Netzwelt-Ticker: Google will Millionen wegen Datenschutzpanne zahlen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Netzwelt-Ticker Google will Millionen wegen Datenschutzpanne zahlen

8,5 Millionen US-Dollar will Google bezahlen, um die Sammelklage wegen einer peinlichen Lücke im Schnatterdienst Buzz außergerichtlich zu beenden. Außerdem im Nachrichten-Überblick: Spielehersteller Electronic Arts nutzt Facebooks Bezahldienst und die Türkei sperrt mal wieder YouTube.
Buzz: Der Schnatterdienst brachte Google wenig Nutzer und viel Ärger
Buzz: Der Schnatterdienst brachte Google wenig Nutzer und viel Ärger

Buzz: Der Schnatterdienst brachte Google wenig Nutzer und viel Ärger

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Im Frühjahr machte sich Google mit den Verletzungen des Datenschutzes bei der Einführung seines Message-Tools Buzz wenig Freunde. Das Unternehmen kassierte prompt eine Sammelklage, die jetzt durch eine Schlichtung zwischen den Kontrahenten erledigt wurde.

Wichtigster Vorwurf der Kläger war, dass Anfang Februar alle US-Anwender des E-Mail-Dienstes Gmail (in Deutschland: Googlemail) automatisch zu Teilnehmern des Buzz-Dienstes wurden. Dadurch waren ihre häufigsten E-Mail-Kontakte für jeden ihrer E-Mail-Korrespondenten zunächst ohne ihre Zustimmung sichtbar. Google hat kurz nach dem Beginn des Streits mehrere entscheidende Änderungen an Google Buzz eingeführt. Dies habe letztlich die Einigung ermöglicht. Die Firma betont jedoch, dass sie kein Vergehen zugibt oder einräumt, dass durch Buzz irgendein Schaden entstanden sei.

im April in die Bredouille

Barack Obamas Chefberater in Sachen Internet brachte der Buzz-Bug . Er soll über seinen privaten Mailaccount Offizielles verhandelt haben, auch mit ehemaligen Kollegen - McLaughlin war einst Googles Cheflobbyist. Der Ex-Googler musste erstaunt feststellen, dass seine häufigsten Mail-Kontakte plötzlich für alle Welt sichtbar waren.

Unter den durch Buzz enthüllten häufigsten Google-Mail-Kontakten des Beraters waren nicht nur über 25 Googler, sondern auch eine ganze Reihe von Kollegen aus dem Weißen Haus. Darunter der OSTP-Chef Aneesh Chopra und andere hochrangige Mitglieder der Regierung. Über private Mail-Accounts Offizielles abzuwickeln ist Regierungs-Mitarbeitern in den USA aber untersagt. Es besteht eine strikte Archivierungs-Pflicht: Der gesamte im Amt anfallende Mailverkehr hat aufbewahrt zu werden, so sieht es der "Electronic Message Preservation Act" vor.

Jetzt verpflichtet sich Google zur Zahlung von 8,5 Millionen Dollar, von denen aber die Kläger keinen Cent sehen werden. Ein Bundesgericht habe dem Vergleich zugestimmt, teilte Google am Dienstag per E-Mail mit. Google teilt Nutzern in einer E-Mail mit, das Geld solle in einen Fond zur Unterstützung von Datenschutzinteressen fließen. Bis zum 6. Dezember haben amerikanische Gmail-Nutzer nun Zeit, aus dieser Vereinbarung via Opt-out auszusteigen. Die endgültige gerichtliche Bestätigung der Schlichtung soll dann am 31. Januar 2011 erfolgen.

lis/rich/dapd

Warum, Parum?

"Unser Dorf soll schöner werden" - von 1961 bis 1997 war das das Motto eines Bundeswettbewerbes, der massenhaft Gewinner produzierte: Gefühlt hat so ziemlich jedes Dorf in Deutschland dabei schon diverse Auszeichnungen gewonnen, alle sind sie irgendwie am allerschönsten. Und immer ging es darum, sich herauszuputzen und herzuzeigen, dabei Infrastrukturen zu verbessern und den ländlichen Lebensraum attraktiver zu machen.

Doch die Zeiten ändern sich. Inzwischen heißt der Dorf-Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft", und die Zeigefreudigkeit scheint auch zurückgegangen zu sein: Mitunter erfüllt es deutsche Dörfler offenbar sogar mit Stolz, wenn man sie nicht sieht.

In Mecklenburg-Vorpommern jedenfalls wollen sich die Einwohner des Dorfes Parum geschlossen gegen den umstrittenen Internet-Dienst Google Street View zur Wehr setzen. Er habe von allen Haushalten des Dorfes Parum Unterschriften gesammelt um zu verhindern, dass die Häuser im Internet zu sehen sind, sagte der pensionierte Lehrer Wilhelm Meier am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Er habe den "Parumer Einspruch" über den Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar an Google weiterleiten wollen. Schaar habe sich aber für nicht zuständig erklärt, sagte Meier.

Falls sich Schaar nicht mehr überzeugen lassen sollte, für die Parumer den Postboten zu machen, würden die 70 Einwohner einzeln bei Google ihre Hausfassaden pixeln lassen. "Parum ist ein Dorf, das es bei Google nicht gibt", sagte Meier.

Das ehemalige Landarbeiterdorf im Landkreis Güstrow mit 25 Häusern liegt abseits der Hauptstraßen zwischen großen Feldern. Einzige Sehenswürdigkeit ist die alte Dorfkirche. In verpixelter Form dürften aber auch die anderen dazu werden.

pat/AFP

Real ruft Netzteil für iPhone4 zurück

Die Warenhauskette Real ruft die Netzteile aller iPhone 4 zurück, die sie diese Woche verkauft hat. Die Netzteile könnten überhitzen und unter ungünstigen Umständen Feuer fangen, warnte das Unternehmen. Den Smartphones seien versehentlich falsche Netzteile beigepackt worden. Inzwischen sei der Verkauf eingestellt worden. Kunden könnten irrtümlich beigelegte Teile in jedem real-Markt umtauschen. Kunden, die keine Möglichkeit hätten, einen real-Markt aufzusuchen, können das Original-Netzteil ab dem 10. November auch kostenlos per Post zugesandt bekommen. Betroffene sollen sich an die Hotline 0800/5035418 wenden.

ssu/dapd

Electronic Arts lässt per Facebook zahlen

Spielehersteller Electronic Arts (EA) setzt verstärkt auf die Möglichkeiten von Social Networks und hat eine Vereinbarung mit Facebook geschlossen. Die sieht eine enge Kooperation für die nächsten fünf Jahre vor, bei der EA kostenpflichtige Spiele auf dem Netzwerk anbieten wird. Die Bezahlung ist ausschließlich mit Facebook Credits möglich.

Dieses Bezahlsystem wird schon genutzt, um zum Beispiel die Teilnahme an Spielen wie Farmville oder Mafia Wars abzurechnen. Dieser Schritt könnte auch damit zu tun haben, dass EA zunehmend Druck von seinem schnell wachsenden Konkurrenten Zynga  bekommt. Schon durch den Kauf von Spieleentwickler Playfish Ende 2009 hatte sich EA noch fitter für den Markt zu machen versucht. Immerhin kann das Unternehmen mit Pet Society, Restaurant City und Country Story bereits jetzt sehr erfolgreiche Facebook-Spiele vorweisen. Nun soll der Katalog schon bald um eine Reihe bekannter Titel erweitert werden, unter anderem Monopoly und Pogo Games.

Türkei sperrt YouTube

Die Türkei hat wegen heimlich gedrehter Schlafzimmer-Aufnahmen von einem Politiker erneut die Videoplattform YouTube verboten. Ein Gericht in Ankara habe die Sperrung der zum Google-Konzern gehörenden Internetseite angeordnet, berichtet die amtliche Nachrichtenagentur Anatolian. YouTube habe sich geweigert, das heimlich aufgenommene Video eines früheren Oppositionsführers und einer Frau von der Internetseite zu entfernen.

Das Verbot erfolgte nur wenige Tage nach der Aufhebung eines mehr als zweijährigen Verbots. Beim Versuch die YouTube-Seite zu öffnen erschien am Mittwoch die Nachricht, die türkische Telekommunikationsaufsicht habe die Seite gesperrt.

lis/rtr

Herr der Ringe online ist unbezahlbar

Den Weg am Kassenhäuschen vorbei können sich die Fans von Herr der Ringe Online (Lotro) zukünftig sparen. Lotro-Spieler in Europa haben ab sofort die Möglichkeit, das Game gratis herunterzuladen und zu spielen . Was die Zockerkollegen in den USA schon seit September können, steht jetzt auch diesseits des Atlantiks zur Verfügung: die freie Auswahl zwischen der Basisversion zum Nulltarif und Erweiterungen und zusätzliche Ausrüstungsgegenstände. Dieses Premiuminhalte sind ebenso kostenpflichtig wie der Aufstieg zum Vip-Member. Mit diesem Free-to-Play-Angebot konnte der Anbieter Turbine seine Umsätze in den USA schon kräftig erhöhen. Kein Wunder, findet "Chip", denn die Gamer haben nun kostenlosen Zugriff auf eine Spieleumgebung, wie sie eigentlich nur im Hochpreis-Segment anzutreffen ist .

Filesharing offline

Der Datenaustausch über tote Briefkästen ist eigentlich ein Relikt aus den Spionageszenarien des Kalten Krieges. Doch der derzeit in New York lebende Künstler Aram Bartholl hat dieses Prinzip wieder zum Leben erweckt und modernen Zeiten angepasst. Als tote Briefkästen dienen nun USB-Sticks, von denen er fünf an verschiedenen Orten in der Stadt angebracht hat. Entweder durch Einbetonieren oder durch sonstige Klebemittel. Damit erschafft Bartholl "ein anonymes, Offline-Filesharingnetzwerk im öffentlichen Raum", wie der Künstler schreibt . Ob in einer Hauswand, ob in einer Treppenstufe, jeder kann hingehen, seinen Laptop anschließen und dort Daten seiner Wahl hinterlassen oder herunterladen. Wie vermieden wird, dass sich die eingemauerten Datenstöpsel im Handumdrehen in üble Virenschleudern verwandeln, verrät Bartholl leider nicht.

Auch das noch:

Mehr lesen über