Netzwelt-Ticker: Springer schnappt sich Kaufda - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Netzwelt-Ticker Springer schnappt sich Kaufda

Den Anzeigen hinterher, ins Internet: Der Springer-Verlag übernimmt den Online-Prospekte-Verteiler Kaufda. Außerdem im Nachrichten-Überblick: Steve Jobs bleibt bürgerlich und viele Dänen haben nichts gegen illegales Herunterladen zu persönlichen Zwecken.
Kaufda: Erst wird der Nutzer lokalisiert, dann bekommt er Prospekte satt
Kaufda: Erst wird der Nutzer lokalisiert, dann bekommt er Prospekte satt

Kaufda: Erst wird der Nutzer lokalisiert, dann bekommt er Prospekte satt

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Früher gab's im Dorfladen Rabattmarken, um die Kundschaft anzulocken. Ein paar Jahrzehnte später läuft das Geschäft noch immer ähnlich: Ob Facebook oder Groupon, sie alle verteilen Gutscheine oder offerieren Einkäufe zu Billigpreisen. Nun will offensichtlich auch der Medienkonzern Axel Springer in diesem Marktsegment mitmischen. Auf der Bilanzpressekonferenz wurden nicht nur Rekordgewinne verkündet, sondern auch die 74,9-Prozent-Übernahme des Online-Prospekte-Anbieters Kaufda. Das Unternehmen bietet digitale Prospekte aller Art. Der Clou dabei: die jeweiligen Angebote werden mit Google Maps verknüpft, der Leser kann sich also unter günstigen Angeboten in seiner Umgebung umsehen.

Mit dem Kauf dürfte Springer dem eigenen werbegestützten Finanzierungsmodell seiner Print-Titel keinen Gefallen tun: Werden Prospekte einer Zeitung beigelegt, besteht die Gefahr, dass sich niemand für die Angebote interessiert. Diesen Streueffekt gibt es bei Kaufda nicht: Wer hier einen Prospekt aufruft, interessiert sich für die Angebote - die werbenden Unternehmen zahlen deswegen gerne Geld an Kaufda .

Die Springer-Strategie scheint also klar. Wenn schon die Anzeigen ins Netz abwandern, dann bietet man lieber selbst entsprechende Online-Dienste an als sie der Konkurrenz zu überlassen. Und Kaufda verfügt nach eigenen Angaben über eine lange Kundenliste, auf der sich neben 120 Großunternehmen bundesweit 200.000 Einzelhandelsgeschäfte befinden.

Steve Jobs verpasst Ritterschlag der Queen

Beinah hätte Apple-Chef Steve Jobs am Ende seinen ewigen Rollkragen-Pullover gegen eine etwas feinere Gewandung tauschen müssen. Jedenfalls dann, wenn er von der britischen Queen zum Ritter geschlagen worden wäre. Doch die Zeremonie blieb Jobs erspart, wie der "Telegraph" berichtet . Alles schien schon sauber eingetütet, da verhinderte der damalige Premierminister Gordon Brown die königliche Ehrung. Der Politiker hatte Jobs offensichtlich übelgenommen, dass er sich dem Besuch der Jahreskonferenz der Labour-Partei verweigert hatte. Diese Art der Wahlkampf-Unterstützung wollte Jobs wohl nicht leisten.

Nun ist das Idol vieler Apple-Fans weiterhin bürgerlich, der Order of the British Empire ist Geschichte - und es bleibt bei "His Steveness".

Apple und Windows streiten um den Begriff "App Store"

App Store - ein Allerweltsbegriff, den jeder benutzen darf? Oder doch ein schützenswertes Gut, dessen unlizensierte Verwendung richtig teuer wird? Darum streiten sich derzeit die Webgiganten Apple und Microsoft. Der Windows-Konzern hatte zu Anfang des Jahres beim amerikanischen Patentamt Einspruch gegen den von Apple erhobenen Anspruch auf Markenschutz für den Begriff eingelegt. Das sei ein völlig geläufiger Begriff, auf die derartige Ansprüche nicht erhoben werden könnten, argumentiere Microsoft. Apple antwortete mit einer umfangreichen Eingabe an die Patentbehörde (PDF).  Darin legten die Apple-Anwälte detailliert klar, warum der Anspruch auf Markenschutz ihrer Meinung nach zu Recht bestehe. Sie verwiesen darauf, auch "Windows" sei ein Allerweltswort und dennoch eine geschützte Marke.

Was nun wiederum Microsoft nicht ruhen lässt. Gegenüber Cnet ließ der Softwarekonzern mitteilen, er halte an seiner Argumentation fest. Der Begriff "App Store" solle für alle zur freien Nutzung zur Verfügung stehen, "ohne Furcht vor Apple-Repressalien" .

Nipplegate bei Facebook?

Dass in den USA andere Regeln in Sachen Meinungsfreiheit herrschen als auf dieser Seite des Atlantiks, müssen Nutzer von US-Angebote immer wieder feststellen. Politische Extremisten dürfen frei und ungehemmt agitieren, wohingegen in Bezug auf alles Körperliche eine geradezu gouvernantenhafte Keuschheit gilt.

Diese Erfahrung macht gerade eine Reihe von Profi-Fotografen, die mit ihren Arbeiten auch beim Social Network Facebook aktiv sind. Futurezone berichtet über die Erlebnisse von Gerhard Hintringer, eines Fotografen, aus dessen Facebook-Account immer wieder Fotos weggelöscht werden . Offensichtlich verstießen einige seiner Arbeiten gegen die sittenstrengen Nutzungsbedingungen Facebooks, die pornografische Motive untersagen. Im Fall des gelöschten Bildes sei es aber lediglich um die Aufnahme einer Frau am Strand in Badekleidung gegangen.

Was Hintringer besonders erbost, sind die mangelnden Möglichkeiten zum Einspruch gegen solche Zensuraktionen: "Ich habe meine Beschwerde an sechs E-Mail Adressen geschickt, bei vier kam die Meldung zurück, dass über diese Adresse kein Support mehr vorhanden ist." Diese Erfahrungen seien beileibe kein Einzelfall, andere Fotografen würden von ähnlichen Vorfällen berichten. Auch hier kam es immer wieder zu Löschungen, von einzelnen Fotos bis hin zum gesamten Profil. Was für die einzelnen Fotografen recht ärgerlich ist, schließlich nutzen nicht wenige ihre Facebook-Präsenz als Plattform zur Selbstvermarktung.

Nichtkommerzielle Online-Piraterie laut Studie allgemein akzeptiert

Endlich mal eine Gelegenheit, bei der die unerlaubte Nutzung fremder Inhalte als Kavaliersdelikt bezeichnet werden darf. Zumindest dann, wenn man den Zahlen einer dänischen Studie Glauben schenkt. Im Rahmen der Untersuchung äußerten 70 Prozent der von der Rockwool Foundation Befragten, das unerlaubte Herunterladen von Inhalten aus dem Internet sei "akzeptabel".

Weiter geht diese Großmut allerdings nicht. Denn auf die Folgefrage, ob es zulässig sei, derart illegal heruntergeladenes Material auch weiterzuverkaufen, erklärte 75 Prozent, dies sei "völlig inakzeptabel". Torrentfreak weist dabei auf ein interessantes Detail hin: trotz aller Kampagnen der Musik- und Filmindustrie und der Erfindung des Begriffes "Raubkopie" hätten sich die Einstellungen in der letzten Dekade nicht geändert. Bereits 1997 hätten ebenfalls nur drei von zehn Befragten illegale Downloads zu privaten Zwecken abgelehnt .

Auch das noch:

Mehr lesen über