Netzwelt-Ticker: Ex-Manager schimpft über Microsoft-Bürokratie - DER SPIEGEL
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Microsoft: Von Flops in Serie und ganz großen Erfolgen

Netzwelt-Ticker Ex-Manager schimpft über Microsoft-Bürokratie

Beim Windows-Konzern herrsche ein innovationsfeindliches Klima, beklagt ein ehemaliger Microsoft-Manager - die Gegenkritik aus Redmond fällt sanfter aus. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Sony will auch ein iPad, Apple zensiert Google-Lob im App Store und Google geht auf Tauchtour.
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Microsoft

Was ist faul im Hause ? Warum macht Apple und nicht Redmond einen Tablet-PC, einen supererfolgreichen MP3-Player, ein Smartphone und bestimmt den Computer-Lifestyle im Wohnzimmer? Warum führt Google den Software-Riesen mit einer supererfolgreichen Internet- und Produktstrategie vor, weiß Innovationen zu erkennen und zu veredeln? Wie kann ein so kleines Open-Source-Unternehmen wie Mozilla dem Riesen Microsoft die Browser-Wurst vom Brot klauen?

Dick Brass, von 1997 bis 2004 Manager bei Microsoft, versucht in einem Kommentar in der "New York Times" eine Antwort: "Im Gegensatz zu anderen Firmen hat Microsoft niemals ein Innovationssystem entwickelt ." Es habe vielleicht sogar eine innovationsfeindliche Atmosphäre geherrscht. Obwohl Microsoft eines der größten und besten Software-Labors der Welt habe und nicht nur einen, sondern gleich drei Cheftechniker, schaffe es das Unternehmen routinemäßig, visionäre Denker in ihren Bemühungen zu frustrieren.

Um das zu erklären, kann Brass zwei persönliche Geschichten des Scheiterns hervorholen: Seine Bemühungen um die Schriftglättungstechnik ClearType und um einen frühen Tablet-PC im Jahr 2001 wurden von Managern torpediert, die Weiterentwicklung durch innerbetriebliche "Sabotage" behindert. In so einem Unternehmen etwas Neues zu schaffen, mache keinen Spaß, suggeriert Brass.

Das sei aber nur eine Seite der Anti-Innovations-Medaille. Die andere sei die schädliche Konzentration aufs ertragreiche Software-Geschäft und nicht - wie etwa bei Apple - aufs riskantere Hardware-Geschäft. Weil im heutigen Markt Software und Hardware verschmelzen, habe Microsoft den Zug verpasst, den Apple und Google heute steuern. Wäre da nicht der ständige Geldregen dank der immensen Windows- und Office-Verkäufe (Umsatz 2009: fast 60 Milliarden Dollar), Microsoft würde wohl längst keine Rolle mehr spielen.

Eine interessante Perspektive, die man auch so fassen könnte: Wenn Microsoft nicht so erfolgreich Software verkaufen würde, wäre es längst nicht mehr erfolgreich. Eigentlich naheliegend, bei einem Software-Konzern. Klar, dass sich Microsoft so eine Kritik nicht gefallen lassen will. Im offiziellen Firmenblog versucht sich Frank X. Shaw, oberster Pressesprecher der Firma, in Gegenwehr: " Obviously, we disagree . :)"

Er erklärt, warum Microsoft langsamer sein muss, warum selbst kleine Veränderungen eine große Auswirkung haben und warum Brass mit seiner Produktschelte nicht ganz recht haben kann. Doch der Kommentar fällt reichlich zahm aus, ein selbstbewusstes Contra sieht anders aus.

Das könnte auch daran liegen, dass Microsoft - auch öffentlich - längst eingesehen hat, dass es nicht weitergehen kann, wie es seit Jahren eh schon nicht weiterging. Das Ars-Technica-Blog brachte das 2007, vor der Vista-Windows-7-Wende, anlässlich der Vorstellung des iPod-Konkurrenten Zune HD mit der "Shotgun-Theorie" auf den Punkt: "Ich vermute, in Redmond reichen sie zeremoniell ein Schrotgewehr durch die Abteilungen, damit die sich selbst in den Fuß schießen können."

Die Tirade des Ex-Managers sollte man allerdings kritisch hinterfragen: Von der Spielkonsole Xbox 360 hat Microsoft bislang immerhin knapp 40 Millionen Exemplare verkauft - und 500 Millionen Spiele wurden für diese Plattform insgesamt abgesetzt. Im Krisenjahr 2009 machte Microsoft bei 58,5 Milliarden Dollar Umsatz einen Gewinn von rund 14,6 Milliarden Dollar - rund dreieinhalbmal so viel wie Google (4,2 Milliarden Dollar).

Echtes Scheitern sieht irgendwie anders aus.

Sony will auch ein iPad

Apropos Anschluss verpassen: Laut "IDG News Service" hat Sony am Donnerstag bekanntgegeben, jetzt auch ein Pad-Gerät  auf den Markt bringen zu wollen. "Wir sind uns sicher, dass wir so ein Produkt entwickeln können," sagte Sony-Finanzchef Nobuyuki Oneda auf einer Pressekonferenz in Tokio. Wie genau so ein iPad-Konkurrent von Sony aussehen könnte, verriet Oneda nicht. Das haben die Läster-Blogger von Gizmodo übernommen - und einen reichlich schrecklichen Hybriden aus PSP-Handkonsole und Apple-iPad  gezüchtet. Könnte man vielleicht sPad nennen - mit noch lustigeren Konnotationen als die zahlreichen Damenbinden-Jokes rund um Apples Tablet-PC.

IT-Frau Nummer eins

Innenminister de Maizière hat seine Staatssekretärin Rogall-Grothe zur IT-Beauftragten des Bundes berufen, schreibt der Netzpolitik-Blog der "taz": "Cornelia Rogall-Grothe ist seit Donnerstag Deutschlands offizielle IT-Frau Nummer eins ". Zu ihren ersten Aufgaben zählten nun unter anderem der elektronische Personalausweis, die sichere Internet-Kommunikationsform De-Mail und die einheitliche Behördenrufnummer.

iPhone-Back-up geknackt

Ein Hersteller von Forensik-Software hat die Betaversion einer Software  zum Knacken von Passwort-geschützten Backup-Dateien  von iPhone- und iPod-Nutzerdaten veröffentlicht. Der "iPhone Password Breaker" probiert dazu noch mit Brute Force, also roher Gewalt, mehrere Tausend Zeichenkombinationen pro Sekunde durch, bis er die richtige gefunden hat - zukünftige Versionen sollen aber auch einen schnelleren, sogenannten Wörterbuchangriff durchführen können. So ein Angriff testet nur plausible, oft benutzte oder anderweitig abgeleitete Zeichenkombinationen durch.

Auf Tauchtour mit Google

Google hat das Ocean Showcase  veröffentlicht, eine Google-Earth-Website zum virtuellen Unterwasserbesuch in Forschungsstationen, bei Tiefseerobotern, Schiffswracks und anderen Unterwassersehenswürdigkeiten. Das Ocean Showcase setzt die Installation eines Google-Earth-Plug-ins für den Browser voraus und ist eine sehenswerte Multimedia-Achterbahnfahrt zu transparentköpfigen Fischen und schnarchlahmen Tauchrobotern, begleitet von einem gesprochenen Kommentar, vielen YouTube-Videos und Bildern, Bildern, Bildern .

Apple sperrt Android aus

Apple will nicht, dass Entwickler von iPhone/iPod/iPad-Apps das Google-Betriebssystem Android  in ihrer App-Beschreibung erwähnen. Das geht aus einem Brief hervor, den App-Entwickler "Flash of Genius"  vom "iPhone Developer Program" erhalten haben will: "Auch wenn Ihre App nicht zurückgewiesen wurde, wäre es angemessen, 'Finalist im Google Android Entwicklerwettbewerb' aus der App-Beschreibung zu löschen."

Eine andere Lesart dieses seltsamen Hinweises bringt Blog-Kommentator Kevin Conner: Vielleicht will Apple einfach nicht, dass Flash of Genius mit Android-Lorbeeren im Apple-Ring angibt ?

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