Netzwelt-Ticker Googles heimliche Ebay-Klage
Als der australische Ebay-Ableger Anfang des Monats ankündigte, Auktionen künftig nur noch via Paypal abzuwickeln, war das Geschrei groß. Nicht nur bei Kunden, die sich gegängelt fühlten, sondern auch bei Banken und anderen Online-Bezahldiensten, die nun von Ebayausgeschlossen werden sollten. Ebay weißt alle Vorwürfe zurück: Mit diesem Zug mache man die Onlinezahlungen nur sicherer - wer das nicht wolle, könne doch woanders sein Glück suchen.
In der Zwischenzeit gingen aber bei der australischen Wettbewerbs und Verbraucherbehörde ACCC zahlreiche Beschwerden ein, die diese anonym auf ihrer Website veröffentlichte. Eine dieser Beschwerden weckte das Interesse eines Lesers des AuctionBytes-Blogs . In den Metadaten des abrufbaren PDF-Dokuments fand er Hinweise darauf, dass Google hinter der Beschwerde steckt: Der ehemalige Dateiname des Dokuments lautete "ACCC Submission by Google re eBay Public 2.DOC." Das 38-seitige Dokument wirft Ebay vor, "substantiell den Wettbewerb behindern zu wollen". Ebays Handeln führe zu einer signifikanten Verringerung von Wahlmöglichkeiten und zu einem Qualitätsverlust bei Online-Zahlungen in Australien.
Ars Technica findet daran einen Haken : "Googles Beschwerde überrascht nicht, betreibt Google doch den PayPal-Konkurrenten Google Checkout." Die ACCC verkündete bereits, noch vor dem Start der neuen Ebay-Regelung eine Entscheidung fällen zu wollen. Damit könnte auch eine globale Umsetzung der Paypal-only-Pläne stehen und fallen, mutmaßt der "Sydney Morning Herald" .
Wii macht fit, nur wie fit?
Nintendos Spielkonsole Wii hat es bereits in den Rang eines ernstzunehmenden Gymnastikballs geschafft: In Rehabilitationszentren rund um die Welt wird die innovative Standwaage als Sportgerät mit Spaßgarantie eingesetzt. Doch hält die Wii ihr Fitnessversprechen auch? Forscher der University of South Carolina sollen das nun laut "Cnet" im Rahmen eines Forschungsprojekts herausfinden, das tüchtig mit einem Stipendium der Robert-Wood-Johnson-Stiftung unterstützt wird.
Die Studie dauert zwei Jahre und soll letztlich Videospielen einen Sinn geben: "Wir suchen neue positive Dinge, die man mit Videospielen tun kann," bringt das Debra Lieberman, Direktorin des Health Games Research Center auf den Punkt. Und: "Ein 'gutes' Spiel, das Menschen hilft, sich selbst zu verbessern, könnte all die zeitverschwenderischen Spiele da draußen ersetzen." Na gut, dann lassen wir das halt mit dem entspannenden Spiel und widmen uns der harten Arbeit am Selbst. Jeder ist eben seines eigenen Glückes Schmied, und jeder fängt in dieser Charakterklasse auf dem untersten Level an.
Urheberrechtskontrolle am Flughafen
Hinter verschlossenen Türen, so Erich Moechl von der ORF Futurezone , verhandeln EU-Kommission und US-Behörden über ein neues Abkommen zum Urheberrecht, das Tauschbörsenbenutzer kriminalisiert. Ohne Anlass sollten Zoll und andere Behörden in Europa Laptops, MP3-Player und andere Datenträger kontrollieren und nach "illegalen" Inhalten durchsuchen können. Eigentlicher Aufreger ist aber die Art und Weise, wie diese Verhandlungen zustandekommen und inwieweit Einzelinteressen, zum Beispiel der Unterhaltungsindustrie, schwere Eingriffe in die Bürgerrechte antreiben. Ein spannender Artikel.
Metallica und das Internet
A propos Piraterie: Unvergessen die Tiraden von Metallica-Drummer Lars Ulrich gegen den Musiktauschservice Napster, mit guten und weniger guten Gründen: "Es geht um Kontrolle." Während aber in den vergangenen Monaten immer mehr Künstler ihren Majorlabels den Rücken kehren und mit eigenen Indie-Labels und Distributionsmöglichkeiten im Netz experimentieren Radiohead, Nine Inch Nails verweigerten sich Metallica dem Netz bis zuletzt.
Acht Jahre nachdem Lars Ulrich noch mit einem 60.000-Seiten langen Ausdruck aller Napster-Nutzer, die Metallica-Dateien tauschten, für Aufregung sorgen konnte, wagten sich die Rocker ins Netz . "Mission: Metallica" sind die ersten Gehversuche der 80er-Ikonen im Internet. Für Wired-Leser ein gefundenes Fressen: "Does sucktallica still exist to the younger generation?", so einer von vielen bitterbösen, aber treffenden Kommentaren .
Mac OS X-Update 10.5.3, pünktlich tanzen mit Google
Nach all der Aufregung um Urheberrechte, Langhaar-Rocker und Online-Zahlungen ist jetzt Zeit für etwas Entspannung. Apple hat Mac OS X mal wieder ein bisschen aufgemöbelt . Ein paar Dutzend Verbesserungen am Programmiercode, ein paar Sicherheitslücken gestopft und ein längst überfälliges Feature hinzugefügt: Endlich, endlich, endlich können iPhone-User ihr Mac-Adressbuch mit Google Contacs synchronisieren. Fehlt nur noch eine echte Sync-Möglichkeit mit Google Calender, dann wär' die mobile Online-Welt ein wenig heiler.
Weitere Meldungen