Netzwelt-Ticker Siemens-Sicherheit, Amazon-Cloud, Google-Abschied
Der US-Experte für Industriesicherungssysteme Justin W. Clarke behauptet, ein Sicherheitsleck mache Netzwerkkomponenten der kanadischen Siemens-Tochter RuggedCom anfällig für Datenspionage. Clare hat seine Erkenntnisse auf einer Fachtagung vorgestellt, nun zeigt sich die Regierung in Washington über die Meldung besorgt , berichtet die US-Zeitung "Chicago Tribune". Das Heimatschutzministerium habe RuggedCom am Dienstag aufgefordert, sich zur Existenz etwaiger Sicherheitslücken zu äußern. Die Unternehmen teile der Nachrichtenagentur Reuters lediglich mit, man werde die Hinweise von Clarke untersuchen.
Bereits im April hatte Clarke herausgefunden, dass es in bestimmten, von RuggedCom für hauseigene Server gelieferten Betriebssystemversionen eine bis dahin nicht dokumentierte Hintertür gab. Mit einem nicht veränderbaren Usernamen und einem leicht herauszufindenden Passwort hatte die Software, die zur Verkehrskontrolle oder Steuerung von Kraftwerken und Militäranlagen genutzt wird, im Prinzip auch nicht-autorisierten Nutzern weit offengestanden .
Laut Clarke verwendet die komplette RuggedCom-Software ein und denselben Schlüssel, um zuvor für den Datenverkehr verschlüsselte Informationen zu decodieren. Es sei momentan möglich, diesen Schlüssel praktisch aus jedem Teil des Betriebssystems zu extrahieren. (mit Material von Reuters)
Amazon veröffentlicht Cloud-Speicher Glacier für Archivzwecke
Der Preis klingt verlockend: Ein Cent für ein Gigabyte Speicherplatz im Monat, das soll Amazons neuer Speicherdienst für Unternehmen kosten.
Die Daten werden redundant auf mehreren Servern abgelegt und mit einem symmetrischen AES-256-Bit-Schlüssel gesichert. Der Amazon-Service ist für Archivzwecke konzipiert. Die Macher versprechen eine Zuverlässigkeit von 99,999999999 Prozent.
Für Europäer ist der Dienst zehn Prozent teurer, dafür ist der Datenabruf gratis, solange die heruntergeladene Menge nicht mehr als fünf Prozent des jeweils gesamten Datenbestandes umfasst. Der Name des Angebots, "Glacier", zu Deutsch Gletscher, könnte fast Programm sein: Der Datenzugriff soll nur mit ziemlicher Langsamkeit möglich sein, drei bis fünf Stunden könnte es schon dauern, so "Zdnet" .
Für ausgehende Datenübertragungen gibt es ein gestaffeltes Preissystem . Ein monatlicher Datenumsatz von zehn Terabyte schlägt mit zwölf Cent pro Gigabyte zu Buche, für die nächsten 350 Terabyte sinkt die entsprechende Rate auf fünf Cent.
Chinesischer Webdienst Qihoo wirft Google raus
Das chinesische Unternehmen Qihoo 360 Technology, das bislang vor allem für Antivirenprogramme stand und nach eigenen Angaben mit seinem Portal mehr Traffic erzeugt als Baidu, hat sich von Google getrennt. Künftig wollen die Chinesen auf hauseigene Suchtechnologie setzen und haben ihr selbstentwickeltes Programm sowohl auf ihrem Webauftritt als auch bei ihrem Browser zur Standard-Suchmaschine gemacht. Damit verliert Google auf einen Schlag bis zu 270 Millionen User, die bislang auf das Angebot aus Mountain View zugriffen. Das "Wall Street Journal" zitierte den Qihoo-Finanzchef Alex Xu mit der Feststellung, Googles Service habe seit dem Weggang aus China im Jahr 2010 spürbar nachgelassen . "Wir glauben, dass in Chinas Suchmaschinenmarkt Platz für ein Angebot vorhanden ist, das bei hoher Geschwindigkeit mehr relevante Ergebnisse ausliefern kann."
Auch das noch:
- Reduziert Google die Anzahl der angezeigten Suchergebnisse ? Aus zehn mach sieben, das fiel letzthin mehreren Nutzern der Google-Suche beim Blick auf die Ergebnisliste auf. Seit dem 8. August sei die Zahl der geschrumpften Ergebnisse rapide angestiegen, berichtet Searchengineland.com. Allerdings trete das Phänomen nur bei jedem fünften Google-Nutzer auf. Scheint sich also um eine weitere Testphase in Mountain View zu handeln.
- "Hype-Cycle 2012" sieht Cloud Computing und Augmented Reality auf dem Abstieg . Die Sau des Jahres, die derzeit durch alle Dörfer getrieben wird, heißt 3D-Drucken. Doch schon bald wird es ihr wie ihren Vorgängern ergehen. Gestern noch in aller Munde, sieht das Marktforschungsinstitut Gartner in seinem "Hype-Cycle 2012" Begriffe wie Cloud Computing und Augmented Reality schon über den Zenit hinaus. Innerhalb der nächsten fünf Jahre könnten die genannten Technologien dann sogar das "Plateau der Produktivität" erreichen.
- Ex-Angestellter von Apple fordert lebenslange Jobs-Garantie ein . Vor Jahren gab Apple-Chef Steve Jobs einem seiner Angestellten in einem Vier-Augen-Gespräch die Zusage, im Unternehmen "immer" einen Arbeitsplatz zu haben. Trotz dieses vermeintlichen Versprechens wurde der Mann im Dezember 2011 aus betrieblich bedingten Gründen entlassen. Womöglich wollte Apple auch die Auszahlung eigentlich fälliger Optionsscheine vermeiden. Das absehbare Ergebnis: die Klage vor Gericht.