Netzwelt-Ticker: Neues iPhone schon entsperrt - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Netzwelt-Ticker Neues iPhone schon entsperrt

Der größte US-Internetanbieter Comcast drosselt die Netzanschlüsse seiner Kunden, über die Strafe dafür entscheidet nun die US-Telekom-Regulierungsbehörde. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Chiphersteller verklagt Uni, Schwarzmarkt wartet auf iPhone 3G - aber der iPhone-Start holpert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Jesushandy war noch nicht mal offiziell auf dem Markt, da hatte schon jemand die iPhone-2.0-Software geknackt . Beim ersten iPhone brauchten Hacker noch ein paar Monate dafür, das iPhone auch mit anderen Sim-Karten als denen der Vertragspartner zu bestücken und beliebige Programme darauf abspielen zu können.

Doch dank früher Beta-Tests der 2.0-Software, konnte das ominöse iPhone Dev Team schon früh Hand ans iPhone-Eingeweide legen – und veröffentlicht in den nächsten Tagen endlich ein Tool zum Entsperren.

Erste Erfolge verzeichnete das iPhone Dev Team aber schon im März. Ein kleiner Streit unter Hackern entbrannte, ob man so früh schon mit einem Hack an die Öffentlichkeit gehen sollte – da man damit auch den iPhone-Programmierern Gelegenheit zum Nachbessern bot.

Der Entwickler des nicht minder bekannten Entsperrtools ZiPhone meinte damals: "Ich bin nicht so dumm wie die anderen". Apple wird's jedenfalls freuen: Je einfacher es ist, ein iPhone zu knacken, desto mehr werden verkauft. Nur die Telekom-Partner von Apple haben bei dieser illegitimen Partnerschaft zwischen Hacker und Handy-Entwickler das Nachsehen …

Schwarzmarkt wartet auf iPhone 3G

Das neue iPhone, das von diesem Freitag an auch in Deutschland verkauft wird, soll auch in Neuseeland, Australien, Japan und Hongkong ein Renner werden. Zumindest auf dem Schwarzmarkt "von Shanghai bis Bangkok" sei das einen Tag vor dem dortigen iPhone-Start schon der Fall, urteilt die "International Herald Tribune" in einem Bericht . In Thailand, dem "südostasiatischen Zentrum für Raubkopien", wo überdies das iPhone erstmal nicht verkauft wird, prahlten Händler, dass sie nur ein paar Wochen für den Import-Schmuggel des trendigen Telefons benötigen würden – samt Entriegelungsservice für die thailändischen Handynetze. So ein 8-GB-iPhone 3G kostet dann 29.000 Baht, rund 550 Euro.

In Europa ging der iPhone-3G-Start nicht überall ganz glatt über die Bühne. In Großbritannien und auch in Deutschland etwa gab es Probleme mit der Software, mit der die neu erworbenen Telefone freigeschaltet werden müssen. So mancher Kunde musste nach dem Kauf stundenlang warten, bis er sein neues Telefon endlich benutzen konnte. Da hilft nur Geduld - ein permanentes Problem ergibt sich aus den Server-Hicksern aber offenbar nicht. Die entsprechende Fehlermeldung beginnt mit den Worten "We could not complete your iTunes Store request" - wer sie sieht, muss schlicht warten.

FCC-Chef: Comcast verstieß gegen Internetregeln

Amerikanische Verbraucherschützer und Bürgerrechtler jubeln: Kevin Martin, der Chef der wichtigen Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) erteilte dem Internetprovider Comcast verbal einen Rüffel und empfahl darüber hinaus, das Unternehmen zu bestrafen . Sein Vorwurf: Comcast hat gegen FCC-Richtlinien verstoßen, die Kunden freien Zugang zum Netz garantieren sollen. Der Internetanbieter blockierte den Datenstrom zwischen bestimmten Filesharing– und E-Mailanwendungen, rechtfertigte das mit der Überlastung seiner Netze. Martin hält dagegen, dass Comcast willkürlich und unabhängig von der tatsächlichen Netzbelastung Kunden ausbremste – und ihnen das nicht einmal mitteilte. Deswegen werde er seinen FCC-Kollegen nahelegen, bei einer Abstimmung am 1. August für Maßnahmen gegen Comcast zu votieren.

Geht das durch, wäre es das erste Mal, dass die US-Regulatoren einen Provider dafür abwatschen, dass er gegen die "Freier Zugang"-Regeln der FCC verstößt, so das New York Times Blog . Sie sollen verhindern, dass gewisse Netzanwendungen oder -benutzer bevorzugt werden, dass gar das Internet käuflich wird: Wer mehr zahlt, wird zuerst und schneller bedient. Bürgerrechtler bezeichnen Comcasts Bremsaktion als Verstoß gegen die Netzneutralität. Die Bürgerrechtsorganisation Free Press, welche die Beschwerde gegen Comcast ursprünglich der FCC vorlegte, dramatisch: "Das ist ein historischer Test, ob das Gesetz das offene Internet schützt. Urteilt die Kommission gegen Comcast, wäre das ein bemerkenswerter Sieg der sich organisierten Leute gegen organisiertes Geld."

Comcast-Sprecherin Sena Fitzmaurice sagte, der Provider blockiere keine Inhalte oder Dienste. Das Unternehmen verfolge aber eine Strategie von "sorgfältig begrenzten Maßnahmen, um den Datenverkehr in seinem Breitbandnetz zu steuern".

Mitarbeiter der Nachrichtenagentur AP machten die Probe aufs Exempel: Über einen Bittorrent-Client, also die entsprechende Software, luden sie sich eine digitale Version der (Copyright-freien) Bibel herunter. Über einen Comcast-Zugang wurden zwei von drei Datenübertragungen blockiert. Im dritten Versuch begann der Transfer mit einer Verzögerung von zehn Minuten. Bei Vergleichstests mit anderen Providern gab es keine Einschränkungen.

Ein Sieg von Free Press über Comcast könnte eine ganze Reihe von Siegen auch gegen andere Bremsprovider nach sich ziehen. Vindu Goel vom NYT-Blog: "Das kleine, dreckige Geheimnis der Internetindustrie ist, dass alle Provider solche Softwaretools benutzen, um ihren Netzwerk-Traffic zu regeln. Comcast wurde geschnappt, war vielleicht auch aggressiver als Rivalen. Sicherlich aber ist Comcast nicht allein."

Chiphersteller klagt gegen Hacker-Universität

Am kommenden Donnerstag entscheidet ein niederländisches Gericht, ob die Radboud Universität in Nijmegen ein Paper weiterverbreiten darf, das beschreibt, wie man den Verschlüsselungsalgorithmus der Mifare-Chips des niederländischen Chipherstellers NXP knacken kann . Diese RFID-Chips werden zum Beispiel in London im Nahverkehrsprojekt Oyster eingesetzt. Die Oyster Card kann aus der Entfernung verschlüsselt ausgelesen werden. Die Verschlüsselung der Chipdaten soll Unbefugte am digitalen Zugriff auf den Chipspeicher hindern. Doch genau der gelang Forschern der Radboud University in Nijmegen. Ihre Ergebnisse, die auf Hackarbeit zweier deutscher Forscher an einem anderen Mifare-Chip beruhen, veröffentlichten sie in einem wissenschaftlichen Paper, das NXP nun gerichtlich gestoppt wissen will – "aus Sicherheitsgründen."

Doch der Radboud-Hack ist nicht der einzige Angriff auf die Oyster Card. RFID-Experte Adam Laurie rief auf der Hackerkonferenz Infosec 2008  die Oyster-Card-Verantwortlichen dazu auf, dringend ihr Konzept zu erneuern. Laurie sagte, er kenne noch mindestens zwei andere erfolgreiche Ansätze, wie man Mifare cracken kann.

Weitere Meldungen

Mehr lesen über

Verwandte Artikel