Netzwelt-Ticker: US-Geheimdokumente online abrufbar - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker US-Geheimdokumente online abrufbar

Skandal bei der US-Armee: Unterlagen über Militäranlagen im Irak, Baupläne einer Botschaft und sogar Infos über Waffensysteme sind online für jedermann abrufbar. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Ein Mac-User löscht das Internet, Überwachungskameras werden blendfrei und vieles mehr.
Von Sönke Jahn
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eine haarsträubende Geschichte über den für Dritte sogar lebensgefährlichen Umgang mit sensiblen Daten erzählt die Nachrichtenagentur AP. Mit etwas Spürsinn fand sie übers Internet haufenweise heikle Dokumente, die ihr das US-Militär garantiert nicht widerstandslos übergeben hätte. Die Baupläne der neuen US-Botschaft in Bagdad etwa, detaillierte Pläne von US-Militärbasen oder von US-Gefangenenlagern im Irak . Außerdem fand man eine Karte des Tanklagers am Flughafen Basra, Interna über Waffensysteme und vieles andere mehr - AP konnte sich Dateien kopieren, nach denen sich nicht nur Spione, sondern auch Bombenleger die Finger lecken würden.

Aber nicht die US-Armee war hier das Leck, sondern deren Lieferanten. Etwa Bauunternehmer, Architekten und Unternehmensberater. Die haben diese Dokumente auf ihren Firmenservern deponiert, um bequem und teilweise ohne weitere Nutzerkennung darauf zugreifen zu können. Bei der Firma SRA International Inc. fand sich laut AP sogar ein Dokument mit Daten für den Zugriff auf Militärcomputer. Die Firma ging so sorglos damit um, weil die Daten ja nicht in Suchmaschinen indexiert und etwa per Google zu finden gewesen wären, erklärte Firmensprecherin Laura Luke gegenüber AP: "Man hätte sich deshalb schon Mühe geben müssen, um sie bei uns zu finden."

Mac-User lässt Internet abstürzen

Vor zwei Stunden sei das Internet zusammen gebrochen, alle Daten seien futsch, meldet das für seine satirischen Nachrichten bekannte Onion News Network. Weiter heißt es, das FBI habe den Schuldigen bereits gefunden: Mac-User Eric Tipton aus Connecticut. Was folgt ist eine Satire der Extraklasse: Darin heißt es, Untersuchungen hätte ergeben, dass Tipton mehr als 35 Fenster zugleich auf seinem Rechner geöffnet hatte. Er lud unter anderem die komplette Yo La Tengo-Diskografie aus iTunes, schaute sich mehrere YouTube-Videos an, fragte drei Mail-Accounts ab, chattete mit Freunden und hörte Internetradio, während er eine neue Firefox-Version installierte, über Skype telefonierte und Online-Poker spielte.

Im Hintergrund, so das Spaßfilmchen weiter, habe er gerade ein neues Betriebssystem-Update aufgespielt, als er die Myspace-Seite eines Freundes öffnete, auf der plötzlich ein animiertes GIF stehen blieb. Ein winziger Justin Timberlake-Videoclip soll schließlich das Fass zum Überlaufen gebracht haben. Dann, so heißt es in dem Video, fror Tiptons Computer ein. Der verzweifelte Anwender zog den Stecker aus der Steckdose und startete das Internet neu. Aber alle Daten waren weg, das World Wide Web komplett gelöscht. Die US-Regierung, so sagt es der vermeintliche Nachrichtensprecher, gibt sich zerknirscht, habe schon lange ein Backup machen wollen, sei aber nie dazu gekommen. Die ganze hanebüchene Story sehen Sie am besten selbst: im Videostream der US-Satireseite .

Jeder vierte deutsche Arbeitsplatz ist online

Na, wenn das kein Trend ist: Laut Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien  (Bitkom) sind 27 Prozent der 16- bis 74-jährigen Deutschen am Arbeitsplatz mit dem Internet verbunden. Damit manifestiert sich ein lang anhaltender Trend. Im Jahr 2004 waren es noch 18, 2005 bereits 20 Prozent.

Im Vergleich mit anderen EU-Ländern liegt Deutschland nur auf einem der mittleren Plätze. An der Spitze stehen wieder einmal die Nordlichter: Dänemark mit 46, Finnland mit 39 und Schweden mit 38 Prozent vernetzter Arbeitsplätze. Die Schlusslichter im innereuropäischen Vergleich liegen im Osten. In Polen sind lediglich 13 Prozent, in Rumänien sogar nur sieben Prozent der Bürocomputer mit dem World Wide Web verbunden.

Überwachungskameras lassen sich nicht mehr blenden

Bitte lächeln beim Geldabheben: Noch in diesem Jahr soll es Überwachungskameras am Bankautomaten geben, die auch bei hellem Gegenlicht deutliche Portraitfotos der Bargeld-Selbstbediener abliefern statt unbrauchbar überbelichteten Foto-Müll zu erzeugen.

Wie die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen AIF meldet, hat man soeben einen Hochleistungschip zur Marktreife gebracht, der in den am Automatenschalter eingesetzten Miniaturkameras 50 Bilder pro Sekunde knipst und darunter jeweils fünf Bilder mit unterschiedlichen Belichtungszeiten anfertigt . Ein spezieller Algorithmus soll unerwünschte Gegenlichteffekte automatisch herausrechnen und tiefenscharfe und deutliche Bilder ähnlich wie HDR-Fotos erstellen. Solche High-Dynamic-Range-Bilder müssen bislang noch aus mehreren unterschiedlich belichteten digitalen Negativen mit Spezialsoftware am Rechner erzeugt werden.

Mindestens acht Milliarden

Die Eigentümer der Community-Plattform Facebook wollen ihr Web 2.0-Unternehmen keinesfalls unter Wert verkaufen. Gegenüber der " Financial Times " gab sich Aufsichtsratsmitglied Peter Thiel selbstbewusst: "Wir glauben, sie ist acht bis zehn Milliarden Dollar wert", sagte der Aktionär über seine Seite. Derzeit seien bestenfalls zwei bis drei Milliarden durch einen Verkauf zu erzielen. Viel zu wenig findet der Investor und verweist auf die stetig steigenden Nutzerzahlen. Von derzeit 30 Millionen, wird die Zahl der Anwender bis Jahresende auf 100 Millionen ansteigen, glaubt Thiel.

Ein eventueller Facebook-Käufer müsste wohl, so oder so, einige Jahre Geduld aufbringen, um seine Milliardeninvestition wieder einzuspielen. Zwar seien bislang keine konkreten Umsatzzahlen bekannt, doch werde der letztjährige Umsatz auf 50 Millionen Dollar geschätzt, schreibt die "Financial Times".

Unwetterbericht für iPod-Nutzer

Von der Klimakatastrophe direkt ins Sommerloch: Sowohl die Nachrichtenagentur Reuters  als auch AP  beschäftigen sich anlässlich eines Berichtes im New England Journal of Medicine vom Donnerstag ausführlich mit Joggern oder sogar Gartenbesitzern, die beim Laufen oder Rasenmähen vom Blitz getroffen wurden, während sie Musik vom iPod hörten.

Der Rasenmähermann will das aufziehende Unwetter nicht gehört haben, weil laut Metallica dröhnte. Entgegen landläufigen Überzeugungen aber ziehen iPods Blitze nicht an. Die schlagen nach wie vor ein, wo sie wollen und springen über, wenn man blöderweise in der Nähe ist. Aber wer dann ein metallenes Gerät am Leibe trägt, kann schwerste Verbrennungen erleiden. Einerlei, ob es sich dann um Schmuck, Münzen oder elektronische Geräte handelt. Schlimmste Verletzungen sollen aber bei iPod-Trägern durch explodierende Ohrstöpsel aufgetreten sein. Sie ließen Trommelfelle platzen, zerstörten wichtige Hörknöchelchen und ließen Kiefer brechen. Also besser drin bleiben wenn‘s blitzt.

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