Netzwelt-Ticker: Schüler entwarf Twitter-Wurm - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Schüler entwarf Twitter-Wurm

Nicht eine riesige Hackertruppe, sondern ein australischer Schüler ist für den Twitter-Wurm verantwortlich, der am Dienstag das Twitterversum in Aufruhr versetzte. Außerdem: Jäger beschießen Google und Betrüger lieben Facebook. Das und mehr im Überblick.
Auch betroffen vom Twitter-Wurm: Robert Gibbs, Pressesprecher des Weißen Hauses
Auch betroffen vom Twitter-Wurm: Robert Gibbs, Pressesprecher des Weißen Hauses

Auch betroffen vom Twitter-Wurm: Robert Gibbs, Pressesprecher des Weißen Hauses

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Twitter

Dienstag machte die Nachricht vom einem Wurm bei die Runde, der sich blitzschnell und weltweit verbreitete. Heute, nachdem die Sicherheitslücke wieder gestopft wurde, ist offenbar bekannt, wer der Urheber des lästigen Schädlings ist: ein 17-jähriger Schüler aus dem australischen Melbourne.

Der Zwölftklässler hatte nach eigener Aussage nichts Böses vor, im Gegenteil. Er habe einen Code ausprobiert, der Alarm geben sollte, wenn der Anwender beim Mouseover über eine infizierte Nachricht gerät. Dummerweise bemächtigten sich dann Andere dieses Codes und funktionierten ihn zum nun bekannten Wurm um. Nicht seine Schuld, erklärte Pearce dem "Sydney Morning Herald" , es sei schließlich nicht seine Aufgabe, sondern die von Twitter, die eigene Webseite sicher zu halten.

Überrascht zeigte er sich allerdings von den Auswirkungen seiner unfreiwilligen Schöpfung. Dass die es schaffte, sogar den Pressesprecher von US-Präsident Barack Obama zu verwirren oder in Tweets der Ehefrau des früheren britischen Premiers Gordon Brown zu Pornoseiten zu verlinken, sei erstaunlich.

"Wenn man sich Einrichtungen wie das Weiße Haus vorstellt, erwarten Sie nicht, das da einer die ganze Zeit sitzt, pausenlos die Twitterseite neu lädt und wahllos Links folgt. Unabhängig von Macht oder Ruhm, im Internet müssen Sie wie jeder andere auch vorsichtig mit Sicherheitsrisiken umgehen", fügte er an.

Apple verklagt "Hardware-Remixer"

Apple

Vor einigen Wochen erhob Unterhaltungselektroniker Patentklage gegen den Zubehörhersteller Sanho. Der fertigt unter dem Namen HyperMac zum Beispiel Stromkabel mit dem von Apple erfundenen Mag-Safe-Adapter an. Diese Art magnetisch verstärkter Stecker hat sich Apple patentieren lassen. Gleiches gilt für den Dock-Connector. Sanho benutzt ihn, um externe Akkus an iPhones oder iPads anzuschließen und so deren Betriebsdauer zu verlängern.

Nun klagt Apple und erhofft sich eine einstweilige Verfügung sowie eine saftige Entschädigungszahlung für entstandene Geschäftseinbußen: Sanho besitze keine Lizenzen zur Nutzung der Apple-Technik. Insgesamt werfen die Apple-Anwälte Sanho die Verletzung von sechs Patenten vor.

"Ars Technica" merkt jedoch an, dass Sanho dies genaugenommen gar nicht tue.  Es baut die Apple-Technologie nämlich nicht nach, sondern verwendet originale Netzgeräte des Unternehmens und schlachtet diese aus. Die Buchsen und die MagSafe-Verschlüsse werden auf eigene Kabel montiert - fertig. Damit könnte Sanho eine Regel ausnutzen, die im amerikanischen Recht als Erstverkaufsregel bekannt ist. Sie besagt, dass die (juristische) Kontrolle eines Herstellers oder Patentinhabers über eigene Produkte nach dem ersten Verkauf endet. Apple-Kunden können also grundsätzlich mit ihren erworbenen Geräten tun und lassen, was sie wollen. Auch wenn sie sie an andere verkaufen.

Ballern im Bundestag

Im August kündigten einige Bundestagsabgeordnete an, im Hohen Haus eine Lan-Party zu veranstalten, offen für sämtliche 622 Parlamentarier. Die Initiatoren, Jimmy Schulz und Manuel Höferlin von der FDP, wollen so gemeinsam mit Dorothee Bär von der CSU zur Versachlichung über die Debatte um Computerspiele und Gewalttaten beitragen. Nicht zuletzt sollen wohl auch bei den älteren Semestern Berührungsängste zu der ihnen vielfach noch fremden Technologie abgebaut werden .

Der "Berliner Kurier" ist von der Idee aber alles andere als angetan: Das Boulevardblatt erregt sich über den Umstand, dass bei der Lan-Party im November auch Ego-Shooter gespielt werden sollen. Games wie "Counter-Strike" seien für ihre Gewalttätigkeit bekannt.

Zur Unterfütterung wird Hardy Schober, Vorsitzender des "Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden - Stiftung gegen Gewalt an Schulen", mit der Einschätzung "Geschmacklos!" zitiert . Schober weiter: "Die Bundestagsabgeordneten werden ihrer Vorbildfunktion nicht gerecht, wenn sie selbst Spiele spielen, bei denen virtuell Menschen getötet werden. (...) Diese öffentliche Lan-Party ist für uns nicht hinnehmbar."

Die Frage, wie Parlamentarier über Dinge urteilen sollen, die sie gar nicht kennen, ließ er leider unbeantwortet.

Google gegen illegalen Arzneihandel

Google

Rezeptpflichtige Medikamente heißen so, weil sie nur gegen Rezept und damit in Apotheken zu bekommen sind. Darum scheren sich die Betreiber vieler Online-Apotheken nur wenig. Sie bringen ihre Arznei an den kranken Mann, auch ohne Rezept. Zur Beförderung dieser ungesetzlichen Vorgänge schalten sie gern Anzeigen, auch beim Suchmaschinenanbieter .

Der strengte nun gegen derartige Anzeigenkunden ein Verfahren wegen Verstoßes gegen die hauseigenen Regeln an. Die sollen die Pillenhändler eigentlich an ihrem Tun hindern. Dennoch schaffen sie es nicht selten, ihre Reklame an der Google-Überwachung vorbei zu schmuggeln. Anstatt bei der Filtertechnik nachzurüsten, versuchen die Google-Verantwortlichen nun ihre ungeliebten Kunden wegzuklagen .

Zu teuer, zu kompliziert: deutscher E-Books-Absatz lahmt

Amazon hat es richtig gemacht: Es setzte frühzeitig auf den Absatz von E-Books, während die Bücherbranche hierzulande noch nicht einmal wusste, was ein PDF ist. Das Ergebnis: In Deutschland ist die Branche noch weit davon entfernt, wie in den USA mehr E-Books als Druckwerke zu verkaufen. Auch wenn große Ketten wie Thalia hoffen, in naher Zukunft mit den E-Büchern bis zu 15 Prozent des Umsatzes zu machen, sind die Kunden derzeit noch bockig und wollen nicht.

Gründe gibt es genug, so eine Studie von PricewaterhouseCoopers. Neben dem immer noch zu hohen Preis führe vor allem das Wirrwarr technischer Formate und die immer noch vorhandene Scheu vor der virtuellen Welt zur Kaufverweigerung. Nicht einmal ausleihen oder weiterverkaufen ließen sich E-Books. Dazu noch die hohen Fertigungskosten für die E-Book-Reader und die zusätzliche Belastung durch die vollen 19 Prozent Mehrwertsteuer - das seien alles andere als optimale Wettbewerbsbedingungen .

Online-Betrüger lieben Facebook

Facebook

Wo sich viele Menschen drängeln, da sind auch Diebe, Gauner und Betrüger nicht weit. Das ist bei überfüllten Fußgängerzonen nicht anders als bei Social Networks. Deren größtes, , ist in hohem Maße durch das Interesse von Cyberkriminelle betroffen, wie das Unternehmen jetzt eingestand. Es gehe nicht nur um Spam oder die Verbreitung von Malware, vor allem die Betrugsfälle seien zu "einem ernstzunehmenden Problem" geworden, wie Lord Richard Allan, Facebook-Pressesprecher, dem "Guardian" erklärte. 

Man sei aber dabei, neue Verfahren zu entwickeln, die die Früherkennung von ungesetzlichem Verhalten von Mitgliedern verbessern sollten. Dazu gehöre auch zu entdecken, wann der Account eines Mitglieds von einem Gauner mit finsteren Absichten übernommen werde. Eine mögliche Hürde gegen unliebsame Fremdübernamen könnte eine Foto-Identifikation bilden. Dabei würden beim Login Bilder der Freunde erscheinen, denen jeweils der richtige Name zugeordnet werden müsse. Für den echten Besitzer des Profils kein Problem, für einen Hacker schon eher. Es sei denn, der stammt aus dem Umfeld seines Opfers.

Gefahr für Google: Jäger

Auch von anderer, gänzlich unerwarteter Seite droht Internet-Unternehmen Gefahr. So unterhält Suchmaschinenbetreiber Google weltweit Server, auf denen die millionenfachen Anfragen bearbeitet werden. Die brauchen natürlich Strom, und der wird üblicherweise mit Überlandkabeln herangeführt, vor allem, wenn die Rechenzentrum fernab in Feld und Wald stehen.

In solchen Gegenden tummeln sich aber auch recht gerne Jäger auf der Suche nach geeigneten Zielen. So auch im ländlichen US-Bundesstaat Oregon, wo Google für 600 Millionen Dollar ein Rechenzentrum zwischen Baum und Strauch gesetzt hat. Dort kommen offensichtlich immer wieder Jäger des Weges, die zu Trainingszwecken oder aus Langeweile auf die Isolatoren der Stromversorgungskabel schießen. Das betreffe dann auch die Glasfaseranschlüsse, die an derselben Stelle sitzen.

"Jedes Jahr im November, wenn die Jagdsaison beginnt, wissen wir, dass die Kabel wieder heruntergeschossen werden", so Googles Technik-Manager Vijay Gill.  Jedesmal müsse ein Reparaturteam mit schwerem Gerät ausrücken. Wenn schon Schnee liege, würden die Mitarbeiter auch schon mal tagelang auf Skiern unterwegs sein.

Einmal sei auch das nicht gelungen. Schneestürme und Lawinen hinderten die Techniker tagelang daran, zur Reparaturstelle vorzudringen. Das soll nun ein Ende haben: Sämtliche Kabel werden unterirdisch verlegt.

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