Netzwelt-Ticker: Server hinter Facebook-Virus Koobface schweigen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Netzwelt-Ticker Server hinter Facebook-Virus Koobface schweigen

Die Koobface-Entwickler sind enttarnt - ihnen bleibt nach einem Leben in Saus und Braus nun nur noch in Deckung zu gehen. Außerdem im Überblick: LTE-Breitbandnetz versus GPS-Ortungsdienste und unheimliche Details zum Sicherheitswahn im Apple-Hauptquartier.
Enttarnte Koobface-Gang: Die Server sind verstummt
Enttarnte Koobface-Gang: Die Server sind verstummt

Enttarnte Koobface-Gang: Die Server sind verstummt

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Voll in ins Schwarze getroffen haben offenbar die zwei deutschen Sicherheitsforscher, die die Hintermänner des Koobface-Wurms ausfindig gemacht haben wollen . Der digitale Fiesling hatte sich über Facebook verbreitet und diverse Untaten angestellt. Noch am Dienstag, dem Tag der Enttarnung, so berichten der unabhängige IT-Sicherheitsforscher Jan Drömer und Dirk Kollberg, Virenforscher bei der Antivirus-Firma Sophos, seien die Koobface-Server verstummt. Diese Virengefahr ist damit erst einmal erledigt.

Die ebenfalls von den Sicherheitsforschern veröffentlichten Facebook-Profile der Enttarnten sind mittlerweile geschlossen, die veröffentlichten Telefonnummern der mutmaßlichen Datengauner großteils nicht mehr vergeben. Von der Tarnfirma MobSoft war laut Reuters  keine Spur in St. Petersburg, der angeblichen Heimstatt der Koobface-Entwickler, zu finden.

Die Koobface-Story ist eine außerordentliche Geschichte über Aufstieg und Fall, Hybris durch vermeintliche Unantastbarkeit und Alltäglichkeit der Cyber-Kriminalität. Kasinobesuche in Baden-Baden, Reisen nach Monte Carlo mit Gang-Mitgliedern und Familien: Die Hintermänner des Koobface-Wurms, der drei Jahre lang Facebook als Virenschleuder missbrauchte, führten ein pralles Leben, aber achteten nicht auf ihre eigene Datensicherheit.

LTE-Breitbandnetz versus GPS-Ortungsdienste

Ein Streit tobt seit Monaten zwischen amerikanischen GPS-Diensten und dem 4G-Netzanbieter LightSquared: Stören die LTE-Funksignale der geplanten 44.000, über die ganzen USA verteilten Lightsquared-Funktürme nun den Empfang von GPS-Daten ?

Ein Gutachten, ein Experiment , eine Expertise  und ein Kooperationsversprechen später herrscht immer noch Unklarheit, ob Lightsquared nun mit dem schnellen Drahtlosnetz den Markt für Internetanbieter aufmischen darf.

Pünktlich zum Jahresanfang 2012 wird der Streit noch absurder. Jetzt wirft Lightsquared dem US Air Force Space Command vor, ein Experiment zur Interferenz-Messung zuungunsten des Unternehmens manipuliert zu haben . In einer Pressekonferenz erklärten Jeffrey Carlisle, Geoff Stearn und Lightsquared-Berater Ed Thomas (ein ehemaliger Chef-Ingenieur der Federal Trade Commission), dass "die Parameter [des Experiments] so gewählt wurden, dass sie Fehler produzieren". Das Ganze habe den Eindruck "eines College-Studenten hinterlassen, der für ein Schulexperiment erst die Kurve malt und dann die Messungen vornimmt." Die Tests seien außerdem heimlich und unter freier (Carlisle meint damit: Lightsquared-schädlicher) Wahl der Geräte von den Air-Force-Spezialisten durchgeführt worden. Die Auswahl der Geräte repräsentiere nur ein Prozent der auf dem Massenmarkt erhältlichen GPS-Empfänger. Den ehemaligen FTC-Ingenieur Thomas erinnere das Vorgehen an angebliche frühere Mauscheleien der Kommission bei der Vergabe von Ultrabreitband-Frequenzen.

Wer Recht hat, ist selbst für unabhängige Experten eine schwierige Frage. Dass sich GPS und Lightsquared-4G in die Quere kommen, steht außer Frage. Fraglich ist nur, wie schlimm dieses In-die-Quere-Kommen ist - und wessen Bedenken und Wünsche mehr zählen.

Was am Donnerstag sonst noch in der Netzwelt wichtig war

  • Das Thema Spiele-Rezension bleibt ein spannendes Spielfeld für sich - das beweist mal wieder diese Satire  auf das angebliche Spiel für die Nintendo-Konsole Wii: "Warten auf Godot."
  • Der Sicherheitswahn bei Apple ist nicht nur ideell und personell, sondern auch architektonisch zu spüren, meint "Inside Apple"-Autor Adam Lashinsky . Mit verstellbaren Trennwänden, plötzlich mattierten Fenstern und ganz und gar fensterlosen Zimmern - von Projekt zu Projekt ein neues Paranoia-Labyrinth.
  • Sony Ericsson hat ein miserables viertes Quartal hinter sich, schreibt The Next Web : 317 Millionen Dollar (247 Mio. Euro) Verlust, aufgrund "unvorteilhafter makroökonomischer Bedingungen", der Flut in Thailand und - natürlich - einer überlegenen Smartphone-Konkurrenz.
  • McAfee warnt vor zwei Sicherheitslücken in dem Webdienst "McAfee SaaS for Total Protection". Angreifer hätten eine Lücke als Einfalltor, die andere als Spam-Schleuder missbrauchen können - einem Kunden sei das sogar bereits passiert. Ein Patch sei bereits auf dem Weg .
  • Die New Yorker Polizei experimentiert mit einem Körperscanner für die Straße, der verborgene Waffen durch Kleidung hindurch entdecken kann. Der Scanner ist in einem Polizeifahrzeug untergebracht .
  • Werbung in der Facebook-Timeline? Nur ein gigantisches Experiment zur Wirksamkeit von zielgerichteter, verhaltensvorhersehender Werbung ("behavioral targeting"), glaubt Blogger Jeff Dechambeau .

Mehr lesen über

Verwandte Artikel