Netzwelt-Ticker: MySpace stoppt Song-Uploads - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker MySpace stoppt Song-Uploads

MySpace muss nun auch verstärkt gegen Copyright-Brüche vorgehen, es gibt neue Software von den Riesen und Ärger für Programm-Fälscher, Motorola baut ein schickes Drittwelt-Handy, Malware mutiert, der Programmierer einer Bordkarten-Fälschseite bekommt Probleme. Das und mehr im Überblick.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Urheberrechtsschutz: Jetzt auch bei MySpace

MySpace.com wird "Audio-Fingerabdrücke" benutzen, um die eigenen User davon abzuhalten, urheberrechtlich geschützte Musik auf die Seite zu laden. Das gab News Corp, die Firma hinter MySpace am Montag bekannt, wie AP berichtet . Sämtliche Musikdateien, die in MySpace-Profilen herumlungern, werden nun unter die Lupe genommen. Dabei soll die MusicID-Software von Gracenote helfen, die Musikstücke automatisch erkennt, wie man auch beim Betreiber der Datenbank erfährt .

User, die immer wieder geschützte Werke in ihr MySpace-Profil stellen, sollen zukünftig für immer der Seite verwiesen werden. Wie das jedoch tatsächlich durchgesetzt werden soll – nur in den wenigsten Fällen dürfte das technisch überhaupt möglich sein – verrät MySpace jedoch nicht.

Mit dem immensen Erfolg – und sicherlich auch der zunehmenden Kommerzialisierung – von so genannten Web-2.0-Websites wie MySpace oder YouTube werden in letzter Zeit die Rufe der Unterhaltungsindustrie (deren verstoßene Brüder MySpace und YouTube sind) nach neuen alten Regelungen für die Verwendung von kreativen Werken online laut.

YouTube geht derweil den Weg, Werbeeinnahmen mit den Copyright-Inhabern zu teilen – und löscht Videos, deren eigentlicher Erzeuger diese nicht online haben will . Wie zum Beispiel Viacom, dessen Haha-Kanal Comedy Central für eine Menge Unterhaltungsstoff auf praktisch allen Videowebsites gesorgt hat.

Apple & Microsoft: Software-Updates und Jagd auf Fälscher

Sowohl Microsoft als auch Apple haben neue Produktversionen vorgestellt. Zum einen stellt Microsoft den neuen Media Player 11 vor, der MTVs Unterhaltungsangebot "Urge" einbindet, laut Microsoft zudem Videos und Albumcover per Vorschau navigierbar macht, die Synchronisation mit anderen Geräten verbessert, die Navigation vereinfacht, neue Ripping-Funktionen enthält und "die Grenze zwischen Onlineservice und Mediaplayer-Experience verwischt" – was immer das auch bedeuten mag. Als wirkliche Innovation bietet der WMP 11 dann noch, Audiodateien mittels Audio-Fingerabdruck selbständig zu erkennen und so zum Beispiel eine fehlerhafte Beschriftung von Dateien zu korrigieren. Kritisch betrachtet heißt das aber auch, dass man eine Liste seines Audioinventars an einen fremden Server schicken muss.

Apple hingegen versucht über ein Firmware-Upgrade einen Fehler zu beheben , der das MacBook dazu veranlasst, einfach so herunterzufahren und stellt eine neue Beta-Version von BootCamp ins Netz . Da die offizielle Liste der Verbesserungen aber quasi leer ist, bleibt zu vermuten, dass BootCamp 1.1.2 letztlich nur in Zukunft den neuen Intel Core 2 Duo unterstützt.

Und zu guter Letzt gab Microsoft laut Reuters  heute bekannt, gegen weltweit 55 Onlineanbieter von gefälschten Microsoft-Produkten juristisch vorzugehen. Ziel dieser Aktion seien Händler, die über Onlineauktionen gecrackte Microsoft-Produkte verkauften. Die wurden zunächst von Redmond verwarnt – wer der Warnung nicht nachkam, wird nun vor Gericht gezogen: 15 Fälle in den USA, zehn in Deutschland, zehn in den Niederlanden, fünf in Frankreich, fünf in Großbritannien, der Rest in Argentinien, Australien, Belgien, Korea, Mexiko und Polen.

"Gefälschte Software ist fehlerhaft und gefährlich, da Fälscher am eigentlichen Softwarecode herumspielen, was Identitätsklau und anderen Sicherheitsbrüchenverstößen Tür und Tor öffnet", so ein Microsoft-Anwalt. 34 Prozent der gefälschten XP-Versionen, die Microsoft im Juni dieses Jahres analysierte, ließen sich nicht auf einem Computer installieren, 43 Prozent wurden mit zusätzlichen Programmen geliefert, die nicht Teil des Betriebsystems seien. Gemeint sind dabei wahrscheinlich lediglich Generatoren für Seriennummern und Software-Werkzeuge, die Windowsfeatures wie den "Windows Genuine Advantage"-Check aushebeln.

Noch mehr Trickwürmer

Es scheint die Zeit der kreativen Malware-Ansätze gekommen zu sein. Nach allerlei Übelcode-Innovationen – Malware mit eigenem Virenscanner, Baustein-Malware, Erpresser-Malware – schreibt Infoworld über den Massenmail-Wurm Warezov  (oder auch Stration oder Stratio), der akut nicht sonderlich gefährlich ist, aber über einen Trick Sicherheitsfirmen noch einiges Kopfzerbrechen bereiten könnte. Denn anstatt in sich selbst Mutationsalgorithmen zu transportieren, die Antivir-Hersteller entziffern und für eigene Zwecke einsetzen können, setzt Warezov auf Outsourcing. Der Wurm verändert sich ständig – indem er aus einer Reihe von Websites neuen Programmcode herunterlädt und in sich integriert. Damit wird es deutlich schwieriger für Antivir-Programme, diesen Wurm zu entdecken.

Doch Warezov ärgert die Virenjäger bereits jetzt – indem er einfach nichts tut. Er verbreitet sich munter, verändert sich, baut ein riesiges Netzwerk. Aber nichts weiter. Ob bald erst der richtige Warezov-Zoff anfängt oder der Wurm einfach nur eine Projektstudie ist, finden hoffentlich zuerst die Antivir-Programmierer heraus, bevor es die Anwender merken.

Motorola baut Hightech-Simpelhandy

Statt immer noch wilderen Features, noch mehr Designschnickschnack und seifenblasiger Robustheit will Motorola mit dem für Ende des Jahres geplanten Motofon einen anderen Weg beschreiten, so Technologyreview . Nur Basisfeatures, riesiges Display und gerade einmal neun Millimeter dick. Und ein Display, das dank elektronischer Tinte nicht nur sehr energiesparend ist, sondern auch bei hellstem Sonnenlicht problemlos abgelesen werden kann. Und zu alledem könnte Simpelhandy sogar mit einem Fahrrad-Dynamo aufgeladen werden.

Somit sei das Motofon beispielsweise ideal für einen Markt, der weniger auf teuren Schnickschack schaut, sondern Erreichbarkeit zum Beispiel auch in Situationen ohne fließenden Strom einfordert – und zudem nur einen Bruchteil seiner direkten Konkurrenz, dem Razr kostet. Indien und Kolumbien, so geht bei Technologyreview hervor, seien solche Märkte: Enormes Potential und ganz neue Ansprüche an die Hersteller.

Riesenbohei um Bordkarten-Generator

Wer hätte gedacht, dass sich der Online-Generator für Fake-Bordkarten zu einem Minithriller samt einer FBI-Festnahme und Beteiligung eines Abgeordneten des amerikanischen Kongresses entwickelt? Bestimmt nicht Christopher Sighoian, der mit einem kleinen Webtool eigentlich nur zeigen wollte, wie sicherheitslöchrig die Druckfunktion für eigene Bordkarten ist, die einige Fluggesellschaften anbieten. Edward Markey, Abgeordneter der Demokraten, rief die Bush-Regierung auf, Sighoian "sofort" festzunehmen – nicht wissend, dass US-Senator Schumer im April dieses Jahres quasi dieselbe Sicherheitslücke in einer Präsentation über Flugsicherheit ausnutzte.

Kurz nach dem Aufruf Markeys besuchte das FBI dann auch den 24-jährigen Informatikstudenten.  Mitten in der Nacht kehrten die Beamten zurück und beschlagnahmten in Abwesenheit Soghoians Computer "und andere wichtige Dinge". Am Küchentisch klebte der Durchsuchungsbefehl.

Doch zum Wochenende kam dann die Überraschende Wendung: Der Abgeordnete Markey verlautbart öffentlich: Oops! In einer langen Erklärung gibt Markey zu, mit dem Ruf nach Sighoians Festnahme zu weit gegangen zu sein. Der Junge sei ein Informatikstudent, der – zwar reichlich ungeschickt – doch nur auf ein wichtiges Sicherheitsproblem hinweisen wollte. Ein Gerichtsurteil solle milde ausfallen. Markey schlägt vor, das Heimatschutzministerium solle Sighoian lieber anheuern, um Beamten zu demonstrieren, wie einfach Sicherheitssysteme hintergangen werden können. Die ganze Geschichte in sieben Teilen gibt es bei Boingboing.net  mitsamt neuen Generatoren für Durchsuchungsbefehle, handgekritzelte Bordkarten und vielen netten User-Eingaben.

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