Netzwelt-Ticker Twitter-Gründer fürchtet Propaganda
Twitter-Mitgründer Biz Stone: Markige Worte zum Abschied
Foto: ? Phil McCarten / Reuters/ REUTERSBiz Stone hat seinen Entscheiderposten bei Twitter aufgegeben - allerdings nicht ohne ein paar markante Abschiedsworte. "The Atlantic" hat die interessanten Aussagen des Mitgründers transkribiert. Bei einer Kreativenkonferenz im US-Bundesstaat Colorado äußerte Stone sich vor allem kritisch zur Beziehung zwischen dem Online-Service und der US-Regierung, die längst die Rolle von Twitter und Co. als wichtiges Tools etwa in den arabischen Revolutionen erkannt hat. Das Außenministerium mache sich auf einmal lieb Kind mit Twitter, als hätte man dort eine Eingebung gehabt, so Stone: "Oh, wow, wir versuchen es mit Kalaschnikows, ihr schafft es mit Tweets. Können wir Freunde sein?"
Es gab bereits Fälle, in denen der Staat versucht hat, Twitter zu kontrollieren, etwa als das Justizministerium bei seiner Vendetta gegen Julian Assange und seine Enthüllungsplattform WikiLeaks persönliche Daten von Sympathisanten forderte. Twitter protestierte und gab die Informationen auch erst an die Behörden, als ein Gericht dies anordnete. Nicht immer ist der staatliche Einfluss derart offensichtlich. Im Falle der Situation in Nordafrika beispielsweise könnte Twitter missverstanden werden als "ein Tool, um die US-Demokratie in der Welt zu verbreiten", warnt Biz Stone - und eben das solle es doch bitte auch in Zukunft nicht sein.
Dass der Microblogging-Dienst für Gutes benutzt werde, begrüßte er. Aber es dürfe nicht so aussehen, als habe die Regierung Twitter in der Tasche. Hinter Stones Aussagen steckt die berechtigte Befürchtung, dass die Anwendung sich verselbständigt hat und ohne tatsächlichen Einfluss als ein Propagandainstrument amerikanischer Werteverfechter verstanden werden könnte. Und er will wohl sichergehen, keinesfalls mit dem sozialen Netzwerk Facebook in einen Topf geworfen zu werden, das sich der Regierung beispielsweise als Plattform für die arabischen Proteste geradezu andient. Stones zentrale Forderung: "Twitter muss eine neutrale Technologie bleiben."
Mozilla reagiert auf Kritik am Firefox-Tempo
Wird Mozilla wieder einen Gang zurückschalten bei der Weiterentwicklung des Browsers Firefox? Im Unternehmensblog geht ein Mozilla-Vertreter auf die Sorgen von Firmen ein, die Firefox als Software-Lösung nutzen - aber beim neuen Tempo nicht mehr hinterherkommen. Der Browser wird neuerdings alle paar Monate komplett überholt, der Support für die jeweilige Vorgängerversion mit jeder neuen Version eingestellt. Was für Einzelpersonen kein großes Problem darstellt, stößt den Unternehmen sauer auf, die sich gar nicht schnell genug auf Firefox 4 einstellen konnten, bevor schon Nummer fünf erschien. Ein IBM-Manager hatte in der vergangenen Woche einen "Tritt in die Magengrube" für das Unternehmen beklagt.
Mozilla gelobt nun, die Bedürfnisse von Individuen und Firmen besser abzuwägen und nach einer Lösung zu suchen, die beiden gerecht wird. In dem Blogpost wird jedoch auch betont, dass Firefox primär für den Einzelnutzer entwickelt wurde. Ob und wie die Wünsche der Unternehmen tatsächlich gehört werden, ist also zunächst fraglich.
Chinesischer Spam nimmt zu
Symantec sieht chinesische Spammer aufsteigen. Die Sicherheitsfirma hat festgestellt, dass Spam-Mails mit chinesischen Schriftzeichen in den letzten Monaten deutlich mehr geworden sind. Aktuell ist die weltweite Belastung durch Spam-Mails so niedrig wie seit 2008 nicht mehr, hat Symantecs aktueller Sicherheitsreport ergeben.
Musikindustrie erklärt ihre Liebe zur iCloud
Ein "Gewinn für alle", ein "bahnbrechendes neues Modell": Die Recording Industry Association of America (RIAA) kriegt sich gar nicht mehr ein vor Begeisterung für Apples kommenden Streaming-Service iCloud. "Digital Media Wire" zitiert den Chef der Musikindustrielobby mit diesen und weiteren lobenden Worten. Der neue Service respektiere die Urheberrechte und rege den Appetit der Fans für das Sammeln von Musik an.
So weit die Bekenntnisse vor dem Start von iCloud. Wie das Fachmagazin "Computer Reseller News" jedoch schon vor einigen Tagen in einem Artikel bemerkte, könnte es trotzdem noch zum Bruch zwischen Apple und der RIAA kommen, sobald Nutzer anfangen, Raubkopien in ihre Cloud zu laden und das Unternehmen einen Weg finden muss, damit umzugehen.
Timberlake bringt MySpace zurück
Zu den künftigen Eignern von MySpace gehört auch ein bekanntes Gesicht: Schauspieler Justin Timberlake, der sich offenbar von seiner Rolle im Oscar-prämierten Film "The Social Network" hat inspirieren lassen. Darin spielt er Sean Parker, den Mentor von Mark Zuckerberg, der Facebook in der Anfangsphase entscheidend prägte. (Ex-)Popstar Timberlake will MySpace neues Leben einhauchen, indem Musiker und Fans in einer Community zusammengebracht werden. Der echte Sean Parker äußert sich übrigens in diesem Video zum Niedergang von MySpace.
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