Netzwelt-Ticker US-Kleinstadt wirft Google raus
North Oaks ist ein beschauliches Städtchen im ebenso beschaulichen US-Bundesstaat Minnesota. Und die 4500 Einwohner möchten auch, dass das so bleibt. Für übertriebene Neugier, und dann auch noch von Wildfremden, haben sie gar nichts übrig. Selbst die Straßen sind seit 24 Jahren privates Eigentum, wer nicht im Ort wohnt, darf sie nicht benutzen. Auch nicht anschauen oder gar fotografieren. Die Gemeinde forderte jetzt Suchmaschinenbetreiber Google auf, sämtliche Fotos, die im Rahmen des "Street View"-Projekts für den Kartendienst Google Maps gemacht wurden, wieder zu entfernen .
"Es ist nicht so, dass ein paar überkandidelte Leute die Welt draußen halten wollen", so der Bürgermeister Thomas Watson. "Aber (Google) hatte einfach keine Befugnis, auf Privateigentum zu gehen."
Handy-Ortung mit Google
Als ob Google noch auf Kameras zur Überwachung angewiesen wäre. Mittlerweile funktioniert selbst die Handy-Ortung ohne GPS. Eine speziell entwickelte Software namens "My Location" kann aufgrund der Lage einzelner Sendemasten und der jeweiligen Funkstärke die Position eines Mobiltelefons bis auf ein paar Hundert Meter genau bestimmen. Zahlreiche Dienstleister bieten das seit längerem als Spaß-Gimmick zur Lokalisierung von Freunden an.
Bei Googles Schnittstellenverwaltung Gears ist jetzt eine Zugriffsmöglichkeit erschienen, die diesen Ortungsdienst gratis anbietet . Sie kann die Position des Handys, auf dem Gears läuft, ohne Probleme ermitteln.
Apropos: Die Polizei in Deutschland braucht immer noch eine richterliche Anordnung, um so eine GSM-Ortung durchzuführen. Bedingung dafür ist der begründete Verdacht auf eine schwere Straftat oder auf Gefahr im Verzug.
Reklame, die zurückguckt
Nun soll es ja Zeitgenossen geben, die ohne Handy unterwegs sind und sich daher dem beruhigenden Gefühl hingeben, frei von Positionsermittlungen und anderen Überwachungsmaßnahmen zu sein. Weit gefehlt, selbst Werbeplakate schauen schon einmal genauer hin. Damit hätte wohl niemand gerechnet, wer denkt schon bei bunt beklebten, altmodischen Tafeln an Hightech?
Zum Beispiel Marketingleute, die wissen wollen, wie viele Menschen von ihrer Werbung angesprochen werden und wie. Also wird im Metallrahmen der Werbewand eine kleine Kamera installiert, die vorbeilaufende Passanten filmt . Dabei entstehen eine Menge Daten über die Reaktionen der einzelnen Menschen, ihr Alter, Geschlecht, wie lange sie das Motiv angeschaut haben, und was sie genau betrachtet haben. All das wird an eine zentrale Datenbank zur Auswertung weitergeleitet. Da empfiehlt es sich, die Sonnenbrille bald gar nicht mehr abzusetzen.
OECD: Jeder vierte US-Computer mit Malware infiziert
Alles Reden über Anti-Virenschutz, über die Abwehr von Schadprogrammen und Phishing-Versuchen fruchtet nicht wirklich: Wie die OECD im Rahmen einer Studie über Online-Kriminalität herausfand, ist mittlerweile jeder vierte Computer in den USA mit Malware infiziert .
Verantwortlich sind die gestiegenen Aktivitäten von Hackern und Co., die an Datendiebstahl interessiert sind und in die Rechnernetze von staatlichen Behörden und Unternehmen eindringen. Diese Kriminalität stelle inzwischen eine ernsthafte Bedrohung für die Internet-Wirtschaft dar, so die Studie.
Bundesweite Demonstrationen gegen Überwachung
Am Wochenende herrschte in Deutschland (mit Ausnahme des Rheinlandes) bestes Demo-Wetter, und so gingen am Samstag in mehreren Städten Tausende Bürger gegen die zunehmenden Überwachungsmaßnahmen, wie sie bei der Vorratsdatenspeicherung, der Online-Durchsuchung oder biometrischer Ausweise stattfindet, auf die Straße .
Unter dem Motto "Freiheit statt Angst" versammelten sich in München 2500 Menschen, in Frankfurt waren es 1000 und in Hamburg konnten sich trotz drohenden Hitzschlags immer noch 500 aufraffen. Allerdings erzeugte der Anblick mancher Demonstranten bei anderen Teilnehmern nicht durchweg reine Freude . Wenn wie in Hamburg vorneweg ein Schwarzer Block aus Autonomen marschiert, könnte der Anspruch politischer Unabhängigkeit und bürgerlicher Sorge um die Privatsphäre schnell an Glaubwürdigkeit verlieren.
Fingerabdrücke bald auch im Personalausweis?
Die Anti-Überwachungsdemonstranten wurden sicherlich auch durch Meldungen mobilisiert wie jene, dass zukünftig nicht nur im Reisepass, sondern auch im Personalausweis die Fingerabdrücke des Besitzers gespeichert werden sollen .
Entsprechende Pläne des Innenministeriums stoßen innerhalb der Großen Koalition allerdings auf Widerstand. Der Innenausschussvorsitzende Sebastian Edathy (SPD) wurde mit der Einschätzung zitiert, derartige zusätzliche Daten auf dem Ausweis würden "keinen Sicherheitsgewinn gegenüber den herkömmlichen Ausweisen" erbringen. Und darum soll es beim Einsatz biometrischer Verfahren ja angeblich gehen.
Innenminister Schäuble gehackt
Während sich der Innenminister in Sachen Überwachungsmaßnahmen weiterhin umtriebig zeigt, wurde er, genauer seine Internet-Seite, zum Ziel eines erfolgreichen Hackerangriffs . Am Samstag grinste ein Totenschädel die Besucher der Seite über mehrere Stunden an, außerdem informierte ein Hinweis in englischer Sprache, dass "diese Seite von einem Profi gehackt wurde". Dabei ist das verboten.
Die x-te Datenschlamperei: US-Bank verschusselt 4,5 Millionen Kundendaten
Wenn bei staatlichen Stellen immer wieder vertrauliche Daten verschütt gehen, will sich auch die private Wirtschaft nicht lumpen lassen. Nein, hier ist nicht die Rede von der Deutschen Telekom, die private Daten ja eher sorgfältig sammelte, sondern der amerikanischen Bank of New York Mellon. Während eines Transports kam Verantwortlichen ein Datenband abhanden, auf dem die Daten von circa 4,5 Millionen Kunden gespeichert waren.
Das Unglaubliche daran: Das Material war unverschlüsselt . Nicht nur dafür kassierte die Bank einen Rüffel. Der Generalstaatsanwalt von Connecticut monierte außerdem, dass die Bank die betroffenen Kunden nicht umgehend informiert habe.
Außerdem:
Von wegen Hype:
Amerikas beliebtestes Smartphone ist nicht das iPhone
Kein Blendwerk: "Big Buck Bunny" gratis im Netz
Bangladesch:
Eine Million Handys abgeschaltet
Das MacBook Air: dünn genug zum Kuchenschneiden
Firefox 3: noch nicht endgültig fertig, aber schon auf Deutsch
Jetzt mit Flash: Acrobat 9 ist draußen