Netzwelt-Ticker Informatik-Professor kritisiert Sony
Sony-Shop in Tokio: Sicherheits-Experten werfen dem Konzern Schlamperei vor
Foto: KIM KYUNG-HOON/ REUTERSSchwere Vorwürfe gegen Sony: Bei einer Anhörung vor dem ständigen Ausschuss für Energie und Handel des US-Repräsentantenhauses erklärte der IT-Informatik-Professor Gene Spafford von der Purdue University, dass Sony veraltete und unzureichend geschützte Software auf den Servern betrieb, die Mitte April Ziel eines großen Hack-Angriffs wurden. Schlimmer noch: Sony dürfte schon seit Monaten von der drohenden Gefahr gewusst haben. In einer schriftlichen Zeugenaussage erklärte Spafford, dass Sonys Software "arg veraltet" gewesen sei und dass Sony wohl "auf diese Gefahr hingewiesen worden" sei (schriftliche Zeugenaussage, PDF, 1,5 MB).
Spafford zufolge bezeugten Sicherheitsexperten schon vor Monaten Diskussionen in Internet-Foren, in denen über die veraltete, nicht gegen Sicherheitslücken geschützte und ohne Firewall-Schutz betriebene "Apache"-Software der Sony-Webserver gesprochen wurde. Berichte über diese Probleme seien zwei, drei Monate vor dem aktuellen Datenleck "in einem offenen Forum, das Sony-Mitarbeiter beobachteten" aufgetaucht.
Diese Aussagen decken sich mit der Angabe des französischen Hackers Mathieu Hervais, wonach Sony in den vergangenen Wochen mehrmals in Twitter-Nachrichten und E-Mails auf Sicherheitslücken des Playstation-Netzwerks hingewiesen wurde: "Ich und andere haben Sony auf schwerwiegende Sicherheitsbedenken hingewiesen, niemand hörte zu."
Sollten die Aussagen stimmen, dürfte das jenen Kunden Argumente liefern, die den Konzern mit einer Sammelklage für den angeblichen Datenschluder zur Rechenschaft ziehen wollen.
China richtet Internet-Patrouille ein
Laut "New York Times" hat die chinesische Regierung eine neue Regulierungsbehörde ins Leben gerufen, die "jeden Winkel des Internets" kontrollieren soll. Das "Staatliche Internet-Informationsbüro" solle neben anderem Online-Spiele, Videos und andere Veröffentlichungen im Netz überwachen und Regierungspropaganda fördern, Verstöße gegen die Regeln zur Veröffentlichung von Online-Inhalten untersuchen und ahnden und die riesigen Telekommunikationsunternehmen regulieren.
Für die "NYT" ist der Fall klar : Dies ist nur der neueste Zug im harschen Vorgehen Chinas Dissidenten und Kritiker.
SafeHouse.org: Mehr als nur eine Wikileaks-Konkurrenz
Das "Wall Street Journal" hat SafeHouse.com eröffnet, eine Informanten-Plattform, über die potentielle Quellen die amerikanische Tageszeitung anonym mit brisanten Informationen versorgen können sollen. Aber ist dieses Angebot wirklich ein "Wikileaks-Killer", wie der "Business Insider" meint?
Klar ist: SafeHouse ist der Versuch eines "journalistischeren" Wikileaks. So sollen die SafeHouse-Einreichungen von Redakteuren überprüft werden, Informanten werden gebeten, sich für Rückfragen gegenüber dem Blatt zu identifizieren. Eigentlich ein Standard-Vorgehen bei Zeitungen und Nachrichtenmagazinen, das Portal dürfte letztlich vor allem der Vervielfachung der Informanten dienen.
Doch IT-Sicherheitsexperte Jacob Appelbaum rät Informanten zur Vorsicht: die Leak-Plattform sei voller Sicherheitslücken, technischer und juristischer Natur, erklärt er über Twitter . Appelbaum bemängelt zum einen die fehlerhafte Implementierung des SSL-Protokolls zur sicheren Übertragung von Informationen über das Internet, zum anderen den Zugang über als unsicher geltende Verschlüsselungsmethoden. Ein Hacker könnte sich theoretisch zwischen Informant und Site schalten und die übertragenen Dokumente abfangen - ein Problem, das zeitweilig auch schon Wikileaks hatte ...
Dass die Anonymität der Informanten bei dem "WSJ"-Angebot geschützt sei, erklärt Appelbaum rundheraus zu einer "himmelschreienden Lüge". Das "WSJ" handele fahrlässig und SafeHouse sei" das falsche Projekt , um es an einem offenen Internet in unfertiger Version auszuprobieren."
Doch nicht genug: Kritiker haben in den SafeHouse-Nutzungsbedingungen eine bedenkliche Passage entdeckt, wonach sich das "WSJ", "solange es keine getrennte Verschwiegenheitserklärung gibt, das Recht vorbehält, den Exekutivorganen oder einer Drittpartei ohne Hinweis jedwede Information über sie mitzuteilen, um entsprechenden Gesetzen und/oder Ersuchen in Rahmen eines juristischen Prozesses, gerecht zu werden, um unsere Systeme ordnungsgemäß zu betreiben, das Eigentum oder die Rechte von Dow Jones oder jeder angeschlossenen Firma und die Interessen anderer zu schützen."
Kurz: Um den Informanten und seine Information zu enttarnen. Wird so eine Informanten-Plattform Erfolg haben?
Syrien: Staatlicher Hackangriff auf Facebook?
Hat die syrische Regierung einen Hack-Angriff auf syrische Facebook-Mitglieder veranlasst? Zu dieser Vermutung kommen mehrere Menschenrechtler, denen Informationen über Merkwürdigkeiten beim Facebook-Login zugespielt wurden. Einige syrische Surfer seien über eine seltsame Warnung des Browser gestolpert, wonach ein Facebook-Sicherheits-Zertifikat ungültig sei - ein Hinweis darauf, dass jemand Facebook-Einwahlversuche auf einen eigenen Server umleitet, etwa um Zugangsdaten auszuhorchen. Zwar sei der Hack-Angriff "ziemlich amateurhaft", urteilt die amerikanische Electronic Frontier Foundation (EFF) - nichtsdestotrotz könnten Angreifer bereits viele Zugangsdaten damit abgefischt haben.
Aber steckt wirklich der Staat hinter diesem plumpen Abhörversuch? Dazu kann es derzeit nur Vermutungen geben - bei einem ähnlichen Vorfall im Iran Ende Märzetwa, meldete sich nach anfänglichen Verdächtigungen, die iranische Regierung stecke dahinter, ein großmäuliger Hacker zu Wort und drohte mit der Herausgabe von Informationen über die Teilnehmer der gescheiterten "Grünen Revolution".
Für den Nerd von Welt
Quatsch am Freitag: Diese Plüschohren reagieren angeblich auf die Hirnwellen des Trägers. Mehr gibt es dazu wirklich nicht zu sagen (außer: Ohhhh).
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