Netzwelt-Ticker: McCains Vize unter Hackerverdacht - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker McCains Vize unter Hackerverdacht

Im Netz kursieren Gerüchte, wonach sich Sarah Palin, John McCains Vize-Kandidatin für die US-Wahl, unerlaubt und mit Hackermitteln Zugang zum Computer eines Kollegen verschafft haben soll. Kann das stimmen? Außerdem: Ballerspielverbot, interaktive Fernsehwerbung und ein Wissenschafts-Wiki.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

War Sarah Palin, die republikanische Vizepräsidentschaftskandidatin, eine Hackerin? Um an geheime Daten auf dem Computer eines Kollegen zu gelangen, so geht ein Internet-Gerücht, habe sich Palin in dessen Computer gehackt. Es ging darum, ihm Verstrickungen mit der Ölindustrie  nachzuweisen, die dessen Rolle in der staatlichen Kommission für Öl- und Gasbohrungen im US-Staat Alaska in Frage stellen könnten.

Dieser Teil der Gerüchte ist wahr: Palin verschaffte sich zu ihrer Zeit als Vorsitzende der Kommission tatsächlich Zugriff auf den Kollegenrechner. Wohl mit Hilfe eines Administrators konnte sie sich regulär in den Computer einloggen, den Windows-Papierkorb untersuchen, belastende Dokumente und E-Mails identifizieren. Die Hacker-Geschichte, so wie sie das Wired-Blog beschreibt, klingt aber wenig dramatisch: Palin tat demnach nur, wir ihr befohlen - vom stellvertretenden Justizminister Alaskas . Keine Illegalität, keine technische Brillanz: Ein echter Hack sieht anders aus.

Österreich: Erster (fast) interaktiver TV-Werbespot on air

Im österreichischen Staatsfernsehen läuft seit einer Woche ein interaktiver Werbespot für eine Automarke. Eine Nachricht auf ORF Futurezone  erklärt, warum das, was nach Fliegende-Autos-Zukunft klingt, eigentlich eine ganz schön lahme Ente ist: Während des TV-Spots fordert eine Einblendung den Zuschauer auf, sich im MultiText, einem digitalen Videotext , weiterführende Produktinfos anzuschauen. In den fortschrittlichen Genuss dieser Zukunftswerbung kommt allerdings nur, wer einen Multitext-fähigen Empfänger für DVB-T-Fernsehsignale hat - und Lust, sich freiwillig und zusätzlich umwerben zu lassen.

Da fragt sich ein Futurezone-Leser: Was ist daran eigentlich interaktiv? Man bekommt doch nur eine Zusatzinformation. "Interaktiv ist da außer dem Ausschaltknopf gar nichts."

Ein Wissenschaftler-Wiki, das nichts vergisst

Der Psychologe Robert Hoffmann entwickelt ein Wiki - also eine Website, die Nutzer nicht nur lesen, sondern auch verändern können. Und zwar eins, das sich merkt, wer was geschrieben hat. Damit könnten Leser immer genau ihre Quellen kennen und benennen. Das Problem mit herkömmlichen Wikis sei doch, so die Pressemeldung auf mememoir.org , das Halbsatzkuddelmuddel auf Angeboten wie Wikipedia: Der eine schreibt was, der andere korrigiert einen Halbsatz, ein Dritter fügt noch ein Wort ein. Wie soll man da noch wissen, was von wem kommt?

Natürlich durch Recherche im Wiki-Archiv. Das offenbart auch in herkömmlichen Mitmachseiten bis aufs kleinste Satzzeichen die fragliche Autorenschaft. Doch wer macht sich schon diese Mühe? Ordentliche Autorenschaft sei aber enorm wichtig für Wissenschaftler; um anständig wissenschaftlich arbeiten zu können, um ordentlich mit Zitaten und Referenzen bedacht zu werden.

Robert Hoffmanns Lösung ist ganz einfach: Wo in herkömmlichen Wikis einfach nur ein Link auf einen anderen Artikel verweist, verbirgt sich zum Beispiel im Gen-Wiki Wikigenes.org hinter jedem Link auch ein Autorennachweis. Einfach Mauszeiger drauf und lange die Maustaste gedrückt halten. Theoretisch ginge das bei jedem Wort. Das sieht aber blöd aus und macht keinen Spaß. Nicht mal Wissenschaftlern. Für die plant Hoffman mit seinem Mememoir-Projekt aber Großes. "The Register"  sagte er: "Wir wollen das Publizieren in allen Wissenschaften revolutionieren. Mit einer Wissensdatenbank, die offen ist für alle und alle Disziplinen; die den Altruismus der Wikis mit eindeutiger Autorenschaft verbindet.”

Bayerns Innenminister will erneut Verbot von "Killerspielen"

"Ich halte den derzeitigen Jugendschutz bei Computerspielen für völlig unzureichend." Bayerns Innenminister Joachim Herrmann rief zu einer Expertenrunde nach Berlin und Christian Pfeiffer, umstrittener Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen und der Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Uhl folgten. Dabei zeigten sie allen Baller-Afficionados mal wieder, wo der konservative Hammer hängt: "Wir brauchen ein Bündel an Maßnahmen, an deren erster Stelle ein ausdrückliches Herstellungs- und Verbreitungsverbot virtueller Killerspiele im Strafgesetz mit Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr oder einer empfindlichen Geldstrafe steht."

Golem.de  schrieb mit: Als Innenminister könne Herrmann nicht tatenlos zusehen, wie "eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen" drohe, gegenüber Gewalt abzustumpfen und durch sinkende schulische Leistungen für "unserer Gesellschaft verlorenzugehen". Der Untergang des Fernsehabendlandes mal wieder. Die markigen bis absurden Worte könnten aber auch den Landtagswahlen in Bayern zugeschrieben werden: Umfragen zufolge droht der CSU am 28. September die Mehrheit in der Volksvertretung  verloren zu gehen.

Weitere Meldungen

  • Trotz Passworteingabe steht das iPhone Möchtegernhackern sperrangelweit offen: Wer auf ein gesperrtes Apple-Handy zugreifen will, muss im richtigen Moment doppelklicken. Doch statt einem schnellen Patch vertröstet Apple genervte Kunden mit einer Notlösung .
  • Noch vor der Hauptverhandlung hat ein Gericht einen mutmaßlichen Filesharer zu 40.000 Dollar Schadensersatz verdonnert - weil er nach Eingang der Klage Beweismittel manipulierte .
  • Zwei Spieleentwickler entwerfen zehn Grundrechte der Computerspieler .
  • Nokia  hat nach eigener Aussage mehr zu bieten als Apple.
  • Und von wegen es gibt keine LCoS-Mini-Beamer: Die Chip-Spieler sind längst in Kamerasuchern im Einsatz, im Oktober kommt der erste LCoS-Mini-Beamer auf den Markt.

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