Netzwelt-Ticker Google trotzt EU, will nicht vergessen
Bei der Frage, wie lange Suchmaschinenbetreiber die Surfdaten ihrer Nutzer für eigene Zwecke vorhalten dürfen, hat die EU eine klare Vorstellung. Maximal sechs Monate, rät das EU-Expertengremium "Article 29 Working Party".
Das ist Google nicht genug, es müssen schon neun sein, damit die Google-Ingenieure "Trends im Lauf der Zeit sehen und ein Gefühl für die Nutzer bekommen", stellte die Google-Managerin Marissa Mayer auf der Internet-Konferenz Le Web in Paris klar.
In dieser Woche, schreibt "ZDNet" , hatte Microsoft angekündigt, sich künftig an die EU-Empfehlung halten zu wollen und Daten statt 18 Monate nur noch ein halbes Jahr vorzuhalten. Damit aber die Privatsphäre der Bevölkerung wirklich geschützt werden kann, das betonte John Vassallo, Microsofts Vizepräsident für Europa-Angelegenheiten, müssten schon alle Suchunternehmen die gleichen Standards annehmen.
Kinder ausspitzeln: Sony Music muss Millionen zahlen
Wegen Verletzung der Privatsphäre von Kindern hat sich Sony Music in den USA zur Zahlung einer Geldstrafe von einer Million Dollar bereit erklärt. Dies ist die bisher höchste Strafe, die wegen eines Verstoßes gegen das Kinderdatenschutzgesetz der USA verhängt wurde, wie die US-Handelsbehörde (FTC) mitteilte. Sony Music war bis Ende September mit dem deutschen Medienkonzern Bertelsmann in einem Gemeinschaftsunternehmen zusammengeschlossen.
Sony Music habe auf 196 Webseiten für Musiker und Labels wissentlich persönliche Daten von mindestens 30.000 minderjährigen Kindern gesammelt, ohne zuvor die Zustimmung der Eltern einzuholen, teilte die Federal Trade Commission mit. Dies wird aber vom Children's Online Privacy Protection Act der USA gesetzlich verlangt. Die FTC ordnete an, dass Sony Music alle gesammelten Daten von Kindern löschen muss. Außerdem muss das Unternehmen auf Webseiten, die dem Kinderdatenschutzgesetz unterliegen, einen Link zu einem Verbraucherschutz-Ratgeber der FTC einrichten.
AP
E-Wahl: Estland führt Wahlen per SMS ein
Estland hat am Donnerstag ein Gesetz verabschiedet, wonach bei den nächsten Parlamentswahlen 2011 auch per SMS abgestimmt werden darf.
Das System für die Stimmabgabe, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP von der zuständigen Projektleiterin, sei vollkommen sicher. Nur wer eine eigens zertifizierte SIM-Karte besitzt, die den Benutzer eines Telefons eindeutig identifiziert, darf per Kurznachricht wählen. 80 von 101 Abgeordneten votierten für das neue Gesetz, mit dem auch die Möglichkeiten der Stimmabgabe via Internet erweitert werden. Kritiker, schreibt ORF Futurezone , halten diese Art der Ausübung des Wahlrechts wegen bestehender Unsicherheiten bezüglich der Prinzipien der geheimen und unabhängigen Wahl für problematisch.
Estland, von seinen Bewohnern gelegentlich stolz "E-Stonia" genannt, ist nicht das erste Land, das sich an SMS-Wahlen versucht. Als die Schweiz aber 2005 etwas Ähnliches ausprobierte, nutzten nur vier Prozent der Wahlberechtigten diese Option. Das könnte in Estland allerdings anders laufen: Mit der SMS-Wahl führt der nördlichste der baltischen Staaten weiter, was mit Internet-Wahl und papierloser Regierung und einem fast flächendeckenden Wifi-Netz begann.
Gefährliche Bänder: Neue Sammelklage gegen Nintendo
Nachdem Videospiel-Hersteller Nintendo kurz nach dem Verkaufsstart der Wii-Konsole von einer Sammelklage wegen defekter Haltebänder getroffen wurde, besserte der Konzern schnell nach: Die Armbänder, die den Spiel-Controller in den Händen der Spieler halten sollten, wurden verstärkt, gut sichtbare Sicherheitshinweise auf der Packung, in den Anleitungen und Spielen untergebracht. Problem gelöst? Nicht ganz: Dieselben Anwälte, die schon 2006 die Sammelklage vorgebracht hatten, vertreten nun eine neue Sammelklage: Gegen Nintendo, gegen ein unzureichend stabiles Halteband und dagegen, dass Nintendo bei der Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Kommission für Verbrauchersicherheit angeblich nicht die ganze Wahrheit über die zu schwach ausgelegten Haltebänder sagte. Nintendo habe der Kommission keinen der vielen Unfälle mitgeteilt, die aufgrund der gerissenen Bänder passierten. Gamecyte.com schaute in die Klageschrift und sieht darin Gründe genug, dass die Nintendo-Gegner vor Gericht gewinnen könnten.
Kurz nach der Wii-Einführung machten Berichte die Runde, wonach herumfliegende Wii-Controller Fernseher zerstörten und Mitspieler verletzten. Die Website Wiihaveaproblem.com sammelt Berichte und Bilder solcher Wii-Unfälle.
Adobe stellt intelligente 3D-Collagen vor
Die Grafikexperten von Adobe haben den Besuchern ihrer Hausmesse in Milan, Italien, einen Blick auf ein spektakuläres Grafik-Experiment erlaubt. Die "Infinite Images"-Software klebt zusammenpassende Bilder, zum Beispiel eines Straßenzuges, automatisch aneinander, bis ein Pseudo-3D-Bild entsteht, durch das man sich, soweit das die Ursprungsbilder hergeben, hindurchklicken oder hindurchzoomen kann.
Microsoft hat mit Photosynth (siehe Fotostrecke unten) bereits zwar ein ähnliches Produkt zum Test im Netz , aber der Readwriteweb-Autor Marshall Kirkpatrick hat schon ein wenig recht, wenn er meint: "Photosynth ist cool, aber Infinite Images ist cooler ."