Netzwelt-Ticker: Ein neuer Krieg der Browser - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Ein neuer Krieg der Browser

Mit seiner Ankündigung, die Entwicklung eines neuen Internetbrowsers zu unterstützen, facht Netscape-Legende Marc Andreesen den neuen Browserkrieg an. Außerdem im Überblick: Twitter steuert Botnetz, neue Opera-10-Betaversion, Holocaust-Leugner in Haft und was Kinder im Internet suchen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Benutzen kriminelle Botnetmeister den Microblogging-Dienst Twitter, um ihre Netzwerke gekaperter Rechner fernzusteuern? Das zumindest legt ein Twitter-Fund nahe, den Sicherheitsexperte Jose Nazario in seinem Blog analysiert: "Ich habe ein Botnet gefunden, das Twitter als Command-and-Control-Struktur  benutzt."

Via Twitter-Statusnachrichten verschickt der Botnetmeister neue Programmkommandos oder verschlüsselte, ausführbare Dateien an seine Kontakte - Botnetz-Rechner -, die diese herunterladen und ausführen. Das Twitter-Sicherheitsteam untersuche das mutmaßliche Botnet-Twitterkonto, habe es aber noch nicht gesperrt. Nazario vermutet, dass dies nicht das einzige Botnet ist, das über Twitter-Nachrichten gesteuert wird.

Dieser Fund bestätigt eine Vermutung eines anderen Internetexperten, Compsci-Blogger Tony. Der mutmaßte im Dezember 2008, dass viele Social-Web-Internetseiten ein tolles Werkzeug für Internetgauner sein könnten: Botnet-Kommunikation via Twitter, Reddit, Social Web .

"Twitter könnte sich als der ideale Dienst nicht nur für die Netzkommunikation zwischen Menschen, sondern auch zwischen Bots herausstellen."

Netscape-Gründer versucht es mit einem neuen Browser

Netscape-Gründer Marc Andreesen versucht's noch einmal mit einem neuen Browser, heißt es in Branchengerüchte, die die "New York Times" aufgeschnappt hat: Erst vor kurzem kündigte Andreesen mit markigen Worten seine Unterstützung für das Silicon-Valley-Startup RockMelt an. Fast alle aktuellen Internetbrowser  konnten nicht mit der Evolution im Netz mithalten, behauptete Andreesen. RockMelt trete an, das zu ändern.

Andreesen: "Es gibt so viele Sachen, die man heute anders machen würde, wenn man einen Browser noch mal ganz von vorn entwickeln würde." Was genau der RockMelt-Browser aber anders mache, verraten weder Andreesen noch die Firmenchefs.

Doch Nutzungsbedingungen, welche die RockMelt-Verantwortlichen  nach Journalisten-Recherchen wieder von ihrer Website löschten, legen nahe, dass der neue Browser mit dem sozialen Netzwerk Facebook kurzgeschlossen wird. Die "NYT" vermutet: RockMelt wird versuchen, ihren neuen Browser an die Millionen von Facebook-Nutzer zu vermarkten.

Denn ein langes Jahrzehnt nach dem ersten Browserkrieg zwischen Netscape und Microsofts Internet Explorer dräut der nächste Konflikt um den Nutzertransport durchs Internet: Google Chrome, Mozilla Firefox, Apple Safari und Opera - alle versuchen sie die Internetnutzer von sich zu überzeugen. Und wenn Google ein Beispiel ist, dann ein schlechtes: Trotz der großen Anstrengungen des Unternehmens hat der leichtgewichtige Browser seit seiner Einführung im Dezember 2008 nur einen minimalen Marktanteil erreichen können.

Das zeigen auch Browser-Statistiken von SPIEGEL ONLINE: Unter der Woche surfen nur rund 1,4 Prozent aller SPIEGEL-ONLINE-Besucher mit Chrome, 1,3 mit Opera, 9,6 Prozent mit Safari. Firefox (43,3%) und Internet Explorer (43,2%) teilen sich den größten Teil des Surferkuchens. Am Wochenende, wenn die Surfer nicht mehr auf ihre Bürogurken angewiesen sind, verschieben sich die Verhältnisse allerdings kräftig: Apples Safari belegt dann rund 14, Firefox 51 und Internet Explorer vergleichsweise kümmerliche 29 Prozent. Bei den Randbrowsern, zum Beispiel Opera und Chrome, tut sich jedoch so gut wie nichts: Sie haben keine Nutzer, sondern Fans - und die sind ihnen unabhängig vom Wochentag oder benutzten Rechner treu.

Unter dem Strich jedoch zeigt das alles, dass Internetnutzer heute wieder bereit sind, sich auf andere Browser als auf den ab Werk vorinstallierten einzulassen. Chrome und Opera gelingt es aber weniger gut als Safari und Firefox, diese Chance zu nutzen. Nicht verwunderlich ist es hingegen, dass in diesem inzwischen gründlich aufgemischten Markt auch andere ihre Chance wittern.

Neue Beta-Version von Opera 10

Apropos Rand-Browser: Eine Chance, ein wenig über den Browser-Rand zu schauen, bietet Operas neue Beta-Version ihres flinken Allrounders Opera 10 . Der vereint Browser und E-Mail-Programm in einer Verpackung, ist schnell, stabil und ziemlich kompatibel und versucht unter dem Stichwort "Unite" die Grenzen zwischen Browser und Internet zu sprengen: Der Browser wird zum Webserver.

Das Ziel: Musik, Fotos, eigentlich jede Art digitaler Informationen mit jedermann über das Internet austauschen - und das bitte einfach, schnell und kostenlos. Ob die neue Opera-Version  diese Versprechen hält, untersucht Webmonkey.com in einem kurzen Test.

Holocaust-Leugner in Australien verurteilt

Frederick Toben, ein Australier, der in Deutschland wegen Leugnung des Holocaust polizeilich gesucht wird, wurde vor einem australischen Gericht in einem Berufungsverfahren zu einer dreimonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Das Gericht warf ihm vor, wiederholt im Internet die systematische Vernichtung von Millionen von Menschen durch das nationalsozialistische Regime bestritten zu haben. Damit verstieß er gegen Auflagen des australischen Gerichts, das ihm bereits 2002 solche Äußerungen im Netz verboten hatte. Die Gefängnisstrafe beziehe sich also auf den Bruch der richterlichen Auflagen und nicht gegen die eigentliche Holocaust-Leugnung , heißt es im Urteil.

Was Kinder im Netz suchen

Schlimmer als die Erwachsenen, betitelt Winfuture.de einen Artikel zu einer Studie des Sicherheitsdienstleisters Symantec, was Kinder im Internet suchen . Dafür hatte das Unternehmen 3,5 Millionen Suchanfragen ausgewertet, die zwischen Februar und Juni in den USA über das Kinderschutz-System OnlineFamily.Norton getätigt wurden. Demnach suchen Kinder vor allem nach YouTube, Google und Facebook - und an vierter Stelle: Sex, an sechster Stelle: Porn. Ein Grund zur Sorge oder Ausdruck ganz normaler, kindlicher Neugier? Darüber streiten sich jetzt sicherlich nicht nur die Winfuture-Nutzer in den Kommentaren.

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