Netzwelt-Ticker Nur eine Illusion
Natürlich ist Uri Geller kein Scharlatan, er nennt sich ja mittlerweile selbst nur noch Unterhaltungskünstler. Aber einen, der den übersinnlichen Tausendsassa mimt und auf diesem Ticket wohl immer noch durch drittklassige Talkshows tingelt. Geller wurde bekannt, nachdem er in den siebziger Jahren Löffel zwischen Daumen und Zeigefinger verbogen hat und allerhand telepathischen Schnickschnack im deutschen Fernsehen vorführte. Ein erledigter Fall, eigentlich.
Jetzt lesen wir im Boingboing-Blog , dass der alte Illusionist Youtube in den USA davon überzeugen konnte, ein altes Video aus dem Internetangebot zu löschen. Geller wird darin in einer Late Night Show im Fernsehen aufs Kreuz gelegt unter Mithilfe des großen Zauberkünstlers James Randi, der schon so manchen paranormalen Spuk als Hokuspokus entlarvte. Geller gaukelte dem Videohoster nun vor, er besäße die Urheberrechte an dem Film.
Das stimmt natürlich nicht und mittlerweile ist das Video bei Youtube wieder online . Es kann aber auch direkt bei der James Randi Education Foundation heruntergeladen werden. Das erfreuliche an dieser Geschichte ist, das nun viele Menschen erstmals - oder endlich wieder - etwas von dem großen, verschmitzten alten James Randi erfahren, der immer noch eine Million US-Dollar demjenigen zu zahlen bereit ist, der ihm unter Laborbedingungen ein übersinnliches Phänomen vorführen kann. Das Geld musste Randi bis heute nicht auszahlen.
16 Zahlen für ein Haiku
Neulich wurde ein Block mit 16 Hexadezimalzahlen vermehrt im Internet verlinkt. Dabei handelte es sich um einen geheimen und in den USA urheberrechtlich geschützten Processing Key, mit dem sich HD-DVD-Videos dekodieren, sprich: abspielen lassen sollen. Seitdem ist diese Zahlenkolonne in der Welt und kann nicht mehr vertuscht werden. Ein schöner Erfolg für das ganze Mitmach-Netz, alle freuen sich ein Loch in den Bauch und jeder möchte nun gern seinen eigenen Zahlenblock haben. Das legt zumindest der Totalausfall des Freedom to Tinker-Blog nahe, dessen Aufruf seit heute morgen nur die Fehlermeldung 503, Server überlastet, hervorbringt.
Dort wollte man seit Montag jedem Websurfer seine persönliche, urheberrechtlich geschützte Dekodierzahl spendieren. Mit der wiederum sollte man in der Lage sein, Haiku über das Copyright an einem Zahlenblock zu entschlüsseln. Aber dann haben die Computerheinis von Slashot darüber berichtet und seitdem ist die Tinker-Seite nur noch schwer zu erreichen. Wie gesagt: Anscheinend möchte jeder seinen eigenen Prozess-Schlüssel. Und wenn man nur ein kleines Gedicht mit ihm lesen kann: Er schmückt doch die Visitenkarte.
Replikator
Drüben in der futurezone des ORF freut man sich über drei 3D-Drucker, die demnächst erhältlich sein sollen. Aus der "New York Times" zitiert man einen der Hersteller solcher Dingedrucker, der es sich vorstellen könnte, den Kopf seiner Mutter einzuscannen, ihn in Plastik auszudrucken und dann auf den Körper einer Barbiepuppe zu stecken. Naja. Zwar ist am Sonntag Muttertag, das würde also passen. Aber noch lässt die Druckqualität zu sehr zu wünschen übrig. So habe die Cornell-Universität zwar "viel experimentiert" und könne nun einen Drucker namens Fab@Home präsentieren. Diese Heimfabrik, lesen wir, habe bereits "Objekte aus Gips, "Cheez Whiz" [eine Art Käsedip] und Plastilin" erzeugt. Das ist zwar noch nicht die Art Replikator, die einem als Star Trek-Fan vorschwebt, aber vielleicht ließe sich aus den genannten Zutaten ja schon jetzt ein prima Müttermitbringsel fabrizieren. Mit etwas Fantasie?
Vergesst Knut
Der knuddlige Knut, der kleine Eisbär mit dem Neumünsteraner Vorfahren, muss sich warm anziehen. Zwei Otter aus Vancouver schicken sich an, ihm den Rang abzulaufen, wie uns Harry Fuller berichtet . Seit dem 19. März wurde ein Youtube-Video der kanadischen Marder-Verwandten , in dem die beiden Händchen haltend neben einander auf dem Rücken liegend im Wasser treibend zu sehen sind, fast sechs Millionen Mal aufgerufen.
Das ist auf hoher See freilich ein ganz selbstverständliches Otter-Verhalten. Im Zoo allerdings womöglich ähnlich atavistisch wie eine Katze, die einen Teppich glatt zu trampeln versucht, bevor sie sich hinlegt. Das Video mit Nayak und Milo, so werden die zwei geheißen, soll allerdings schon fünf Jahre alt sein. Wer weiß, ob die beiden sich heute überhaupt noch mögen?
Papierprotest
Im Plattdeutschen kommt Kunst von können. Etwa: Kunst mi an Mors kleien. Am Arsch lecken, um hier eine mehr als elegante Überleitung zu präsentieren, können den Künstler Bill Shackelford vor allem Spammer, denen er mit seiner Installation Spamtrap den Garaus zu machen wohl beitragen will . Genau weiß man das bei Künstlern ja nie.
Hinter der Apparatur steckt vor allem ein alter Pentium-Rechner, der stets einige Mail-Adressen abfragt, die extra angelegt wurden, um mit Werbemails überflutet zu werden. Diese Spam-Mails werden ausgedruckt und umgehend geschreddert und bilden einen erwünscht großen Berg aus Knäueln unerwünschter Werbung, der irgendwann ins Altpapier wandert. Darüber hinaus sammelt Installateur Shackelford die Spammerdaten und petzt sie an einen Schwarze-Liste-Betreiber, der damit seinen Spamfilter up to date zu halten versucht.