Netzwelt-Ticker: "Star Wars"-Lucas lässt löschen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Netzwelt-Ticker "Star Wars"-Lucas lässt löschen

George Lucas lässt ein Fanprojekt wegen Urheberrechtsverstoß löschen, in den USA soll es bald ein landesweites Gratis-W-Lan geben und in Neuseeland haften Internetcafés für Raubkopien. Das und mehr im Überblick.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nur ein wahrer Fan opfert dem Objekt seiner Leidenschaft Jahre und Jahre, um es zu pflegen, zu vergrößern und auszubauen. So wie Michael Heilemann, der alle möglichen Bilder und Motive zum Thema "Krieg der Sterne" sammelte und beim Bilderdienst Flickr als eigenes Fotoalbum veröffentlichte.

In der Fangemeinde war das Projekt recht angesehen, wie die Vielzahl der Verlinkungen und Verweise zeigte. Nur einem gefiel das gar nicht, Star-Wars-Macher George Lucas, beziehungsweise seiner Firmengruppe Lucasfilm. Die schickte Fan Heilemann eine Unterlassungserklärung wegen Urheberrechtsverstoß, Flickr löschte das komplette Album. Damit sind Jahre von detailversessener, wenn auch unautorisierter Arbeit für die Katz.

Entsprechend sauer reagiert der um die Ergebnisse seiner Bemühungen gebrachte Fan. Auf seiner Flickr-Seite zieht er das bittere Fazit : "'Sammeln, teilen, aber keine sinnvolle Ordnung hineinbringen', das scheint die zu lernende Lektion zu sein."

Es ließe sich noch eine zweite anschließen: Auch im durchaus nicht rechtsfreien Raum des Internet gilt das Urheberrecht. Das beißt sich zwar mit der Netzkultur, rein formell aber hat Lucas natürlich Recht. Eine völlig andere Frage ist dagegen, ob es klug ist, Fans derart zu frustrieren. Denn Heilemann mag Copyrights gebrochen haben, unter dem Strich machte er für Lucasfilm aber auch kostenfrei Werbung.

USA: Pläne für ein landesweites Gratis-W-Lan

Der scheidende Chef der US-Regulierungsbehörde FCC, Kevin Martin, will auf der nächsten Sitzung vorschlagen, ein nationales W-Lan-Netz zum Nulltarif zu errichten. Bei der Versteigerung weiterer Mobilfunkfrequenzen soll die Vergabe an eine entsprechende Auflage gebunden werden.

Das Gratis-Netz soll allerdings nicht ganz so flott sein wie eine schnellere, aber kostenpflichtige Variante. Der Gratis-Zugang soll zudem mit Filtern ausgerüstet werden , die jugendgefährdende Inhalte blockieren. Ein Umstand, der von Verbraucherschützern und Bürgerrechtlern schon kritisiert wurde .

Auch die Mobilfunker sind über die Gratis-Konkurrenz nur mäßig begeistert. Sie monieren, es könne zu Überschneidungen und Störungen des Gratis-Dienstes bei benachbarten Frequenzen kommen, T-Mobile USA befürchtet negative Auswirkungen auf sein UMTS-Netz.

Was letztendlich aus Martins Plänen wird, erfährt die geneigte Netzgemeinde nicht vor dem 18.Dezember. An diesem Tag findet nämlich die FCC-Sitzung statt, wohl zum letzten Mal unter dem alten Chef.

Internetcafé haftbar für Raubkopien?

Im Kampf gegen Raubkopierer haben die neuseeländischen Behörden ein neues Ziel ausgemacht: Internetcafés. In Auckland bekam ein solcher Kaffeesieder mit Onlinezugang jetzt ein Knöllchen, weil Kunden auf den Computern die neuesten Kinofilme anschauten.

So hatten die Cafégäste schon Monate vor dem Kinostart zu Filmen wie Wall-E, den neuesten Indiana-Jones-Streifen oder Iron Man Zugang. Dazu aber ist der Betrieb ganz sicher nicht lizensiert, also rückte gestern die Polizei mitsamt Computerspezialisten an und legte den Laden still.

Natürlich verfolgte das öffentlichkeitsträchtige Auftreten ein Ziel. Tony Eaton, der Chef der neuseeländischen Anti-Piraterie-Vereinigung NZFACT kündigte weitere ähnliche Maßnahmen an : "Internetcafébesitzer sollten das als Weckruf ansehen und sicherstellen, dass sie keine Gesetze brechen. So eine Aktion fand zum ersten Mal statt. Es wird nicht das letzte Mal sein."

Open-Document soll Standard der Bundesverwaltung werden

Der IT-Rat der Bundesregierung favorisiert offene Dokumentenformate und beschloss nun, das Open-Document-Format (ODF) bis 2010 einzuführen. Bis dahin sollen die diversen Bundesbehörden imstande sein, Dokumente dieses Standards empfangen, bearbeiten und versenden zu können.

Die Entscheidung bedeutet aber nicht den völligen Abschied von Microsoft und dessen Formaten, zumindest das Office Open XML (OOXML) der Redmonder wird weiter im Rennen bleiben. Denn der Bundestagsbeschluss vom Juli 2007, der der jetzigen Entscheidung zugrunde liegt, sollte den Wettbewerb zwischen den Formaten fördern , nicht ein Monopol durch ein anderes ersetzen.

Außerdem:

Mehr lesen über