Netzwelt-Ticker: Hacking the Homeland - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Hacking the Homeland

Apple hat ein Loch im Fernseher, das iPhone sorgt für einen Zeitarbeits-Boom, bald soll es dreimal mehr Spiele für die PS3 geben, die CIA lässt die Hose runter und die IT-Stümper von Pentagon und US-Heimatschutz werden gegrillt. Das und mehr im Überblick.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

iPhone-Launch: AT&T stellt 2000 zusätzliche Mitarbeiter ein

Nächste Woche geht Apple mit seinem iPhone an den Markt. In den USA läuft der Vertrieb exklusiv über den amerikanische Telekommunikationsriesen AT&T. Um den erwarteten Massenansturm auf die 1800 AT&T-Läden bewältigen zu können, wurden zusätzlich 2000 Zeitarbeiter eingestellt.

Seit der Vorstellung des Apple-Handys im Januar absolvierten AT&T-Angestellte circa 100.000 Trainingsstunden, die sich vor allem auf die Kundenberatung bezogen. AT&T-Sprecher Mark Siegel in Eweek über das iPhone : "Das ist ein so wichtiges Gerät, wir wollen sichergehen, dass die Leute auch richtig informiert werden." Aus diesem Grund soll es zunächst keinen Online-Verkauf der Mobiltelefone geben, die zwischen 500 und 600 US-Dollar kosten werden. Wenn am 29. Juni pünktlich um 18 Uhr Ortszeit der Startschuss fällt, werden die Manager wissen, ob das Training ausgereicht hat.

Loch in Apple TV

Während also die Vorbereitungen für den Handyverkauf bei Apple in der Zielgeraden sind, gibt es an anderer Stelle gerade Ärger: Die Unterhaltungselektroniker meldeten dieser Tage eine Sicherheitslücke beim Apple TV . Das Leck in der Set-Top-Box könnte zu einem Pufferüberlauf und damit dazu führen, dass angeschlossene Geräte wie ein iPod, ein Mac oder ein PC von außen unter fremde Kontrolle oder sogar zum Absturz gebracht werden. Apple rät daher zum Update auf die Version 1.1 von Apple TV, die sei von dem Problem nicht mehr betroffen.

Filesharing: Dämpfer für RIAA

Die RIAA, der US-Verband der Musikindustrie, hat eine Schlappe im Kampf gegen ihre Angstgegner, die verhassten Filesharer erlitten, wie Ars Technica berichtet . Lorenzo F. Garcia, Richter im Bundesstaat New Mexico, verweigerte dem Ansinnen seine Zustimmung, Informationen über als Tauschbörsennutzer verdächtigte Studenten zu sammeln.

Der Grund für die Ablehnung dürfte vor allem darin liegen, dass die betroffenen Studenten nicht über die Untersuchungen informiert werden sollten und so keine Möglichkeit zu einer Stellungnahme gehabt hätten. Die RIAA hatte auf dieser Vorgehensweise bestanden, weil ansonsten ein "irreparabler" Schaden drohe.

Den konnte Richter Garcia ebenso wenig erkennen wie die Vereinbarkeit mit den gesetzlichen Bestimmungen. Die sehen nämlich vor einer Beweiserhebung zunächst die Verständigung der Prozessparteien über das Verfahren vor. Ars Technica wertet den Richterspruch als klare Ohrfeige für den Musikverband, der nun damit rechnen müsse, dass auch andere Richter dem Beispiel Garcias folgen. Das aber würde die entsprechenden Verfahren erheblich langwieriger und vor allem kostentreibender machen.

Sony: 380 neue Spiele für die PS3 noch in diesem Jahr

Sonys neue Konsole Playstation 3 verkauft sich gut, aber nicht gut genug. Also legt der Konzern noch eine Schippe drauf und kündigte insgesamt 380 neue Spiele an, die noch in diesem Jahr veröffentlicht werden sollen, wie Reuters meldet. Davon werden 200 Titel in den normalen Handel kommen, 180 sollen zum Herunterladen angeboten werden.

Wie groß dieser Sprung ist, wird im Vergleich zur Zahl der aktuell erhältlichen Spiele deutlich: im Moment sind einschließlich der Online-Titel überhaupt nur 150 Games für die PS3 zu bekommen. Mit dieser Maßnahme hoffen die Japaner, den Absatz ihrer Konsolen zu steigern und damit in der Verkaufsstatistik endlich den ungeliebten dritten Platz hinter Microsoft und Nintendo zu verlassen. Um die Gamer noch stärker zu binden, denkt man bei Sony derzeit außerdem über die Möglichkeiten eines Videoportals nach, auf dem die Spieler eigene Inhalte online stellen können.

USA: Kongress grillt Heimatschutzministerium

Den Anfang machte der Homeland-Sprecher Scott Charbo, der sich im Kongress einer Befragung unter dem Titel "Hacking the Homeland" stellen musste . Und die war hochnotpeinlich, denn alles kam auf den Tisch, vor allem die völlig unzureichenden Maßnahmen zum Schutz von Computern. Davon waren nicht nur eigentlich abzusichernde Systeme bei Airlines, Häfen und Flughäfen betroffen, auch die Computernetzwerke beim Heimatschutz selbst waren mehrfach Ziel erfolgreicher Hacker-Angriffe, eingeschleuster Viren oder Rootkits.

In den USA wird zur Abwehr von terroristischen und sonstigen Gefahren viel Geld in die Hand genommen, man gönnt sich mit "Homeland Security" sogar ein eigenes Heimatschutzministerium. Um so peinlicher, wenn dem finanziellen Aufwand nur sehr bescheidene Ergebnisse gegenüberstehen, die in diesen Tagen vor aller Öffentlichkeit ausgebreitet werden.

Der Kongress sprach Klartext: "Die Leitung des Ministeriums investiert nach wie vor zu wenig in IT-Sicherheit. Experten stimmen darin überein, dass Behörden 20 Prozent ihres IT-Budgets für Sicherheitsbelange veranschlagen sollten, wohingegen der Heimatschutz nur 6,8 Prozent aufwendet, um seine Systeme zu sichern."

IT-Stümper im Pentagon, CIA lässt Hose runter

Pentagon: Abschalten schafft Sicherheit

Der Homeland-Sprecher war allerdings garantiert nicht der einzige, der diese Woche gegrillt wurde. Denn auch an anderen Orten, an denen man es nicht erwarten würde, herrscht in punkto Datensicherheit große Schlamperei. Zum Beispiel im Pentagon, das am Mittwoch Ziel einer Hacker-Attacke wurde.

In ihrer Not wussten sich die Techniker des Verteidigungsministeriums nicht anders zu helfen, als 1500 Computer offline zu setzen und damit vom Netz zu nehmen, wie "Time" meldet . Die Verantwortlichen wollten sich nicht zu Einzelheiten äußern, kündigten aber am Donnerstag an, die Computersysteme würden "bald" wieder arbeiten. Auf die Frage, ob denn auch sein E-Mail-Account betroffen sei, erklärte Verteidigungsminister Robert Gates: "Ich schreibe keine E-Mails. Ich bin eine ziemliche Lowtech-Person."

Früher war auch nichts besser

Da blickt mancher lieber in die Vergangenheit, um sich mit den Erinnerungen an die gute, alte Zeit über die finstere Gegenwart hinweg zu trösten. Doch vergebens, denn auch früher schon ging nicht alles mit rechten Dingen zu. Wie wenig, ist seit gestern wieder ein bisschen klarer geworden.

Der amerikanische Geheimdienst CIA gab nämlich umfangreiches Datenmaterial aus dem Jahr 1973 frei . Die Unterlagen, intern auch als "Familienschmuck" bekannt, enthalten Angaben über die berüchtigsten Operationen der CIA. Attentatspläne, Menschenversuche, illegale Abhör- und Überwachungsaktionen von den fünfziger bis in die siebziger Jahre sind in dem 693 Seiten starken Konvolut enthalten.

CIA-Direktor Michael Hayden meinte dazu: "Vieles davon war schon in der Presse, aber das Material erlaubt einen ungeschminkten Blick auf eine andere Zeit und einen anderen Geheimdienst."

Tatsächlich wurden einige Inhalte - mit geschwärzten Stellen - bereits früher verschiedenen Untersuchungsausschüssen zugänglich gemacht, aber insgesamt blieb der "Familienschmuck" immer unter Verschluss. CIA-Chef Hayden kündigte die Freigabe weiterer Akten an, die vor allem Analysen sowjetischer und chinesischer Innenpolitik zwischen 1953 und 1973 enthielten.

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