Netzwelt-Ticker Skelette verboten
WoW in China zensiert
Die chinesischen Behörden legen bekanntlich großen Eifer an den Tag, wenn es darum geht, ihre Untertanen vor unliebsamen Inhalten zu schützen. Nicht nur beunruhigende Informationen fallen der Zensur zum Opfer, auch Bilder werden streng gefiltert. Davon ist auch das beliebte Online-Spiel "World of Warcraft" betroffen.
Damit sich die chinesischen Gamer nicht allzu sehr gruseln, entfernte die Zensur aus der mit sechs Monaten Verspätung freigegebenen Update-Version Knochen und Skelette . Die Skelette wurden durch vollständige Lebewesen ersetzt, die Knochen, die tote Rollencharaktere symbolisieren, haben sich in Gräber verwandelt. Ein Sprecher begründete die Aktion damit, man wolle "eine harmonische und gesunde Online-Umgebung fördern".
Googles jüngster Feind: Chinas Militär
Weniger erfolgreich in der Kontrolle unliebsamer Datenflüsse war das chinesische Militär. Nutzer von Google Earth und Google Maps können nämlich ohne weiteres ein neues Hightech-U-Boot der Chinesen betrachten. Das Unterwasserschiff der Jin-Klasse ist mit mehreren Interkontinentalraketen bestückt.
Wie Dailytech berichtet , stieß der amerikanische Militäranalytiker Hans Kristensen per Zufall auf eine Aufnahme des über 120 Meter langen Bootes, die im vergangenen Jahr von einem kommerziellen Satelliten gemacht wurde. Google kauft das Bildmaterial aus solchen Quellen auf, um die Fotodarstellung der Welt immer weiter zu verfeinern.
Auf seinem Blog "Strategic Security" befasst sich Kristensen eingehend mit verschiedenen Details der chinesischen Neuentwicklung. Damit dürfte das chinesische Militär sich in den Chor ihrer Kollegen in Indien oder den USA einreihen, die den Zugang zu Bildmaterial von geheimen Anlagen für jedermann kritisieren und am liebsten zügeln würden.
Polizeifunk erst ab 2013 digital
Gut Ding will Weile haben. Mit dieser Spruchweisheit müssen sich Deutschlands Polizisten auch in den nächsten Jahren trösten. Noch vor kurzem rief Innenminister Wolfgang Schäuble das digitale Zeitalter für die Polizeikommunikation aus; weg von den alten, krächzenden Funkgeräten, über die sich im Handyzeitalter jeder Aushilfsganove totlacht. Stattdessen sollten die Ordnungshüter künftig über ein vom EADS-Konzern konzipiertes und errichtetes digitales Funknetz kommunizieren. Die dafür benötigten 500.000 Funkgeräte sollten 2010 bereitgestellt werden. Sollten.
Wie die "Welt" jetzt meldet , wird sich der Start ins digitale Zeitalter jedoch um ganze drei Jahre bis 2013 verschieben. Ein genauer Grund wurde in der entsprechenden Mitteilung der "Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben" (BDBOS) allerdings nicht genannt. Anscheinend hat die Behörde aber die Kooperation mit mehreren am Ausbau des Funknetzes beteiligten Firmen beendet und will das Projekt nun in Eigenregie stemmen. Im Moment arbeite man an der Erstellung eines neuen Zeitplans.
Der Chef der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, ist stocksauer. Das Ganze sei "eine Blamage für die Sicherheitspolitik", wird er zitiert. Und: "Es ist unverständlich, dass in einer Zeit erhöhter terroristischer Bedrohung zwar immer neue Gesetze vorgeschlagen werden, die Politik aber nicht in der Lage ist, den Sicherheitskräften die Kommunikation an die Hand zu geben, die für die Verhinderung und Bewältigung größerer Anschläge unabdingbar notwendig ist."
Schöne, neue W-Lan-Welt
Kevin Martin, Chef der amerikanischen Regulierungsbehörde für Telekommunikation (FCC), träumt von der grenzenlosen Breitbandwelt . In der soll es dem Nutzer möglich sein, sich welches Gerät auch immer zu kaufen und Programme seiner Wahl darauf zu laden. Restriktionen von Geräteanbietern oder Providern solle es nicht mehr geben.
Was der Behördenchef meint, macht als Beispiel Apples iPhone deutlich: Das Gerät lässt einzig die Anwendungen und Applikationen zu, die von Apple und AT&T angeboten werden, es funktioniert nur in den USA und dort auch nur mit einem AT&T-Vertrag. Ähnliche Monopolstrukturen sollen auch in Europa verfolgt werden.
Doch von diesem starren System will Martin weg. Für ihn ist das Ende des terrestrischen Fernsehens in den USA die Chance zur Verwirklichung seiner Pläne. Die entsprechenden Sendefrequenzen im 700 MHz-Bereich wurden im Zuge der Digitalisierung frei und sollen in naher Zukunft meistbietend versteigert werden. "Wer immer hier gewinnt, muss für ein wirklich offenes Breitbandnetz sorgen, das dem Konsumenten die Tür zu vielen innovativen Angeboten öffnet", so Martin. Denn das derzeitige System sei innovationsfeindlich und ein Hemmschuh. Warum sollte zum Beispiel ein Handy nicht auch vorhandene W-Lan-Netze nutzen können, wenn sich der Besitzer in der Nähe eines Hotspots aufhält. Auch sei der Anbieterwechsel in anderen Weltgegenden für Handynutzer viel einfacher. In Amerika hingegen könne man das alte Mobiltelefon beim Providerwechsel nur noch wegwerfen.
Filmkauf vom Sofa aus
Besitzer des Festplatten-Rekorders Tivo haben demnächst noch weniger Grund, vom Sofa aufzustehen. Der US-Marktführer hat sich mit dem Online-Warenhaus Amazon zusammengetan und vertreibt Filme direkt übers Fernsehen . Mit "Buy on TV" sparen sich die Couch-Potatoes den Weg zum Computer und ins Internet. Seit gestern reicht die Fernbedienung aus, um Filme zu kaufen oder auszuleihen. Die Übereinkunft zur Zusammenarbeit zwischen Tivo und Amazon wurde schon im März getroffen. Die technische Umsetzung habe sich wegen Einführung neuer Rekorder jedoch verzögert. Videotheken wird es in Amerika wohl bald keine mehr geben.