Netzwelt-Ticker EMI verleiht Gratis-Musik
Der kostenlose, durch Werbung finanzierte Musikdienst SpiralFrog wird bald auch Musik der Plattenfirma EMI kostenlos anbieten , zum Beispiel von Künstlern wie Coldplay oder Keith Urban. Damit sind nun schon zwei Majorlabel im Boot: Im vorigen September besiegelte die Universal Music Group einen Deal mit SpiralFrog. Dieser Dienst bietet Nutzern in den Vereinigten Staaten und in Kanada kostenlose Musikdownloads an, die Labels werden an den Werbeeinnahmen der Website beteiligt.
Ganz so kostenlos scheint der Dienst dann aber doch nicht zu sein. Die SpiralFrog-Downloads werden nicht als normale MP3s angeboten, sondern im Windows Media Format, mit einem entsprechenden DRM. Damit sind sie nicht kompatibel mit Apples iPod und einer Reihe anderer MP3-Player. Ohne den neusten Windows Media Player geht nichts. Und wenn man sich nicht regelmäßig bei Spiralfrog einloggt, sollen die heruntergeladenen Dateien irgendwann das Abspielen verweigern.
Das heißt auch: Sollte SpiralFrog oder eine der beteiligten Firmen Pleite gehen oder plötzlich kein Interesse mehr am Service haben, verfällt auch die Musik. Faktisch verleiht SpiralFrog damit Musik gegen Werbung. Leider doch kein so sexy Frosch
Indische Plattenfirma verklagt Yahoo wegen Urheberrechtsverletzungen
Das Oberste Gericht in Delhi setzt eine einstweilige Verfügung der Plattenfirma Super Cassettes Industries gegen Yahoo durch. Der Videodienst der Internetfirma darf fürderhin urheberrechtlich geschützte Videos des indischen Labels nicht mehr anzeigen. Darüber hinaus soll Yahoo vergangenen Schaden, der durch die unrechtmäßig von Nutzern hochgeladenen Videos entstanden ist, wiedergutmachen.
Zuvor hatte die Plattenfirma Yahoo schriftlich zur Löschung der beanstandeten Videos aufgefordert. Der Internetdienstleister antwortete, Super Cassettes solle den üblichen Weg über die "Dieses Video melden"-Funktion gehen sich also selbst um die Löschung kümmern. Eine zweite Aufforderung des Labels ignorierte Yahoo, dann ging Super Cassettes Industries vor Gericht.
In den Vereinigten Staaten bestimmt der umstrittene "Digital Millenium Copyright Act", dass Anbieter auf Nachfrage Inhalte löschen müssen oder Möglichkeiten zur Löschung von Inhalten bereitstellen müssen. In die Vergangenheit reichende Forderungen, wie sie Super Cassettes Industries geltend machen will, sind in den USA so nicht möglich. Anders in Indien, wo sich Super Cassettes, laut IDG News Service , schon im vorigen Jahr gegen YouTube durchsetzen konnte.
Filesharing: Fünf Festnahmen
Sechs Mitglieder der Filesharing-Seite Oink wurden in Großbritannien festgenommen und nach der Vernehmung gegen Kaution wieder freigelassen. Ihnen wird vorgeworfen, sich wegen Verschwörung zum Betrug der Musikindustrie auf den Seiten des privaten MP3-Clubs OiNK getroffen zu haben. OiNK war ein enorm umfangreiches Verzeichnis von Links zu Download-Quellen, ein Club, in den man nur gegen eine Einladung eintreten konnte. Bereits im letzten Oktober nahmen Polizeikräfte den OiNK-Administrator fest, beschlagnahmten die Server des Angebots in den Niederlanden und schalteten OiNK damit ab.
Offenbar waren den Fahndern vor allem Mitglieder der Tauschbörse ein Dorn im Auge, die Musikalben noch vor ihrer offiziellen Veröffentlichung im Netz verbreiteten . Neben dem besonders umfangreichen Angebot an MP3-Alben gab es bei OiNK angeblich auch viele Kopien von Vorab-Veröffentlichungen und Promo-CDs, die Journalisten oder Presswerk-, Studio- oder Agentur-Mitarbeiter ins Netz entweichen ließen.
Hilft aber das juristische Vorgehen gegen Tauschbörsennutzer? Ars Technica meint, nein : Seit der ersten Razzia bei der Pirate Bay und nach der Festnahme des OiNK-Administrators sei die Zahl der Tauschbörsen und Tauschbörsennutzer explodiert.
Time Warner Cable versucht sich an Teil-Flatrates
Fünf Prozent der Internetuser sind für 50 Prozent des Datenverkehrs im Internet verantwortlich. Warum zahlen dann alle Internetuser das Gleiche? Time Warner Cable nutzt diese Frage als Vorwand , zukünftig etwas mehr Geld von besonders aktiven Surfern zu ergattern. Zunächst nur im Feldversuch probiert Time Warner Cable eine beschränkte Flatrate aus. Wer über ein gesetztes Limit hinwegsurft, muss einen Dollar pro Gigabyte draufzahlen. Hört sich plausibel an. In Deutschland ist das zum Beispiel bei den Pseudo-Flatrates von T-Mobile fürs iPhone gang und gäbe. Doch Kritiker sehen in der Ungleichbehandlung von Nutzern (und Inhalte-Anbietern) eine ernste Gefahr fürs Internet. Im Netz, so die Kritiker, sollten alle Nutzer und Nutznießer gleich behandelt werden. Zumal Vielsurfer ja zunächst Breitbandangebote frühzeitig mitfinanziert haben und Breitbandangebote ja im Kern grenzenloses Surfen verkaufen.