Netzwelt-Ticker: Gemeinsam gegen Telefonwerbung - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Netzwelt-Ticker Gemeinsam gegen Telefonwerbung

Seit heute kann die Bundesnetzagentur empfindliche Geldstrafen gegen unlautere Telefonwerbung verteilen, braucht dafür aber die Mithilfe der Werbe-Opfer. Außerdem: Wipeout-Spieler sauer wegen nachträglich installierter Werbevideos und Grünen-Politiker Güldner rechtfertigt sich für Netz-Kritik.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Werbung verlängert Ladezeit, Spieler wütend

Nachträglich in das Videospiel Wipeout HD eingefügte Werbevideos verdoppeln die Ladezeiten des Playstation-3-Spiels. Ein Jahr nach der Veröffentlichung platzierte Sony die Werbevideos per Softwareupdate in den Ladepausen vor einem Rennen. Viele Käufer fühlen sich nun von Hersteller Sony veräppelt, bezahlen sie jetzt doch quasi doppelt: Als Spielkäufer und Werbe-Zielgruppe - mit ihrer Zeit.

Denn erst wenn das Video vollständig abgelaufen ist, beginnt das Spiel. Die drastischen Ladezeitverlängerungen konnte das Spieleblog Shacknews.com bestätigen: "Nachdem wir ein Schiff ausgesucht haben, dauerte es etwa 12 Sekunden, bis das Rennen begann. Mit den Werbungen lud das Spiel nach rund 20 Sekunden. "

Rechtfertigung von Grünen-Politiker Matthias Güldner

Der wegen seiner Internet-Polemik "Zur unerträglichen Leichtigkeit des Internet"  in die Kritik geratene Grünen-Politiker Matthias Güldner rechtfertigt sich auf Netzpolitik.de: "Ich bin denjenigen, die sich mit dem Thema Internet befassen, auf die Füße getreten. Viele haben sich provoziert und beleidigt gefühlt. Das mit der Provokation, das hat jeder gemerkt, war beabsichtigt. Die Beleidigung nicht. "

Ihm ginge es viel mehr darum, neue Fragen um die Definitionsmacht und Herrschaftsstrukturen der Netzpolitik-Debatte in Frage zu stellen: "Kampf für Bürgerrechte ist meines Erachtens auch Kampf gegen jegliche Vermachtung von politischen Prozessen." Bei der Frage der Internetsperren habe er "nach Abwägung aller Argumente" zu einem anderen Schluss als die Netz-Bewegten gefunden. "Der Umgang mit denjenigen, die diese abweichende Meinung auch geäußert haben, hat mich erschreckt und zu meiner Provokation motiviert."

Telefonwerbung: Netzagentur braucht Unterstützung

Heise.de berichtet von neuen Möglichkeiten der Bundesnetzagentur, nach Inkrafttreten des Gesetzes zur Bekämpfung unerlaubter Telefonwerbung, Verstöße mit saftigen Bußgeldern zu ahnden. Um das durchzusetzen, braucht die Agentur allerdings die Unterstützung der Verbraucher .

Wer einen unerwünschten Werbeanruf bekommt, sollte der Bundesnetzagentur Datum und Uhrzeit des Anrufs, den Namen des Anrufers und möglichst auch dessen Rufnummer sowie den Namen des Unternehmens, in dessen Auftrag der Anruf erfolgte und den Grund für den "Cold Call"-Anruf nennen. Mit diesem Vorgehen konnte die Agentur schon früher erfolgreich gegen unlautere Telefonwerbung vorgehen. Ein Formblatt auf der Agenturwebsite  soll beim Melden helfen.

Jetzt muss man nur noch die Aasgeier in den unlauter operierenden Teilen der Callcenter- und Werbebranche dazu überreden, sich zur Abwechslung an Recht und Gesetz zu halten. Oder nicht aufzulegen, sobald man Rückfragen nach Namen etc. hat.

Webradio: Spotify sichert sich Finanzspritze

Während sich Microsoft noch einen Web-Radiosender à la Spotify zusammenbastelt, konnte das Vorbild sich mächtige Unterstützung sichern. Laut "Financial Times" wollen mehrere Investoren, darunter die wohltätige Stiftung des Hongkong-Milliardärs Li Ka-shing, zusammen rund 50 Millionen Dollar in das schwedische Internetunternehmen investieren.

Bei dem Streaming-Angebot kann man für zehn Euro im Monat, einen Euro am Tag oder kostenfrei mit Werbeeinblendungen den gesamten Musikkatalog hören - auf beliebig vielen Computern, ohne Einschränkung. Das ist in dieser Kombination einzigartig (siehe Kasten unten). So muss ein Streaming-Angebot aussehen: Umfassendes Angebot, kinderleichte Bedienung, schlanke, schnelle Software, einfache Preismodelle mit einem werbefinanzierten Gratisangebot zum Anfixen. Doch bislang blockierte die Lizenzpolitik vieler Musiklabels den Erfolg des Spotify-Angebots - das könnte sich mit dem Investment ändern.

Online-Musik: Was an Spotify innovativ ist

Haft für Spielkonsolen-Modder

Ein Student aus Südkalifornien wurde verhaftet, weil er seine Spielkonsolen Xbox, Playstation und Wii so veränderte , dass er darauf auch Raubkopien - aber auch aus der Indie-Szene stammende Spiele und Demos - abspielen konnte. Damit verstoße er gegen den Digital Millennium Copyright Act (DMCA), lautet die Anklage.

Die Polizei- und Zollbehörde des Heimatschutzministeriums bekam einen Tipp der Entertainment Software Association (ESA) und durchsuchte die Wohnung des Angeklagten im Mai. Die Löterei könnte ihm nun bis zu zehn Jahre Haft einbringen. Der Angeklagte wurde gegen eine Kaution freigelassen, die Verhandlung ist für nächste Woche angesetzt.

Intel: Probleme mit Solid-State-Festplatten

Chiphersteller Intel hat Probleme bei der Produktion von X25-M und X18-M Solid-State-Platten (SSDs)  eingeräumt: Die Festkörperplatten zerstören Daten, bereits an Händler ausgelieferte Platten wurden zurückgerufen. Die Probleme treten auf, wenn Nutzer ein BIOS-Passwort für diese Platte einrichten, dieses dann ändern oder aufheben wollen und daraufhin den Computer neu starten.

Wer sich so eine SSD-Platte schon gekauft hat, solle auf ein Firmware-Upgrade warten, das Intel bald veröffentlichen werde, schreibt Computerworld.

US-Politikerin katapultiert sich aus Google und Yahoo

Weil er sich bei Suchmaschinenergebnissen ganz nach vorne drängeln wollte, gerät die Internetkampagne der texanischen US-Senatorin Kay Bailey Hutchison ins Straucheln: Ihre Kampagnenwebsite ist vollgestopft mit unsichtbaren Worten, die Suchmaschinennutzer anlocken  sollen.

Wer zum Beispiel die sexuelle Ausrichtung ihres Konkurrenten Rick Perry googeln will, soll auf "rick perry gay" stoßen. Das Problem: Google und Yahoo schätzen so eine Manipulation gar nicht - und verbannten die Kampagnenseite aus den Suchergebnissen. Wie überhaupt solche möglicherweise diskriminierenden Suchworte  auf der Website auftauchen konnten, darüber rätselt nun Statesment.com.

Weitere Meldungen

Mehr lesen über

Verwandte Artikel