Netzwelt-Ticker: Facebook im Markenwahn - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Facebook im Markenwahn

Am 15. September ist es soweit: Die Facebook-Alternative Diaspora öffnet ihre Open-Source-Pforten. Derweil versucht Mark Zuckerberg, die Worte Face und Book patentieren zu lassen, Googles Gratis-Telefonie findet rasant Absatz und Tschechien untergräbt Creative Commons. Das und mehr im Überblick.
Von Carolin Neumann
Facebook: Keine Angst vor Konkurrenz?
Facebook: Keine Angst vor Konkurrenz?

Facebook: Keine Angst vor Konkurrenz?

Foto: LOIC VENANCE/ AFP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Auf dem Höhepunkt der Facebook-Kritik kamen in den USA vier College-Jungs mit einer Alternative daher: Quasi in ihren Sommerferien wollten die Jungspunde ein Open-Source-Netzwerk programmieren - mit all den Vorteilen, aber ohne die Sicherheitsnachteile des Weltmarktführers. 200.000 US-Dollar wurden für das Vorhaben gespendet. In drei Wochen wird sich zeigen, ob die Informatik-Studenten ihre großen Versprechungen auch halten können.

Die von der Netzgemeinde mit Spannung erwartete Community geht am 15. September ans Netz, kündigen die Gründer an . "Diaspora funktioniert, und wir mögen es", schreiben sie. Mit dem offiziellen Launch sei die Arbeit aber noch nicht getan. Zwei der Nerds nehmen jetzt sogar ein Urlaubssemester, um den Facebook-Konkurrenten zu optimieren.

Ob "das Original" schon schlotternde Knie hat? Eher nicht. Außerdem ist man bei Facebook gerade mit viel trivialeren Dingen beschäftigt. Ein kleines Start-up zu triezen beispielsweise.

Aber die Lehrer-Community Teachbook  ist ja auch selbst schuld. Was nutzt sie auch das Wort Book in ihrem Namen? Wissen die Gründer denn nicht, dass der Begriff sich längst von seiner jahrhundertealten Tradition emanzipiert hat und inzwischen quasi Mark Zuckerberg gehört? Das hätte der jedenfalls gerne und verklagt Teachbook. Ach ja, das Face im Namen versuchen Zuckerbergs Schergen übrigens auch schützen zu lassen.  

TechCrunch quittiert die Klage in einem aktuellen Posting  mit der einzig angebrachten Reaktion: (lesenswertem) Spott. Das ist ja, als würde ein Unternehmen versuchen, sich eine Farbe schützen zu lassen.

Tschechien führt Creative-Commons-Lizenzen ad absurdum

Die Pro-Filesharer-Seite Zeropaid  hat einen tschechischen Gesetzentwurf ausgegraben, der das Prinzip von Creative Commons (CC) gefährdet. Wer ein digitales Werk unter CC veröffentlichen will, muss die Lizenz demnach in Zukunft erst an zentraler Stelle beantragen - und nachweisen, dass er tatsächlich der Urheber ist. Gerade für geremixtes und kollaboratives Material dürfte das den Lizenz-Prozess enorm erschweren, wenn nicht unmöglich machen.

Zeropaid befürchtet deshalb, dass die Tschechen das komplizierte Verfahren scheuen könnten und stattdessen lieber komplett auf eine CC-Lizenzierung verzichten. Damit würde das Gesetzesvorhaben den Sinn und Zweck des Systems untergraben. Denn die Jedermann-Lizenzen sind dazu gedacht, das globale Teilen von digitalen Inhalten frei von eben solchen Komplikationen zu ermöglichen.

Nach Google telefonieren

In etwa so dürfte man sich das bei Google gedacht haben: Die Option, via Google Mail kostenlos zu telefonieren, wurde begeistert aufgenommen. Das neue Feature sei binnen 24 Stunden mehr als eine Million Mal genutzt worden, frohlockt Google via Twitter . Seit Donnerstag bietet das Unternehmen Gratis-Internettelefonie für registrierte Nutzer an, vorerst allerdings nur in den USA und Kanada.

Google zum Zweiten: Echtzeit-Experiment geglückt

Ein anderer Google-Service hat sich inzwischen offenbar etabliert: Seit März sortiert Google in Deutschland Suchergebnisse wahlweise in Echtzeit, egal ob sie aus Blogs, Microblogging-Diensten oder von News-Seiten stammen. Jetzt bekommt die Echtzeit eine eigene Seite . Alternativ kann man bei einer Google-Suche in der linken Spalte den Punkt "Statusupdates" ansteuern, das Resultat ist dasselbe.

Frau an Blackberry-Finger operiert

Memo an selbst: Keine Scherze über Schmerzen nach dem Smartphone-Gebrauch mehr machen! Eine Bankerin in Philadelphia hat sich durch exzessives Tippen auf ihrem Smartphone den Daumen entzündet. Ihr mussten die Sehnen operativ entfernt werden. Aua.

"I'm texted out", kommentierte sie den Blackberry-Daumen lapidar. Heißt etwa: Ich bin ausgesimst. Die OP sei gut verlaufen, ist auf der lokalen Website WTSP.com  zu lesen. Jetzt lernen ihre Zeigefinger schreiben.

Auch das noch: