Netzwelt-Ticker Ein Schritt zum Google-Betriebssystem
Google lässt die Katze aus dem Sack, hat nun erstmals öffentlich vorgestellt, was das Mythen-umrankte Betriebssystem des Internet-Tausendsassa werden könnte: Native Client. Als herkömmliches Browser-Plugin soll Native Client Web-Anwendungen wie Googles Online-Tabellenkalkulation mit der Rechenkraft des Heim-PCs versorgen, anstatt die nötige Rechenarbeit vom Server leisten zu lassen.
Bislang sieht die Arbeitsteilung bei Web-Anwendungen oft so aus: Der Nutzer tätigt eine Aktion, die Web-Anwendung informiert einen Server, der die Rechenarbeit leistet und die Ergebnisse wieder an den Computer des Anwenders schickt. Die mit Rechenpower normalerweise sehr gut ausgerüsteten Computer der Nutzer sind dabei unterlastet, der Server nimmt ihnen die Arbeit ab.
Native Client soll das Verhältnis umkehren: Ein Server liefert Datenbankeinträge und Anwendungsdaten, das eigentliche Programm läuft aber auf dem Heim-PC. Der Vorteil: Solange ein Browser wie Microsoft Internet Explorer oder Mozilla Firefox den Native Client unterstützt, funktionieren diese Web-Anwendungen, egal ob auf einem Mac-, einem Linux- oder einem Windows-Rechner. ZDNet Asia fühlt sich davon an Adobe Flash, Shockwave, Microsoft Silverlight oder Java von Sun Microsystem erinnert. Alle sind sie im Grunde eine Plattform, auf der Programme lokal, statt auf einem Server ausgeführt werden. Eine frühe Version von Native Client steht im Google-Entwicklerblog zum Download.
Neue Heimat für Lycos-Waisen
Lycos Europe macht dicht - das war eine Nachricht, die vor allem die Kunden des Lycos-Webhosting-Service interessiert haben dürfte. Viele fanden die Mitteilung allerdings mächtig dürr: Darüber, was mit all den Datenmengen, die Kunden auf den Hosting-Rechnern von Lycos deponiert haben, geschehen sollte, verlor das Unternehmen vorerst nicht viel Worte. Nur so viel: Man werde sich bemühen, hier einen Anschluss-Service sicher zu stellen.
Für den kamen in Anbetracht der Größe des nötigen Daten- und Webseiten-Umzuges nur einige wenige Verdächtige in Frage. Denn Lycos hat nicht nur Kleinkunden, sondern auch richtig dicke Fische an der Angel: Unter den angeblich 700.000 Namen im Hosting-Katalog finden sich Großunternehmen, Behörden und Institutionen.
Vielleicht kommt es nun so, wie es kommen musste: Lycos empfiehlt all diesen Kunden nun den Umzug zum dicksten aller verdächtigen - Deutschlands Massen-Webhoster Strato (3,5 Millionen verwaltete Domains). Mit dem habe man einen "starken Exklusivpartner" gefunden, der "ein speziell zugeschnittenes Angebot mit ausgewählten Vorteilen machen wird". Beide Unternehmen arbeiteten bereits daran, eine möglichst reibungslose Übergabe vorzubereiten. Strato werde extra für die Lycos-Kunden "einen Wechselservice anbieten, der eine kostenfreie Hotline, einen ServiceChat sowie einen Rückruf-Service umfasst".
Wer jetzt wegen der Lycos-Schließung oder dem drohenden Strato-Umzug in Panik verfällt, darf sich entspannt zurücklehnen: Noch "bis ins erste Quartal 2009" bleibe der Lycos-Service aktiv. Und der Umzug sei nur ein Angebot, keine Zwangsmigration. Denn natürlich steht es den Lycos-Kunden frei, sich ihren nächsten Hoster selbst zu suchen.
pat
iTunes: Schafft Apple heute DRM ab?
Glaubt man Internetgerüchten, wird Apple heute den Kopierschutz "Fair Play" bei vielen Musik-Downloads von iTunes abschaffen. Laut der französischen Website ElectronLibre hätten die Plattenlabels Sony, Universal und Warner endlich ihr Ja zum Ende von DRM, dem digitalen Rechtemanagement, gegeben. Bislang bieten nur einige unabhängige Labels und, als einzige Major-Plattenfirma, die EMI ihre Musik ohne "Fair Play"-Kopierschutz über Apple iTunes an.
AppleInsider glaubt die Gerüchte nur unter Vorbehalt: So unwahrscheinlich das alles klinge, gäbe es Anzeichen, seltsame Vorkommnisse bei iTunes, welche die Geschichte vom Fairplay-Ende für Musik stützen. Das "Digital Media"-Blog von Cnet News ist da pessimistischer: Die Nachrichten vom Kopierschutzende könnten noch lange auf sich warten lassen. Ungenannten Quellen zufolge sei Apple zwar in Verhandlungen über das Ende von kopiergeschützter Musik - aber nein: Deals wurden noch keine abgeschlossen, und irgendwelche Ankündigungen wird es 2008 wohl auch nicht mehr geben.
Eines ist aber klar: Ob noch 2008 oder nicht, die Tage von Kopierschutz für Musik, gerade bei iTunes sind gezählt.
Polizeigewerkschaft fordert Kreditkarten mit Lichtbild
Die Gewerkschaft der Polizei hat Banken und Kreditkarten-Unternehmen vor dem Hintergrund immer neuer Datenskandale dazu aufgefordert, ihre Kunden besser vor Datenmissbrauch zu schützen, statt Schutzmaßnahmen "aus Kosten- und Gewinninteressen eher zu durchlöchern."
In der Leipziger Volkszeitung forderte GdP-Chef Konrad Freiberg unter anderem, dass Kreditkarten um ein Foto des Eigentümers erweitert werden und dass bei Lastschriftverfahren, die ohne Unterschrift und Geheimnummer auskommen, verlässliche Sperren für Kontoverbindungsdaten eingeführt werden. Immer mehr Missbrauch finde im Internet statt, weil die Wirtschaft es den Betrügern besonders besonders leicht mache. Die müsste ihre Kontrollpflichten ernst nehmen.
Freiberg nimmt neben den Banken und Kreditkarten-Unternehmen aber auch die Bürger in die Pflicht. Sie müssten "sehr viel zurückhaltender mit der Preisgabe der eigenen Daten umgehen." Außerdem müssten Strafverfolgungsbehörden "Datenkriminalität viel stärker als bisher ins Visier nehmen", wie das auch gestern die Innenexperten des Bundestages forderten.
Razzia wegen Video mit Kind-schwingendem Vater
Weil er ein angeblich lustiges Video von einem Mann, der ein Kind durch die Luft schwingt, auf die Videoplattform Liveleak.com lud, wurde das Haus eines 60-jähriger Mann aus Queensland, Australien von der Polizei durchsucht. Er wird beschuldigt, auf Bildmaterial von Kindesmissbrauch zugegriffen, es erst aus dem Internet herunter, dann wieder mit der Absicht der Weiterverbreitung hochgeladen zu haben.
Das umstrittene Video machte zuvor im Netz die Runde, wurde laut The Register bereits im amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt, zog viel Kritik auf sich: Der Mann im Video verhalte sich unverantwortlich, schade dem Kind, obwohl es am Ende in die Kamera lache.
Auf der Videowebsite Liveleak.com, bei der das Video hochgeladen wurde, formieren sich erboste Nutzer zum Protest gegen die angeblich übertriebenen Maßnahmen. Der Beschuldigte warnt andere Video-Surfer in seinem Liveleak-Profil : "Ich rate allen Uploadern und Moderatoren [bei Livelieak.com] sehr vorsichtig zu sein, was gepostet und was akzeptiert wird, wenn es um Kinder geht." Niemand solle wegen so einer Kleinigkeit durchmachen, was er durchmachte. Die Suche nach dem Ursprung des Videos, also dem Mann, der das Baby durch die Luft wirft, geht derweil weiter.
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