Netzwelt-Ticker Hacker und Gendarm
In der Regel ist die Polizei an Öffentlichkeitsarbeit sehr interessiert, aber letzte Woche ging der Fernsehauftritt eines Polizisten nach hinten los. Im Fernsehmagazin "Four Corners" berichtete Neil Gaughan, Chef einer High-Tech-Abteilung der australischen Polizei, von einer Aktion gegen den Administrator eines Hackerforums. Sein Aufenthaltsort in Melbourne war von der Polizei durchsucht worden. Danach verschafften sich die Beamten heimlich Zugang zum Forum namens r00t-y0u.org, in dem sich immerhin an die 5000 Mitglieder tummeln und begannen, weiteres Beweismaterial zu sammeln. "Wir können uns da unbemerkt und ohne Gefahr bewegen", prahlte Gaughan im Fernsehen.
Was er nicht wusste: den Mitgliedern des Forums war die Polizeiaktion gegen ihren Administrator zu Ohren gekommen. Und sie schlugen zurück. Ein Hacker drang nun seinerseits ins Polizeinetzwerk ein und gelangte bis zu vertraulichen Daten wie Beweismaterial in diversen Ermittlungen. Der unmittelbare Anlass für den elektronischen Einbruch scheint eine ziemlich provozierende Botschaft gewesen zu sein, die auf der r00t-y0u.org-Seite veröffentlicht worden war. In der warnte die Polizei die Forenmitglieder, sie stünden sämtlich unter Überwachung und es seien bereits mehrere Verhaftungen erfolgt. Auf einer anderen Webseite wurde die Polizei verhöhnt : "Sie tun so, als ob sie Hackern ernsthaft schaden könnten, aber sie haben höchstens ein paar Script Kiddies geschadet."
Grundsätzlich sollte die Polizei die Gefahr von Hackerattacken künftig etwas ernster nehmen. Die Peinlichkeit, die dem allen noch das Sahnehäubchen aufsetzte: Der betroffene Polizeiserver und sein Datenbankprogramm waren nicht einmal durch ein Passwort geschützt.
Release Candidate von Microsoft Exchange 2010 ist draußen
Microsoft hat jetzt den Release Candidate seiner Groupware Exchange 2010 vorgestellt . Zwar ist die Vorabversion nur auf Englisch zu bekommen, dafür enthält sie sämtliche Features, die auch für die finale Version vorgesehen sind. Neu ist unter anderem ein Warnhinweis schon vor dem Versand von E-Mails, zum Beispiel dann, wenn das Postfach des Empfängers zu klein oder schon voll ist. Sprachnachrichten können nach Bedarf in Text umgewandelt werden, auch die Archivierungsfunktionen wurden weiter ausgebaut. Das Vorab-Exchange scheint ohne eingebautes Verfallsdatum daherzukommen, wer später auf die Final aktualisieren will, soll keine Neuinstallation benötigen.
Anders sieht das für die Nutzer des ersten Release Candidate von Windows 7 aus. Hier gilt es gleich zwei Stichtage zu beachten. Die Testversion von Microsofts neuem Betriebssystem kann noch bis zum 1. Juni 2010 frei installiert und verwendet werden. Allerdings endet am morgigen 20. August die Möglichkeit, die Software herunterzuladen, danach ist Schluss. Interessenten müssen dann bis zum 22. Oktober warten, dann kommt das fertige Windows 7 auf den Markt .
Offizielle Wikipedia-App fürs iPhone
Wikipedia-Apps für Apples Kulthandy gab es ja schon einige, nun kann die Online-Enzyklopädie auch über eine offizielle Anwendung benutzt werden. Die Wikimedia Foundation stellte jetzt ihre App Wikipedia Mobile vor , die kostenlos über den App Store verteilt wird. Die Anwendung ist simpel und ohne jeden Schnickschnack gehalten, die Anwender können damit Wikipedia ansteuern, Texte und Bilder laden, mehr aber auch nicht. Für die Bearbeitung von Seiten oder das Abspeichern von Favoriten, also Funktionen, die andere inoffizielle Wiki-Apps beherrschen, sucht man hier vergeblich. Die Macher sollten zumindest darüber nachdenken, das Speichern von Einträgen für die Offline-Lektüre in die App einzubauen.
Google Street View Schweiz am Start
Während sich Datenschützer nach wie vor mit dem Suchmaschinisten Google darüber streiten, wie weit dessen Fotografen den Leuten in die Vorgärten gucken dürfen, sind neue Länder ins Street-View-Programm aufgenommen worden . Jetzt können ganze Straßenzüge in der Schweiz, in Portugal und in Taiwan in Rundum-Ansicht bestaunt werden. Außerdem planen die Macher, in Zukunft neben normalen Straßen auch weitere Sehenswürdigkeiten in den Focus zu rücken. Dazu gehört das bereits vor einem Monat dazugekommene Disneyland Paris genauso wie Legoland USA oder zwei Autorennstrecken.
San Francisco stattet Bushaltestellen mit kostenlosen Solar-Hotspots aus
Die Wartezeit auf den Autobus könnte zukünftig sehr viel kurzweiliger werden, wenn man im kalifornischen San Francisco wohnt. Dort beabsichtigen die Stadtväter nämlich, bis zum Jahr 2013 360 Bushaltestellen in Gratis-W-Lan-Hotspots umzuwandeln . Dazu werden die Wartehäuschen mit Solarzellen ausgestattet, die den Saft für die funkgestützten Internetzugänge liefern. Wird mehr Strom produziert als benötigt, speisen ihn die Wartehäuschen ins städtische Stromnetz ein. Und nachts können die Haltestellen mit LEDs beleuchtet werden. Ob sich die Umrüstungskosten von 30.000 Dollar für jede einzelne Haltestelle wirklich rechnen, ist jedoch angesichts des auch in den USA grassierenden Vandalismus nicht ganz klar.
Italien: Regierung will Gegendarstellungsanspruch auch für Blogs
Wer der Meinung ist, über ihn sei die Unwahrheit verbreitet worden, hat seit alters her das Recht zur Gegendarstellung. Das gilt für Medien wie Zeitungen oder Fernsehen, in Italien bald auch für den Bereich von online publizierten Texten.
Davon sind hauptsächlich Blogs betroffen. Der Knackpunkt am Gesetzesvorhaben ist der enge Zeitrahmen, innerhalb dessen ein Blogger eine Gegendarstellung veröffentlichen muss. Der beträgt nämlich gerade zwei Tage, danach wird eine Geldstrafe von 10.000 Euro fällig .
Eine Regelung, die große Medientitel und deren gut besetzte Rechtsabteilungen nicht sonderlich schrecken dürfte, für Otto Normalblogger aber das finanzielle Aus bedeuten könnte. Beobachter sehen darin einen erneuten Vorstoß der Regierung Berlusconi, einen ihr gegenüber zumeist sehr kritisch eingestellten Medienbereich an die Kandare zu nehmen. Schon 2007 waren Pläne an heftigen Protesten gescheitert, die jeden Blogger zur offiziellen Registrierung bei einer Behörde mit komplettem Namen und Adresse sowie der Entrichtung einer Steuer gezwungen hätten.
Im Juli legten Italiens Blogger einen Streiktag ein, um gegen das Gesetzesvorhaben von Justizminister Alfano zu protestieren. Ob es im Herbst den Senat passieren wird, ist derzeit noch völlig unklar.
Datenschützer gegen SMS-Klo
Im schwedischen Malmö haben sich die Verantwortlichen ein lustiges Gimmick für alle ausgedacht, die aufs stille Örtchen müssen und dafür eine städtische Toilette aufsuchen. Vor der Benutzung muss keine Münze mehr eingeworfen, sondern die Lizenz zur Erleichterung durch eine SMS-Nachricht gekauft werden. Die Datenschützer vom schwedischen Datenschutzinspektorat finden diese Einrichtung allerdings nicht ganz so lustig und wollen von der Stadtverwaltung Malmö erfahren, wie lange eigentlich die Telefonnummern der Toilettenbenutzer gespeichert werden und wer überhaupt Zugriff auf diese Daten hat.
Die virtuelle Toilettenschlüssel waren angeschafft worden, nachdem es bei verschiedenen Bedürfnisanstalten in Parks wiederholt zu Vandalismus gekommen war.
Wie Spammer Obama-Hassern Malware unterjubeln
In den USA gehen die Wogen im Streit um Präsident Obamas Gesundheitsreform derzeit hoch und zeitigen teilweise absurde Auswüchse. Die allgemeine Erregung machen sich Spammer zunutze, indem sie als Trittbrettfahrer des Zorns der Obama-Gegner auftreten. Dieser Tage macht im Netz das Angebot die Runde, es der Regierung und dem Präsidenten mal so richtig zu zeigen und die offizielle Webseite Obamas mit einer DDoS-Attacke lahm zu legen. Dazu müssten sich Interessenten nur ein kleines Programm installieren, um an der Aktion teilzunehmen .
Wer darauf hereinfällt, holt sich allerdings Malware auf den Rechner. Sicherheitsexperten sind sich noch nicht ganz einig, ob davon infizierte Computer sich nun in ferngesteuerte Zombies verwandeln oder nicht.
Außerdem:
- Pannenstatistik: Apple und Asus liegen vorn
- Teures Gedudel: MySpace schaltet automatisches Abspielen von Profilsongs ab