Netzwelt-Ticker Energiesparlampen in Second Life
Von wegen, das Internet macht alles wieder heil 3sat geht in einem Netzstück der Frage nach, wie umweltschädlich das Netz ist: Die Gefahren des Klimawandels können die IT-Branche nicht kalt lassen . Deswegen hätten sich schon große Computerunternehmen zur "Computing-Initiative der Klimaschützer" zusammengetan. Ein deutscher Internet-Dienstleister wolle bis 2008 seine 43.000 Server komplett mit Wasserkraft betreiben um damit 30 Gigawattstunden Strom pro Jahr einzusparen.
Auch wenn der 3sat-Text die Leistungen und Meinungen jenes Internet-Dienstleisters ein bisschen zu sehr lobhudelt: Er hat ein paar schöne Passagen. Zum Beispiel, wird die Auswirkung von schlechtem Programmcode auf den Energieverbrauch aufgezeigt.
Wunderschön auch der nicht näher erklärte Vergleich Dietlinde Quacks vom Freiburger Öko-Institut: "Ein Avatar im Second Life," sagte sie 3sat, "verbraucht im Jahr 1700 Kilowattstunden das ist genau der Verbrauch, den ein privater Einpersonenhaushalt an Strom benötigt."
Sieg der Plattenindustrie: Nach der Klage ist vor der Klage
222.000 Dollar Strafe für 24 Musikstücke? Spektakulärer hätte der Sieg der Musikindustrie, vertreten durch die Recording Industry Association of America (RIAA) gegen die Angeklagte und angebliche Filesharerin Jammie Thomas kaum ausfallen können. Doch fast eine Woche nach dem Urteil, sehen das verschiedene Netz-Kommentatoren schon wieder ganz anders: Das Urteil sei ein Pyrrhussieg, warnt The Register . Ars Technica meint: Eine große Sache für die Musikindustrie, die sich aber sicher nicht wiederholen wird . Der Cnet-Blogger Don Reisinger kreidet der RIAA an, weit über das Ziel hinaus zu schießen und sogar ihre Unterstützer gegen sich aufzubringen .
An anderer Stelle glaubt man, das letzte Wort in Sachen "die Plattenindustrie vs. der kleine Mann auf der Straße" sei noch lange nicht gesprochen. Das P2P-Blog Zeropaid.com kritisiert die Beweisführung der RIAA-Anwälte: Die drei Hauptpunkte, mit denen die Jury überzeugt wurde, seien mangelhaft. Und überhaupt was war das überhaupt für eine Jury, die, so legt ein "Wired"-Kommentar nahe , keine blasse Ahnung von Filesharing, Musikdateien und überhaupt von diesem Internet, von dem jetzt alle reden, hat?
Und tatsächlich: Jammie Thomas wird gegen das Urteil in Berufung gehen, wie sie in einem CNN-Interview ankündigte. Ars Technica erklärt, wo Thomas' Anwälte ihre Hebel ansetzen wollen . Die Electronic Frontier Foundation, ein Verein zum Schutz der Bürgerrechte im Netz, kündigte zudem Schützenhilfe an : Als Amicus Curiae ( Wikipedia: Freund des Gerichts ) wolle man die RIAA-Argumente zurechtrücken, die eben zum Sieg der Plattenindustrie führten.
Passend dazu: Trent Reznor von der Band Nine Inch Nails fiel in letzter Zeit ja vor allem durch Ausfälle gegen sein Plattenlabel und die Aufforderung an seine Fans auf, sein Album doch bitte zu klauen. Jetzt legte Reznor noch einen drauf und macht sich von seinem Label unabhängig: "Ich habe lange auf diese Ankündigung gewartet. [ ] 18 Jahre lang war ich Plattenverträgen unterworfen und habe währenddessen beobachten können, wie sich der Markt von Grund auf radikal veränderte. "
Eine Einstellung, die auch Terra Firm, der neue Eigentümer der EMI, in einer Mail an seine neuen Mitarbeiter verbreitet: Begrüßt die digitale Welt oder geht unter, fasst die britische Tageszeitung "The Daily Telegraph" die E-Mail zusammen .
Nnnnneed for *hicks* Schpied
Ein kanadischer Professor der University of Calgary will mit einem Computerspiel vor Trunkenheit am Steuer warnen. James Parkers Appell an die Nüchternheit heißt "Booze Cruise" (Alkoholfahrt) und ist ein Rennspiel mit Hindernissen. Das größte ist der virtuelle Fahrer selbst. Der steht nämlich unter digitalisiertem, jedoch deutlichem Alkoholeinfluss. Er sieht nicht mehr richtig; anständig lenken und reagieren keine Chance! Rosa Elefanten sollen für Überraschungen am Wegesrand sorgen. Ob es in einem zweiten Teil auch weiße Mäuse geben wird?
Booze Cruise hat sogar eine Hintergrundgeschichte, wie Parker einen Reuters-Reporter aufklärt : "Im Grunde genommen wacht diese Person total betrunken im Kofferraum ihres Autos auf und versucht jetzt, nach Hause zu fahren." Sogar die Polizei in Calgary habe tatkräftig bei der Entwicklung mitgeholfen: Sie sei für den Realismus zuständig gewesen.
Wer selbst die zitternde Hand ans virtuelle Lenkrad legen will, muss zunächst jedoch noch ein paar Thekenrunden drehen. Das fertige Spiel wird erst in ein paar Monaten veröffentlicht.
Finanzamt: Schneeballsystem unter Bewachung
Auf Internetseiten mit den viel versprechenden Namen "Geldsack", "endlich-sorgenfrei", "immer-volle-geldboerse" oder "geldfueruns" wird Internet-Anwendern derzeit das große und schnell verdiente Geld ohne viel Aufwand versprochen. Hierbei handelt es sich um eine weitere Version der sogenannten Schneeballsysteme und Kettenbriefe. Diese Aktionen bereichern in erster Linie die Initiatoren. Die große Masse der Teilnehmer sieht die eingesetzten Geldbeträge nie wieder.
So etwas ist illegal doch ausgerechnet das Finanzamt macht auf diesen Seiten jetzt ein wenig auf Onlineüberwachung, wie die Nachrichtenagentur DDP meldet.
Eine bei der Oberfinanzdirektion Koblenz eingerichtete Stabsstelle Steueraufsicht beobachtet solche Schneeballsysteme, analysiert und wertet sie aus. Aber nicht etwa, um den illegalen Machenschaften der Veranstalter auf die Schliche zu kommen sondern den Opfern. Verdienen die mehr als 511 Euro pro Jahr mit dem Schneeballsystem, müssen sie das dem Finanzamt melden.
Im Klartext heißt das: Wer bei Schneeballsystemen und Pyramidenspielen mitmacht, verliert immer. Verdient er wenig, zocken ihn die Veranstalter ab. Gewinnt er ein wenig, steht das Finanzamt vor der Tür.