Netzwelt-Ticker: MySpace, die Leichenkartei - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker MySpace, die Leichenkartei

Laut einer Studie sind Minderjährige bei der MySpace-Nutzung weit umsichtiger als erwartet; dafür gibt es offenbar viel mehr Karteileichen als behauptet. Die "Netzeitung" wird von ihren Chefs verlassen, Microsoft steigt in die Computerspiel-Werbung ein.
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Das Soziale Netzwerk MySpace geriet in letzter Zeit zunehmend unter Beschuss: Personaler, die in den Profilen von Bewerbern nach Sauf-Eskapaden forschen; Sicherheitslücken, über die Schadcode- und Phishingangriffe ausgeführt wurden; und erst gestern kam zutage, dass in den USA mindestens 29.000 amtlich bekannte Sexualstraftäter ein MySpace-Profil hatten

Vor allem Teenager, so die Forderung, müssten vor den Gefahren, vor sich selbst geschützt werden. Wunderbare Erwachsenenwelt - denkt sich da der ein oder andere Heranwachsende - was wisst ihr Analphabeten der digitalen Welt schon über uns digitale Eingeborene?  

In einer Studie nahmen sich zwei Forscher, der Kriminologe Sameer Hinduja von der Florida Atlantic Universität und Justin Patchin, Politikwissenschaftler der Universität von Wisconsin, der Jugendlichen und ihres vermeintlichen Leichtsinns an. Das Ergebnis: Von 9282 zufällig ausgewählten Testprofilen gehörten 2423 Profile Benutzern unter 18 - zumindest laut Eigenangabe.

948 davon waren auf "privat" geschaltet, konnten also nur von Freunden eingesehen werden. In den restlichen 1475 gaben 12 Prozent der Nutzer ihren vollen Namen, 28 Prozent den Namen ihrer Schule und 81 Prozent ihren Wohnort an - jedoch veröffentlichten nur 0,3 Prozent ihre Telefonnummer. In vier Prozent der Fälle gab es Instant-Messenger-Kontaktdaten, in einem Prozent eine E-Mail-Adresse. Über die Hälfte der Profile war mit einem Foto bestückt.

Der Forscher letzter Schluss: The Kids are alright - und längst nicht so blöd wie angenommen.

Soweit keine Neuigkeiten also in der Zusammenfassung der AFP.  Eins aber gab die Untersuchung her, das zu Zunder werden könnte: Von 9282 Profilen waren sechs Prozent deaktiviert, nicht mehr aktiv oder sonstwie ungültig. Drei Prozent der Profile wurden von Musikern ins Netz gestellt, die ihr Werk bewerben wollten. Und von den 1475 Profilen der Jugendlichen war knapp ein Drittel schon seit mehr als drei Monaten nicht mehr in Benutzung, circa fünf Prozent nicht mehr seit einem Jahr. MySpace gibt an, dass 100 Millionen Nutzer aktiv ihr Angebot nutzen. Die beiden Forscher stellen das infrage: "Unsere Studienergebnisse legen nahe, dass die Zahl der aktiven Nutzer deutlich kleiner ist."

Chefredakteure verlassen "Netzeitung"

Die "Netzeitung" kommt nicht zur Ruhe: Erst wechseln die Eigentümer, nun verlassen auch noch die beiden Chefredakteure das Unternehmen. Nur sieben Monaten blieben sie im Amt. "Netzeitung"-Geschäftsführer Robert Daubner bestätigt SPIEGEL ONLINE: "Das ist eine einvernehmliche Trennung, angestrebt ist eine weitere Zusammenarbeit mit beiden für die NZ und den Konzern." Die Chefredaktion solle "kurzfristig und nahtlos intern" besetzt werden, so Daubner. Vorgeschichte: Ein Besitzerwechsel, interne Querelen und die Ankündigung einer radikalen Neuausrichtung

Spiel-Werbung: Microsoft kooperiert mit Electronic Arts

Softwareriese Microsoft und Spiele-Marktführer Electronic Arts haben gestern bekannt gegeben, dass sie in Sachen Werbung in Computerspielen gemeinsame Wege gehen wollen. Microsoft liefert die Werbung, die EA zunächst erstmal nur in den eigenen Sportspielen unterbringt: Das ist vor allem eine gute Nachricht für Microsoft, zeigt sich doch, dass der letztjährige 200-Millionen-Dollar Kauf der Ingame-Werbefirma Massive erste Früchte trägt.

Neben dem Ausbau der Internet-Werbung durch eine Kooperation mit dem Social-News-Portal Digg drängt Microsoft damit auch in den Markt der Computerspielwerbung. Letzterer schnappte sich erst im März den Massive-Konkurrenten Adscape für 23 Millionen Euro. Laut Reuters  lohnen sich die Ausgaben der Web-Giganten: 2005 war Ingame-Werbung erst circa 50 Millionen Dollar wert, in den nächsten Jahren soll diese Zahl aber die Milliardengrenze überschreiten.

Plattenfirma an Fans: Bitte benutzt Piratebay!

Das schwedische Plattenlabel Labrador (Suburban Kids with Biblical Names, Sambassadeur, Acid House Kings) hat ein Problem: Ihre kostenlose Sommer-Compilation ist 68 Tracks lang, im MP3-Format knapp 350 Megabyte groß - und legt den gesamten Label-Server lahm. Aber die Labradors lassen sich nicht lumpen : Sie bitten ihre Fans darum, den Sampler über den Bit-Torrent-Tracker Piratebay herunterzuladen .

Eine Plattenfirma schickt ihre Fans zum großen Feind der Plattenfirmen. Labrador hat womöglich erkannt, welches Potential - vom Öffentlichkeitswert der Mitteilung mal abgesehen - Filesharing für kommerzielle Anbieter haben kann. Spiele-Firmen - allen voran Blizzard und ihr Online-Rollenspiel "World of Warcraft" - setzen schon lange auf die Tauschkraft ihrer Kunden. Große Updatepakete können Server- und damit Geldbeutel-schonend verteilt werden, die User helfen sich gegenseitig mit dem Download. Denn wer über Bit-Torrent herunterlädt, leitet gleichzeitig die gewünschten Dateien an andere Downloader weiter. Der Vorteil für alle: konkurrenzlos hohe Downloadgeschwindigkeiten.

Wer sich selbst eine Grube gräbt...

... fällt selbst hinein. Im Falle von Todd Davis, einem selbsternannten Sicherheitsexperten des Sicherheitssystems LifeLock, gilt das gleich doppelt. Um das zu erklären, muss man ein wenig ausholen:

LifeLock soll Nutzer vor Identitätsdiebstahl bewahren. Wie gut das System funktioniert, wollte Todd Davis von LifeLock mal gleich selbst demonstrieren. Er veröffentlichte seine Sozialversicherungsnummer - ein heiliger Gral in Amerika - im Fernsehen und auf der eigenen Website.

"Mein Name ist Todd Davis. Das ist meine Sozialversicherungsnummer: 457-55-5462" konnte man dort lesen. Ein Skandal! "Wie kann man nur so blöd sein?", fragte sich jeder. Jetzt wahrscheinlich auch Davis selbst: Ein Datendieb nahm sich seiner Sozialversicherungsnummer an und verschaffte sich damit einen Kredit über 500 Dollar.

LifeLock und dessen Mitgründer Robert J. Maynard Jr. gerieten unterdessen selbst wegen Identitätsdiebstahls unter Verdacht - wie das "Wired"-Blog zusammenfasst .

Aber zurück zu Davis - der war so erbost über die Dreistigkeit des Diebes, dass er eine Filmcrew engagierte, den angeblich geistig behinderten Dieb zur Rede stellte - und ihm letztlich sogar vor laufender Kamera ein Geständnis entlockte. Oder, wie sich später herausstellte, mit Drohungen erzwang. Davis Pech: Die Polizei bekam davon laut "Star Telegram" Wind  und stellte den Fall ein. So ein Geständnis sei vor Gericht wertlos, Davis habe sich selbst zu Richter, Jury und Vollstrecker erhoben.


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