Netzwelt-Ticker Twitterhalde in US-Nationalbibliothek
Die ehrwürdige Library of Congress: Will archivieren, was so getwittert wird
Foto: J. Scott Applewhite/ ASSOCIATED PRESSDie amerikanische Nationalbibliothek Library of Congress hat am Mittwoch angekündigt, sämtliche über Twitter verschickten Kurzmitteilungen zu indizieren: "Ganz richtig. Jeder öffentliche Tweet, der jemals seit dem Twitter-Start im März 2006 verschickt wurde, wird digital in der Library of Congress archiviert," heißt es in einem Statement des Bibliotheks-Blogs : "Das sind übrigens richtig viele Tweets: Twitter verarbeitet mehr als 50 Millionen Tweets jeden Tag, insgesamt sind das Milliarden Nachrichten."
Dass über Twitter nicht nur News-Links, Spam und Belanglosigkeiten ausgetauscht werden, will die Bibliothek anhand einiger "historischer" Tweets erklären: Dazu gehören US-Präsident Obamas Wahlsieg-Nachricht und zwei Tweets eines in Ägypten inhaftierten und wieder freigelassenen Fotojournalisten. Vermutlich werden künftig fleißige Twitter-Nutzer sich durchs Archiv graben, auf der Suche nach weiteren 140-Zeichen-Schätzen. Doch ein Erfolg könnte auf sich warten lassen - wie die vielen "Best of Twitter"-Listen zeigen , wartet viel Langeweile im Datenhaufen.
Wirklich von Nutzen könnte die Twitterhalde deshalb auch eher für Forscher sein: Eine Analyse der Twitternachrichten könnte ihnen bei der rückblickenden Analyse der Verbreitung von Nachrichten, Stimmungen in der öffentlichen Meinung, der Entwicklung von Informations-Netzwerken helfen. Dazu hält die Library of Congress noch viele weitere Internet-Daten seit 2000 vorrätig: "Heute speichern wir mehr als 167 Terabyte an Web-Informationen inklusive Rechtsblogs, Websites von Beamtenanwärtern und Mitgliedern des Kongresses."
EU-Bericht: Datenschutzrisiken am Flughafen
Enisa, die IT-Sicherheitsagentur der EU, hat einen neuen Risikobericht über die Gefahren über RFID auf Flughäfen veröffentlicht . Dahinter steckt das Konzept des "Internet der Dinge", wonach per RFID-Funkchip jeder Gegenstand - etwa auf einem Flughafen - elektronisch ortbar und als Datensatz verarbeitbar wird. Der Bericht zeige "bedeutende Sicherheitsrisiken und die sozialen und rechtlichen Folgen sowie die Auswirkungen auf den Datenschutz auf" und zeigt, was von staatlicher Seite dagegen unternommen werden sollte.
Die ORF Futurezone fasst die wichtigsten Punkte des 109-seitigen Berichts zusammen . Als eine der größten Gefahren identifiziert die Enisa die nachträgliche Veränderung der Verwendungsrichtlinien der gesammelten Datenbestände.
"Je mehr Daten gesammelt werden, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass Datenverwalter und andere auf Ideen kommen, wie diese Daten neu eingesetzt werden können", heißt es in dem Bericht, und: "Die stille Weiterverwendung von Datenbeständen ist eine der bösartigsten Aktivitäten gegen Privatsphäre und Datenschutz. Sie unterminiert das Vertrauen."
Zwar habe das "Internet der Dinge" viele Vorteile, die Enisa drängt aber in ihren Empfehlungen an den Gesetzgeber darauf, Passagieren mehr Kontroll- und Informationsmöglichkeiten hinsichtlich ihrer vom Flughafen gespeicherten Daten zu geben.
Merkels Regierungs-iPad
Aufgeregt berichtet Michael Bröcker von RP Online von einem US-Ausflug mit der Kanzlerin: Kaliforniens Krisen-Gouverneur Arnold Schwarzenegger habe Angela Merkel ein iPad geschenkt. Die, angeblich eine Meisterin des SMS-Schreibens, könne sich nun "in die Feinheiten des neuen Apple-Computers iPad einarbeiten."
Und zwar noch bevor es andere Deutsche können - Apple hatte gerade den internationalen iPad-Start um einen Monat verlegt. Sobald sie von der Regierungsreise zurück ist, werde sie das 500 Dollar teure Gerät "korrekt im Kanzleramt registrieren" lassen, versicherte die Kanzlerin den anwesenden Journalisten.
Sexsucht nach Wii-Fall, Scankassen-Tourette und Einbrecher-Alarm
Abteilung spinnerte Computernutzer (und Meldungsschreiber): Eine britische Frau soll - der Boulevardzeitung "Daily Mail" zufolge - eine "schwere Sexsucht" entwickelt haben, nachdem sie von einem rutschigen Wii-Fit-Videospielcontroller gefallen sei . Die 24-Jährige brauche "mindestens zehn Sex-Sessions am Tag", um ihre Lust zu stillen. Die geringsten Vibrationen von Handys oder Mixern machten sie an. Schuld an der Misere sei ein Nerv, den sich die Frau beim Sturz verletzte.
Ein Mädchen aus dem US-Staat Pennsylvania wiederum klagte über Brandverletzungen und psychische Probleme, nachdem ein Kassierer ihr den LED-Strahl einer Scanner-Kasse übers Gesicht führte und das "grummelige" Mädchen aufforderte, doch zu lächeln . Mit Anwaltshilfe soll jetzt eine Entschädigung folgen, das Mädchen sei nun lichtempfindlich, bei der Aktion verbrannt worden und entwickelte später posttraumatische Stressstörungen und das Tourette-Syndrom. Der Anwalt des Ladeninhabers konterte: Scannerlicht ist LED-Licht und damit ungefährlich, das Kind habe vielmehr schon zuvor schwere Gesundheitsprobleme gehabt. Am Montag beginnt die Verhandlung.
Zuletzt klagt dann noch ein ehemaliger britischer Mountainbike-Besitzer, dass Diebe sein Fahrrad nur deswegen geklaut haben, weil die Google-Street-View-Kameras in seine Garage blitzten - und Google später zwar das ebenso zu sehende Gesicht des Betroffenen und die Fenster seines Hauses automatisch schwärzten, nicht aber seine sperrangelweit offene Garagentür. "Man kann alles darin ganz klar erkennen", sagte er dem "Telegraph" .
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