daraus gleich ganze Mixes zusammen .

Intel: Handy? Pah... Ultra-Mobile!

Das iPhone macht es vor: Bloßes Telefonieren wäre eine viel zu langweilige Angelegenheit für einen mobilen Hosentaschencomputer. Unterwegs geht es viel mehr um Navigation, Chat, Fotos und Musik. Und dazu braucht man eine anständige Tastatur, ein 10-Zentimeter-Display, einen drahtlosen Internetanschluss und einen Intel-Chip. Wünscht sich zumindest Intel. In einem Gespräch mit Intelboss Paul Otellini erfuhr der "Sydney Morning Herald"  von den Ultra-Mobile-Plänen des Chipherstellers.

Kleine, rechenstarke aber energiesparende Chips sollen einen neuen Typus Geräte mit Rechenkraft versorgen: Der Taschenrechner 2.0 soll größer als ein Handy aber deutlich kleiner als ein Laptop sein. Dafür hat er dann auch einiges auf dem Kasten: Die Leute müssten aber erstmal herausfinden, moniert Otellini, dass die neuen Geräte einen wirklichen Vorteil für sie bedeuten. Als Argument für die "mobile internet devices” stellt sich das Intel-Oberhaupt deshalb auch - wahrscheinlich nicht in den nächsten Jahren verwirklichbare - tolle Funktionen vor: Echtzeitnavigation, Instant-Übersetzungen von Straßenschildern via Kamera und Konversationen via Mikrofon und Lautsprecher.

Eine besondere Rolle spielten aber besonders Netzanbieter für den Erfolg der neuen Geräte. Sie müssten echte Connectivity, Vernetztheit gewährleisten: Über Daten- und Mobilfunknetze sollen die ultramobilen User ständig online sein können.

Napster und Sony BMG: Kopierschutz ade

Die - sagen wir mal - gute Nachricht zuerst: Napster kehrt zum MP3-Format zurück . Der Downloadservice, der den ganzen Bohei um Filesharing in die Öffentlichkeit getragen hat, kündigte an, zukünftig seine Kunden nicht mehr mit einem Kopierschutz zu nerven, sondern sein komplettes Musikangebot von heute auf morgen im ungeschützten MP3-Format anzubieten. Vielleicht kann der Service dadurch ja letztlich doch noch ein paar Kunden gewinnen?

Überhaupt digitales Rechtemanagement: Sony BMG springt laut ORF Futurezone  als letzter jetzt auch endlich auf den Zug auf und bietet - zunächst nur in Nordamerika, zunächst nur für eine ganz kleine Auswahl - Musikstücke auch als frei kopierbare MP3-Dateien an. Der unglaublich clevere Clou: Statt dass man die Dateien ganz einfach im Netz kaufen und auch gleich herunterladen kann, muss König Kunde erstmal in den Supermarkt rennen, sich dort den Platinum MusicPass für 13 Dollar (oder 20 Dollar für Musik plus Bonusmaterial) kaufen, einen Downloadcode freirubbeln, zu Hause die Musicpass-Website öffnen, den Code eingeben und ... man ahnt: Das wird ein Flop! Aber wenigstens eine gute Gelegenheit an die "Schrotflinten-Wanderpokal"-Theorie von Ars Technica zu erinnern : In Redmond werde regelmäßig im Rahmen einer Zeremonie einer Abteilung ein Schrotgewehr verliehen, damit sie sich selbst in den Fuß schießen könne. Vielleicht hat sich Sony BMG ja was bei Microsoft abgeschaut?

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