Netzwelt-Ticker: Plagiats-Eingeständnis von Microsoft - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Plagiats-Eingeständnis von Microsoft

Der Redmonder Softwareriese ist beim Klauen ertappt worden, NRW-Justizministerin Müller-Piepenkötter sperrt ihren Justizangestellten den Zugang zum WDR und israelische Grenzpolizei erschießt ein Notebook. Das und mehr im Überblick.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Chinas Markt ist so wichtig, dass Microsoft manche seiner Softwareangebote mit allzu heißer Nadel strickt. So wie im Falle des taiwanischen Startups Plurk, das einen Microblogging-Dienst erfand, der im Unterschied zu Twitter in China außerordentlich erfolgreich auftrat. Bis die chinesischen Zensoren bei Plurk im Reich der Mitte den Stecker zogen.

Doch der Ärger wurde noch größer, als sie Microsofts auf China zugeschnittene Antwort auf den Kurznachrichtendienst namens Juku sahen. Das ist kein Twitter-Klon, sondern orientiert sich in Aussehen, Funktion und großen Teilen des Codes an Plurk.

Am Montag machte Plurk die Angelegenheit öffentlich und beschuldigte den Redmonder Softwareriesen offiziell des Plagiats. Woraufhin Microsoft seinen Juku-Service bis zur endgültigen Klärung erst einmal schloss. Und nun kleinlaut eingestehen muss, dass die Vorwürfe zurecht bestehen.

Die Erklärung der Amerikaner: Man habe Juku-Programmcodes nicht selber kompiliert, sondern ein chinesischer Joint-Venture-Partner. "Dieser Anbieter hat nun eingestanden, dass Teile des Codes tatsächlich kopiert worden sind. Das war ein klarer Verstoß gegen die Vereinbarungen mit dem chinesischen Handelspartner", so Microsoft.

Ob und wie weit Plurk nun rechtlich gegen den großen Gegner juristisch vorgehen wird, ist bislang noch unklar. Das Kleinunternehmen ließ in einem Blogbeitrag erst einmal nur seine Enttäuschung ausrichten:  "Wir sind immer noch erschrocken und fragen uns, warum Microsoft sich so tief hinab begibt, die Arbeit eines jungen und innovativen Teams zu stehlen, anstatt mit uns in Kontakt zu treten oder es aus eigener Kraft zu versuchen."

Erneute Schlappe für Psystar im Kampf um Mac-Clones

Anfang des Monats mussten die Macher des Mac-Clones von Psystar schon eine empfindliche Schlappe hinnehmen, als ein Bezirksgericht in San Francisco sie wegen Verletzung von geistigem Eigentum zu einem Schadenersatz in Höhe von umgerechnet 1,8 Millionen Euro an Apple verurteilte. Nun folgt der nächste Schlag.

Das Verbot bezieht sich jetzt auch auf Psystars neue Entwicklung Rebel EFI, mit deren Hilfe der Anwender Apples Betriebssystem Mac OS X auch auf jedem Wald- und Wiesen-PC installieren können. Immerhin ließ das Gericht Psystar noch bis zum 31. Dezember Zeit, weitere Unterlagen zu seiner Entlastung vorzulegen,

LG Düsseldorf weitet Störerhaftung massiv aus

Derweil arbeiten die Juristen am Landgericht Düsseldorf an der Ausweitung der Störerhaftung in Privathaushalten. Bislang war das Szenario klar, wenn es um minderjährige Nutzer des hauseigenen Internzugangs ging: Eltern haften für ihre Kinder. Wenn also Sohnemann unbemerkt illegal ein Ballerspiel über eine Tauschbörse herunterlädt, so sind die Eltern dran, schon wegen Verletzung der Aufsichtspflicht.

Die erstreckt sich aber auch auf erwachsene Kinder, die im Hauhalt leben, so das LG Düsseldorf und verurteilte einen Mann zur Zahlung der geforderten Summe für eine Unterlassungserklärung (Az.: 12 O 134/09).  Die hatte sich die Tochter durch das Herunterladen eines Musikstücks eingefangen. Der Vater hatte die Zahlung zunächst mit dem Argument abgelehnt, das Ansinnen, das Internetverhalten seiner erwachsenen Tochter zu überwachen, sei "weltfremd".

Die Düsseldorfer Entscheidung steht dabei im Widerspruch zu einem Urteil des OLG Frankfurt, das noch vor zwei Jahren zu dem Schluss kam, dass Eltern nicht für ihre im Haushalt lebenden erwachsenen Kinder haften, wenn sich diese illegalerweise per Filesharing urheberrechtsgeschütztes Material besorgen.  Was für den aktuellen Fall den Schritt zur nächsten Instanz erwarten lässt.

Nach Angriff auf Berlusconi: Websperren für Facebook& Co.

Nach dem Angriff auf Italiens Regierungschef Berlusconi schlagen im Lande die Wogen der Erregung hoch. Nun hat die Regierung Zensurmaßnahmen ergriffen, die schon unmittelbar nach der Attacke eines geistig verwirrten Mannes auf den Politiker gefordert worden waren. Betroffen sind vor allem Gruppenseiten beim italienischen Ableger des Social Networks Facebook.

Dort hatten sich an die 500 Gruppen gebildet, die die Attacke auf Berlusconi beifällig kommentierten. Auch eine Fangruppe des Angreifers sammelte in Windeseile 70.000 Mitglieder. Zudem beginnt in Italien verstärkt die Debatte um grundsätzlich weitreichendere Internetsperren. Neben Geldstrafen für jene, die im Netz zu Straftaten aufrufen oder diese billigen, wird auch erwogen, durch eine Reihe von Filtern den Zugang zu solcherart gewaltverherrlichenden Seiten zumindest zu erschweren.

Israelische Polizei erschießt verdächtiges Macbook - Festplatte wohlauf

Und dann war da noch Lily Sussmann, eine Journalistin, die aus Ägypten nach Israel einreiste. Ihr Notebook erregte dabei das Misstrauen der israelischen Grenzer. Während sie die Frau noch verhörten, verkündete eine Lautsprecherdurchsage auf Hebräisch, Arabisch und Englisch, die Reisenden sollten sich nicht durch Schüsse beunruhigen lassen, die israelischen Sicherheitsbeamten seien lediglich dabei, verdächtige Gepäckstücke zu zerstören.

Die Befragung Sussmanns wurde dann beendet, und ein Beamter händigte der verdutzten Frau die Reste ihre Computers aus, mit drei Einschusslöchern.

Doch ihr Schrecken war gemildert, als sie feststellte, dass wundersamerweise die Festplatte unversehrt geblieben war. Und damit alle in jahrelanger Arbeit gesammelten Daten, Interviews, Fotos gerettet, erklärt Sussmann .  Der Flughafen-Sprecher erklärte der Tageszeitung " Haaretz ", der Scan des Gepäcks der Studentin habe Hinweise auf mögliche Gefahren ergeben, so dass die Polizei eingeschaltet werden musste. Warum die Beamten auf das Laptop schossen, wisse er nicht. Sussmann selbst erklärte Dailynewsegypt.com, sie habe von den Beamten Kontaktinformationen zu der Stelle erhalten, wo sie die Entschädigung für das zerstörte Gerät beantragen könne. Binnen eines Monats soll sie das Geld erhalten .

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